Libyen: Dramatische Bedingungen für Geflüchtete und Migranten in überfüllten Internierungslagern

Altstadt Tripolis. Foto: Patrick André Perron

Ärzte ohne Grenzen ist besorgt über die verschlechterten Lebensbedingungen und die Sicherheitslage von Geflüchteten und Migranten in libyschen Internierungslagern. Am vergangenen Donnerstag war ein Mensch in dem Lager Al Mabani in der libyschen Hauptstadt Tripolis durch Schüsse getötet worden. Zwei Teenager mit Schusswunden wurden von Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen aus dem Lager herausgebracht, um behandelt werden zu können.

Vor dem Vorfall war es in dem stark überfüllten Internierungslager zu größeren Spannungen gekommen. In dem Zusammenhang wurden Schüsse wahllos in zwei Zellen hinein abgegeben. „Die Schüsse in dem Lager zeigen die großen Risiken, denen die Menschen ausgesetzt sind, wenn sie für unbestimmte Zeit eingesperrt sind“, sagt Ellen van der Velden, Einsatzleiterin von Ärzte ohne Grenzen in Libyen. „Dieser jüngste Gewaltakt ist ein klarer Beleg dafür, dass die Internierungslager gefährliche Orte für die Menschen sind.“ Schon seit Wochen beobachten Teams von Ärzte ohne Grenzen zunehmende Spannungen in den libyschen Internierungslagern, in denen Geflüchtete und Migranten – darunter auch Kinder – gegen ihren Willen unter erbärmlichen Bedingungen festgehalten werden.

Die Zentren sind zunehmend überfüllt, da die von der Europäischen Union finanzierte libysche Küstenwache seit Februar vermehrt Geflüchtete und Migranten abgefangen hat, die auf dem Seeweg aus Libyen fliehen wollten. Dies trug zu einem unüberschaubaren Anstieg der Zahl der Menschen bei, die in den Internierungslagern in Tripolis festgehalten werden, was zu einer rapiden Verschlechterung der Lebensbedingungen führte. Allein in der ersten Februarwoche stieg die Zahl der im Internierungslager Al Mabani festgehaltenen Menschen von 300 auf 1.000. Derzeit sind in dem Zentrum rund 1500 Menschen untergebracht. (Ärzte ohne Grenzen)