Lebenslanges Lernen - ein Privileg

Lebenslanges Lernen – ein Privileg

Internationaler Tag der Alphabetisierung: 8. September 2014
Weltweit kann ein Fünftel der Erwachsenen nicht lesen und schreiben. So die nüchternen Zahlen der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO). Der fehlende Zugang, sich dieses Wissen anzueignen beeinträchtigt die gesellschaftliche Entwicklung und erschwert es, die vielseitigen Auswirkungen der Armut zu vermindern. Soziale Basisdienste, wie Bildung und Gesundheit stehen nicht allen offen.

Formuliert und festgehalten in den Millenniums-zielen ist, die Analphabetenrate bis zum Jahre 2015 um die Hälfte zu reduzieren. Für Afrika, südlich der Sahara kann dies nicht eingelöst werden. Diese Länder weisen eine sehr hohe Anzahl von Kindern auf, die nicht die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen, davon sind mehr als die Hälfte Mädchen.

Der Welttag soll in Erinnerung rufen, wie wichtig Alphabetisierung für die soziale, politische und kulturelle Entwicklung sowie für die Verwirklichung der Menschenrechte wie Bildung und Nahrung eines Landes sind.

Zahlreiche Programme und Initiativen versuchen diese Situation zu ändern. So auch das Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes e.V. (DVV) welches seit 2008 in Mali arbeitet. Finanziert werden diese Aktivitäten vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ). Die DVV- Mitarbeiter in Bamako, G.Quincke, Regional Direktor, M. Diague, verantwortliche für das nationale Programm sowie H. Kone die den Bereich Kapazitätsentwicklung leitet, erläutern die Prinzipien des lebenslanges Lernens als einen wichtigen Grundpfeiler, der sich an den Lebensverhältnissen in den ausgewählten Dörfern orientiert.

Ein erster Schritt ist der Einbezug der Dorfautoritäten und der Gemeinde, um gemeinsam die dringlichsten Probleme des Dorfes zu analysieren. Dieses Ergebnis ist die Basis für die Inhalte des Lesen und Schreiben Lernens. Alphabetisierung wird verknüpft mit beruflicher und politischer Bildung. Die Teilnehmer wählen für sie wichtige Bereiche aus, bestimmen den Zeitpunkt und den Rhythmus des Lernens. Begleitet werden diese Lernprozesse von ausgebildeten lokalen Lehrern, die mit dem lebenslangen Lernen (VITAL) vertraut sind. Dieser innovative Ansatz knüpft an Paulo Freire an und verbindet es mit partizipativen Methoden. Zeichnungen, Bilder, Grafiken, Kalender veranschaulichen auf lebendige Weise den Alltag der Lerngruppe. Die Teilnehmer diskutieren und wählen Aktionen aus, um ihre Probleme zu lösen. So werden zum Beispiel Schlüsselworte in Silben aufgeteilt und das Schreiben dieser Wörter trainiert. Das Spektrum der Themen reicht von landwirtschaftlichen Versuchsfeldern, um neue Produktionstechniken zu erlernen, über Einkommen schaffende Maßnahmen, über vorbeugende Handlungen gegen Malaria, bis über die aktive Mitwirkung in der Gemeindepolitik.

Die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Dörfern mit der Eröffnung neuer Perspektiven steht im Mittelpunkt.

Dieses Ziel ist erreicht für eine Frauengruppe in Mali, die mit der Alphabetisierung neben dem Zuwachs an elementaren Schreib- und Lesefertigkeiten auch zusätzliches Einkommen erwirtschaften konnten. Einen kleinen Überschuss haben die Frauen mit ihren Tätigkeiten erarbeitet. Für sie bedeutet dies einen Zuwachs an Selbstvertrauen, sie entwickeln Pläne für neue Aktivitäten. Die Nachfrage zeigt, wie stark gerade das Interesse der Frauen ist, ihre Bedingungen in den Dörfern zu verändern.

Darüber will DVV langfristig die Übernahme finanzieller Verantwortung von politischer Seite fördern. Mindestens 3% des nationalen Budgets soll für nicht formale Bildung ausgegeben werden. Ein weiter Weg, der Anstrengungen von allen Seiten erfordert in der praktischen Anwendung, der Umsetzung und Weiterentwicklung von Alphabetisierung.
Theresa Endres (Bamako)