IPG-Journal zum Arabischen Frühling: Rebellion im Wartestand

IPG-Journal zum Arabischen Frühling: Rebellion im Wartestand
Tunis / Foto: ia

Zehn Jahre nach dem Arabischen Frühling sind Nahost und Nordafrika die größte Konfliktzone der Welt. Warum die Zeitenwende – vorerst – ausblieb. Mit der Selbstverbrennung des jungen Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi begann im zentraltunesischen Provinzort Sidi Bouzid vor zehn Jahren der Arabische Frühling. Dieser Selbstmord löste Demonstrationen und Massenproteste zunächst in ganz Tunesien, dann in Ägypten aus und erschütterte schließlich die gesamte arabische Welt. Zehntausende gingen auf die Straße, protestierten gegen Diktatoren und autokratische Herrscher und forderten soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Würde. Der Prozess stellte eine historische Zäsur dar: In Tunesien und Ägypten stürzten die langjährigen Machthaber Zine el-Abidine Ben Ali und Hosni Mubarak.

In Europa wurden die Ereignisse als Freiheitskampf der arabischen Jugend für Demokratie und Selbstbestimmung gefeiert, ihre Protagonisten mit Preisen und Ehrungen überschüttet. Doch die Hoffnung auf eine politische Zeitenwende hat sich nicht erfüllt. Einzig in Tunesien kam es zu einem Regimewechsel und zu einem anhaltenden Demokratisierungsprozess. In den meisten Ländern konnten die Menschen keine echten Fortschritte erreichen. Mancherorts sind die Verhältnisse heute schlechter als zuvor.

Der Nahe Osten und Nordafrika sind heute die größte Konfliktregion der Welt. Allerorten herrscht Instabilität und Ungewissheit. Die Bevölkerung wächst rasch, die Arbeitslosigkeit, vor allem bei den Jungen, ist hoch, die wirtschaftlichen Perspektiven sind mau. Das Einkommens- und Wohlstandsgefälle zwischen der EU und Nordafrika nimmt Jahr für Jahr zu. Die Verschuldung der Staaten steigt und damit die Abhängigkeit von internationalen Geldgebern, von IWF und Weltbank. Politisch dominieren autoritäre Staaten und repressive Systeme, allen voran das Militärregime in Ägypten und die Golfmonarchien, die allerorten die Gegenrevolution angeführt haben.

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