Lungu gegen Sampa: Feindseligkeiten in Sambias regierender Partei

Lungu gegen Sampa: Feindseligkeiten in Sambias regierender Partei

Ich laufe eine kleine Straße in Lusaka entlang, Lärm am anderen Ende hat mich neugierig gemacht. Zwanzig, dreißig Menschen stehen in einem Pulk am Straßenrand und schauen drei Männern auf dem Dach eines SUVs zu. Die drei Männer auf dem Auto tanzen und singen in ein Mikrofon, dann und wann wird ein Name gerufen: Elias Chipimo! Elias Chipimo! Ich spreche einen dickbäuchigen Sambier an und frage ihn, was los ist.

Der Rumpf des Mannes ist beklebt mit Wahlplakaten, eine menschliche Litfaßsäule. „Wir feiern Elias Chipimo“, sagt die Litfaßsäule und drückt mit einen Flyer in die Hand. Chipimos Gesicht lächelt mich auf dem Flyer an, er trägt eine Brille mit dünnem Gestell, er sieht freundlich aus. Über seinem Kopf steht „National Party for Restauration“ (NAREP) und die eingängige Forderungen: Wirtschaftliche Freiheit für jeden Sambier. „Chipimo hat heute seine Antrag für die Präsidentschaftswahlen abgegeben“, erklärt der dicke Mann mir die Aufruhe. Ich nicke und stecke den Flyer in meine Hosentasche. Die drei Männer haben mich jetzt entdeckt und rufen in ihre Mikrophone: „Mzungu, Mzungu, wirst du uns unterstützen?“ Ich lächele und winke.

Ehrlich gesagt, verstehe ich die kommenden Wahlen kaum. Sambia ist ein großes Land, doppelt so groß wie Deutschland, aber sparsam besiedelt: Nur 13,5 Millionen Einwohner zählt das Land. Mehr als eine Millionen leben davon in der Hauptstadt Lusaka und, obwohl es in Sambia seit der Unabhängigkeit 1964 relativ friedlich war, gibt es doch Abneigungen zwischen Stämmen und Regionen, obwohl Tribalismus von Politikern immer wieder als tot bezeichnet wird. Nach dem Tod des Präsidenten Michael Sata am 28. Oktober ist Verwirrung und Irritation in Sambia ausgebrochen, insbesondere in der Hauptstadt Lusaka. Tagelang sprach man von nichts anderem und am Tag der Beerdigung Satas wurde ein nationaler Feiertag ausgerufen; Lusaka schien ausgestorben. Mir fiel an dem Tag auf, dass mir Milch fehlte – aber es war kein Laden offen, kein Verkäufer auf den leeren Straßen. Ich musste den Tag ohne auskommen.

Nach Satas Tod wurde der Vizepräsident Guy Scott zum Interimspräsidenten und Zeitungen nannten es Geschichtsschreibung: Denn Guy Scott ist weiß. Damit ist der Sohn einer Britin und eines Schotten der erste weiße Staatschef eines demokratischen afrikanischen Landes. Aber nicht lange: Schon am 20. Januar sollen die Präsidentschaftswahlen stattfinden. Scott kann nicht antreten, denn die Verfassung Sambias bestimmt, dass die Eltern eines Kandidaten beide in Sambia geboren sein müssen. Ein befreundeter Sambier sagte mir: „Wir sollten Scott antreten lassen. Er ist das Beste, was dem Land je passiert ist!“ Nicht alle denken so. Viele trauern noch Sata nach, der wegen seines aggressiven Redestils auch „King Cobra“ genannt wurde. Und das ist kurios, denn vor Satas Tod schimpften viele auf den Präsidenten, erzählt mir eine Praktikantin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Lusaka, obwohl es ein Gesetz gibt, das verbietet, den Präsidenten zu beleidigen. Manche Straftäter müssen zwei Jahre ins Gefängnis, andere sogar fünf.

Währenddessen versuchte Satas und Scotts Partei, die Patriotic Front (PF), das Machtvakuum in ihren Reihen zu füllen. Es begann ein Gerangel und Gezeter und Geschrei um die Präsidentschaftskandidatur, die das ganze Land ärgert. Überall in den Büros, in Minibussen, im Supermarkt und auf Märkten hört man Menschen sich über die PF und ihr kindisches Benehmen beschweren. Die Streiterei begann früh: Scott suspendierte Edward Lungu, damals Generalsekretär der PF. Lungu ist Verteidigungsminister Sambias und hat gute Chancen, die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. Nach Scotts Entscheidung brachen gewalttätige Proteste in Lusaka aus und Menschen machten ihrem Ärger mit Steinen und Macheten Luft. Ein Studentenheim der Universität wurde von der Polizei mit Tränengas gefüllt, etwas fing Feuer und ein Teil des Heims brannte aus. Einige der protestierenden Studenten sprangen vom dritten Stock aus dem brennenden Gebäude und verletzten sich teilweise schwer. Scott nahm seine Entscheidung schnell zurück und stellte Lungu wieder als Generalsekretär ein. Aber der Öffentlichkeit war nun klar, dass Scott den bevorzugten Präsidentschaftskandidaten der PF nicht unterstützte.

Am 30. November sollte eine Generalkonferenz der PF einen Präsidentschaftskandidaten wählen Die Konferenz war chaotisch und Guy Scott tauchte nicht auf. Lungu wurde zum Kandidaten gewählt, aber Scott erklärte die Wahl als illegitim, da die anderen Kandidaten nicht an der Wahl teilgenommen hatten. Nachdem Lungu gewählt worden war und wieder nach Lusaka zurückgekehrt war, wählte eine weitere Konferenz einen zweiten Kandidaten – Miles Sampa, ein relativ unbekannter Geschäftsmann, unterstützt von Guy Scott. Was folgte, war eine Reihe von Zusammenstößen zwischen Sampa und Lungu Kadern, und Gerichtsverhandlungen: Sampa nannte die erste PF Generalkonferenz und damit Lungu als Kandidaten illegitim, was das Hohe Gericht abwies: daraufhin zeigte Lungu Sampa und einige seiner Unterstützer an und beschuldigte sie, eine gerichtliche Verfügung ignoriert zu haben.

Was jetzt passiert und wer schlussendlich antritt, ist unklar, aber wahrscheinlich läuft es schlussendlich auf Lungu hinaus. Aber könnte Sampa sich von der PF abspalten und mit einer neuen Partei antreten? Die Situation scheint zu eskalieren und vor einigen Tagen musste die Vorsitzende der PF sogar offiziell erklären, dass der Gehstock Lungus harmlos sei; sie hatte von Gerüchten erfahren, der Stock sei tatsächlich ein Zauberstab. Die Wahlen am 20. Januar versprechen interessant zu werden. Bleibt die PF bei Lungu? Spalten sich Sampa und seine Unterstützer von der PF ab und treten auch an? Oder kann die junge NAREP, die erst 2010 gegründet wurde, von den Streitereien der PF profitieren? Was auch immer passieren wird, die Emotionen kochen bereits hoch und ein besorgter sambischer Freund sagte mir: „Geh bloß nicht raus während der Wahlen. Die Leute werden aufeinander losgehen.“ Aber man kann ja mal die Nase rausstrecken. (Janna Schneider, Lusaka)