Maritime Sicherheit: Deutsche Marine bildet in Ghana aus

Die ghanaische Marine kontrolliert ein Fischerboot im Beisein von Soldaten des Seebataillons
Die ghanaische Marine kontrolliert ein Fischerboot im Beisein von Soldaten des Seebataillons

Um die maritime Sicherheit im Golf von Guinea zu stärken, führt die US-Marine vom 20. bis 31. März das multinationale Manöver „Obangame Express“ durch. Mit dabei: Experten des Seebataillons der Deutschen Marine, um gezielt die Marine Ghanas zu unterstützen.

Trotz Rückgang des Risikos am Horn von Afrika – die Bedrohung der See- und Handelswege bleibt eine weltweite. Ölschmuggler, Piraten und andere Kriminelle machen zurzeit die Gewässer im Golf von Guinea immer unsicherer. Umso wichtiger ist es für die Deutsche Marine, afrikanische Seestreitkräfte bei der Ausbildung gegen solche Gefahren zu unterstützen. Dieses Jahr nimmt sich das Seebataillon aus Eckernförde erneut dieser Aufgabe an. Die Gelegenheit dafür ist die US-Großübung „Obangame Express“ – einer der verschiedenen Übungsabschnitte des multinationalen Manövers liegt in deutscher Verantwortung. 

Die Bordeinsatzkompanie des deutschen Seebataillons hat sechs erfahrene Wissensträger aus Eckernförde in die Region geschickt. Sie werden Soldaten der Ghanaischen Marine in Boarding-Taktiken, waffenloser Selbstverteidigung und Erster Hilfe ausbilden sowie allgemeines Handlungs- und Verhaltenstraining abhalten. Zum Programm gehören auch grenzübergreifende Szenarien: im Westen mit der Elfenbeinküste und im Osten mit Togo. Zudem werden ein französisches Marineschiff und ein portugiesisches Aufklärungsflugzeug diesen Übungsteil unterstützen. 

Das Afrika-Kommando (AFRICOM) der US-Streitkräfte, mit Hauptquartier in Stuttgart, organisiert in Kooperation mit der 6. US-Flotte in Neapel jährlich das Manöver „Obangame Express“. Mehr als 30 Nationen beteiligen sich dieses Jahr an „Obangame Express“, darunter neben vielen europäischen und afrikanischen Partnern auch Brasilien von der gegenüberliegenden Küste des Atlantiks. Das Übungsgebiet erstreckt sich von Senegal in Westafrika bis nach Angola im Südwesten und umfasst damit auch alle Küstengebiete im Golf von Guinea. Marinesoldaten der beteiligten Nationen üben unter anderem das Vorgehen gegen illegale Fischerei, gegen Drogen- und Waffenschmuggel und gegen Piraterie. 

Die Soldatinnen und Soldaten des Seebataillons der Deutschen Marine schützen die Schiffe und Boote der Bundeswehr, deren Einrichtungen an Land und in Häfen, in küstennahen Gewässern und Flussabschnitten in Küstennähe sowie nicht zuletzt auf hoher See. Die Bordeinsatzkompanie ist eine der vier Einheiten des Seebataillons; zu den weltweiten Einsatzaufgaben der spezialisierten Marineinfanteristen dieser Kompanie gehört unter anderem das Boarding – das Entern, Überprüfen und Durchsuchen verdächtiger Schiffe. 

Piraterie im Golf von Guinea

Laut Bundespolizei See hat sich die Zahl krimineller Zwischenfälle im Golf von Guinea, im engeren Sinn die Seeregion zwischen Kap Palmas in Liberia und Kap Lopez in Gabun, im vergangenen Jahr deutlich erhöht. Waren es 2015 noch 23 Vorfälle, hat sich die Zahl 2016 auf 46 verdoppelt. Die Dunkelziffer ist kaum einzugrenzen und wird auf das Dreifache geschätzt. Diebstahl, Entführung, Erpressung und Körperverletzungen bis hin zu Mord sind nur einige der begangenen Straftaten. 

Mit 31 der 46 Vorfälle hat sich der Schwerpunkt vor der nigerianischen Küste sogar noch verdichtet. Bereits im Vorjahreszeitraum waren mit 12 Vorfällen mehr als die Hälfte aller Fälle vor Nigeria registriert worden. Bei Zwischenfällen vor Ghana handelte es sich jeweils um Diebstahlsdelikte auf Schiffen, die entweder im Hafen oder vor Anker lagen. (Deutsche Marine, Foto: US Navy)