Mit Entwicklungspolitik gegen den Klimawandel: „Europa muss seinen „Green Deal“ auf Afrika ausweiten“

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Der Klimawandel ist eine der großen Überlebensfragen der Menschheit. Die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, kann allerdings nur gelingen, wenn die Industrieländer mit den Schwellen- und Entwicklungsländern zusammenarbeiten. Auf einem Kongress der CDU/CSU-Bundestagsfraktion diskutierten Politiker und Experten über die konkreten Herausforderungen.

Zum ersten hybriden Kongress der Fraktion, der sowohl real im Berliner Reichstag als auch im Netz stattfand, hatte der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Hermann Gröhe eingeladen. Gröhe sagte: „Wirksamer Klimaschutz bleibt auch in Pandemiezeiten eines der wichtigsten Themen auf der internationalen Tagesordnung.“

Globale Energiewende gefordert

Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, forderte „eine globale Energiewende“ unter Einschluss der Schwellen- und Entwicklungsländer. Der Ausstieg Europas aus der Kohle sei nutzlos, wenn gleichzeitig anderswo auf der Welt 450 neue Kohlekraftwerke gebaut würden oder sich in Planung befänden. Vielmehr müsse Europa seinen „Green Deal“ auf Afrika ausweiten. „Wir können mit unserer Technologie Afrika zum grünen Kontinent der Erneuerbaren Energien machen“, betonte er. Umgekehrt könne die Sonne Afrikas auch Energie für Europa liefern.

Marokko als „Lokomotive“ für Afrika

Wie die Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika funktionieren könne, erläuterte der Generaldirektor des marokkanischen Forschungsinstituts Solarenergie und Neue Energien (IRESEN), Badr Ikken, im Gespräch mit der Konrad-Adenauer-Stiftung. Er sieht nicht nur in Wind- und Solarenergie riesige Potenziale für eine nachhaltige Produktion, sondern auch im grünen Wasserstoff. „Wir hätten die Möglichkeit, nicht nur unsere Wirtschaft zu dekarbonisieren, sondern auch die Industrien von Partnerländern“, sagte Ikken. Marokko könnte dabei die lokale Lokomotive für diese Innovationen in Afrika sein.

Klimafreundliche Finanzsysteme entwickeln

Was die Entwicklungszusammenarbeit beim Klimaschutz bewirken kann, wurde auch in der Podiumsdiskussion besprochen, die der entwicklungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Volkmar Klein, moderierte. Dabei berichtete Tanja Gönner, die Vorstandssprecherin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), dass ein Drittel ihrer Projekte Bezug zum Klima habe. Es gehe sowohl um eine Minderung des CO2-Ausstoßes in Schwellenländern als auch um Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländern. Interessant sei dabei die Frage, wie klimafreundliche Finanzsysteme aussehen könnten.

Lebensmittelverschwendung stoppen

Eine der Ursachen für den Klimawandel ist laut Marlehn Thieme, der Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, das Lebensmittelsystem. Vor allem bei den Nahrungsmitteltransporten würden immense Mengen CO2 emittiert. Daher brauche man lokal angepasste Anbaumethoden und dezentrale Strukturen bei der Lebensmittelversorgung. In den Ländern des Nordens könne auch eine Verringerung des Fleischkonsums helfen, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Außerdem sei der Lebensmittelabfall in Deutschland und Europa „einfach nicht erträglich“.

Die grüne Lunge des Kongobeckens schützen

Eine Möglichkeit, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden, ist der Erhalt von Wäldern sowie die Wiederaufforstung. Der Botschafter der Demokratischen Republik Kongo, Jeannot Letamba Tshoha, verwies darauf, dass das Kongobecken die grüne Lunge der Welt sei. Sie stehe aber unter dem Druck von bewaffneten Gruppen, illegalen Händlern und Wilderern. Letamba Tshoha äußerte den Wunsch nach stärkerer internationaler Unterstützung für den Erhalt der kongolesischen Wälder.

Artenvielfalt erhalten

Der Klimawandel hat auch massive Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. „Wenn die Temperatur weiter steigt, werden wir massiv weiter Arten verlieren“, warnte der Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, Christof Schenck. Bei zwei Grad Erwärmung sei damit zu rechnen, dass zwei Drittel aller Arten aussterben. Schenck sprach sich für deutlich mehr Schutzgebiete weltweit aus, um den Lebensraumverlust für die Arten zu stoppen. Bis 2030 müssten es 30 Prozent der Erdoberfläche sein. (CDU/CSU)