Kindheit im Niger: Pascaline bleibt am Ball

Die 13-jährige Pascaline aus Niger musste die Schule abbrechen, um Geld zu verdienen. Doch dann erfuhr sie von der Atcha-Akademie. Dort dürfen Mädchen lernen – und Fußball spielen.Der rote Sand staubt unter Pascalines Schuhen. Sie sprintet, schnappt sich den Ball, dribbelt bis zur Mittellinie und passt ihn zu einer Mitspielerin. „Ich bin zwar klein, aber schnell. Gut geeignet als Verteidigerin“, sagt die Sport­lerin nach dem Training und lächelt. „Ich liebe Fußball!“

Jenseits des Fußballplatzes ist das Leben schwierig für Pascaline. Ihre Familie hat nur einen einzigen Wohnraum zur Verfügung, in einer Lehmhütte in Nigers Landeshauptstadt Niamey. Zwei Betten, ein Ventilator, ein Kühlschrank, ein alter Fernseher – mehr Einrichtungsgegenstände gibt es darin nicht.

Viele Menschen in Niger sind arm. Das westafrikanische Land, das Teile der Sahara-Wüste umschließt, leidet immer wieder unter Dürren und Hungersnöten. Und wo Menschen ums Überleben kämpfen, bleibt oft keine Zeit für Bildung. Zwei Drittel der Einwohner können weder lesen noch schreiben. Die meisten Mädchen heiraten früh und bekommen viele Kinder – im Durchschnitt sieben.

Auch Pascaline musste die Schule kurz nach der Einschulung wieder verlassen. „Ich habe auf dem Markt Wasser verkauft, um Geld zu verdienen“, erzählt sie. Dann hörte Pascaline von der Atcha-Akademie, einer Fußballschule. Doch um sie besuchen zu dürfen, musste sie eine Aufnahmeprüfung bestehen.

Für Pascaline war sofort klar, dass sie es versuchen will. Also büffelte sie – und schaffte den Test. Das war vor zwei Jahren. Seither sitzt sie an vier Tagen pro Woche an einem Tisch in der Akademie und lernt. Die Kosten dafür trägt die Akademie.

Nach­mittags schwitzt sie beim Fußballtraining. Dank des Sports bleiben die Schülerinnen auch beim Lernen am Ball, können einen Abschluss machen und bekommen dadurch die Chance auf eine bessere Zukunft als ihre Mütter. „Ich hoffe schon, dass ich die Schule fertig machen kann“, sagt Pascaline. „Aber meine Leidenschaft ist einfach der Fußball, und mein Traum ist es, einmal Profifußballerin zu werden, beim FC Barcelona oder in den USA.“

Dafür trainiert Pascaline hart. Ihren Erfolg misst sie einmal im Jahr bei einem großen, von UNICEF ausgerichteten Fußballturnier für Mädchen. Und das läuft wie geschmiert! Pascaline wehrt Angriff um Angriff ab – und kann es am Ende kaum fassen: „Wir sind als Mannschaft so eine Einheit, und wir hatten das nötige Glück. Es war einfach unglaublich – wir haben das Turnier gewonnen!“ (UNICEF, Foto: © UNICEF/UNI211153/Haro)