Mit VoluNation in Südafrika: Miriam aus Hamburg berichtet

Mit VoluNation in Südafrika: Miriam aus Hamburg berichtet

Sie untersuchte Schwangere, half in der Notaufnahme und kümmerte sich um HIV-Infizierte. Die 25-jährige Kinderkrankenschwester Miriam aus Hamburg engagierte sich als Freiwillige in einem Krankenhaus in Kapstadt und traf dort auf viel Optimismus und Lebensfreude.

Sie ist ein großer Afrika-Fan, der schon als Teenie Bücher wie „Die weiße Massai“ verschlungen hat und gleich nach dem Abi für mehrere Monate durch Kenia und Tansania gereist ist. „Die Liebe zu dem Kontinent hält bis heute“, erzählt sie. „Ehrlicherweise war Südafrika auf meiner Wunschliste der zu bereisenden Länder nie ganz oben. Ich dachte nicht, dort das ursprüngliche, einfache Afrika mit den zwar armen, aber lebensfrohen Menschen anzutreffen. Doch ich war neugierig und entgegen meiner Vorurteile ließ ich mich auf das Abenteuer ein und stieg in den Flieger nach Kapstadt – und ich habe es nie bereut.“ Ihr Wunschprojekt in einer Klinik fand sie mit Unterstützung von www.VoluNation.com im Internet. Dort hatte sie die Möglichkeit, noch sehr kurzfristig ein passendes Projekt zu bekommen. „Die Uhr tickte. Da ich im Schichtdienst arbeite, wurde alles sehr knapp mit der Planung und ich hatte nur zwei Wochen Zeit, bis es losgehen sollte.“

Spät an einem Samstagabend erreichte sie Kapstadt. „Schon von oben konnte ich die wunderschönen Lichter der großen Stadt betrachten und trotz Frühlings war das Klima mild. Bei der Einreise war kein Visum vorab erforderlich und ich konnte nach kurzer Passkontrolle durch die Sicherheitsschranke. Etwas befremdlich war das Ausfüllen eines Fragebogens auf Englisch, den alle Passagiere vor der Landung bekamen. Man sollte ankreuzen, von welchem Land man anreist mit Flugnummer und Aufenthaltsdauer und ob man irgendwelche Krankheitssymptome wie Fieber oder Kopfschmerzen hat. Diese Fragebögen wurden am Flughafen bei der Einreise eingesammelt.“

Am Ausgang wurde Miriam von einem jungen Mann mit einem Namensschild empfangen und mit zwei anderen Freiwilligen im Taxi zur Unterkunft gefahren, die nicht weit von der Klinik entfernt war. Dort wurde sie vom Herbergsvater schon erwartet und gleich im Haus herumgeführt. „Er erklärte mir die Hausregeln und nahm mich mit zum Stammtreffpunkt um die Ecke, eine kleine Kneipe, in der die anderen Freiwilligen gerade einen Geburtstag feierten. Ich wurde freundlich begrüßt, alle lachten und redeten auf Englisch durcheinander“, erzählt sie.
Nach einem Einführungstag am Montag, bei dem sie die Stadt und die Kapstädter besser kennen lernte, ging ihr Projekt am Dienstag in der Klinik los. „Ich lernte schnell, dass ich schon recht früh da sein muss, um in den Stoßzeiten mitzuhelfen. Also startete ich gegen sieben Uhr morgens. Zwischen 10 und 11 Uhr gab es eine 30-minütige Teepause und zwischen 12 und 13.30 Uhr eine Stunde Mittagspause. Meist verzichtete ich jedoch auf die lange Mittagspause, arbeitete stattdessen länger und ging gegen 15 Uhr nach Hause, weil dann im Tagesbetrieb nicht mehr so viel los war.“

Arbeiten in einer Tagesklinik
Das Klinikum ist eine reine Tagesklinik, wird von der Regierung finanziert und ist kostenlos für die Patienten. „Zur Registrierung muss man allerdings als Patient schon sehr früh da sein und dann stundenlang warten“, berichtet sie. Besonders schwer kranke Patienten werden nach Ersteinschätzung in eine benachbarte Klinik geschickt.
Miriams Aufgaben waren vielfältig. „Im Vorbereitungsrum erhob ich Blutzucker, nahm Urinproben und machte Schwangerschaftstests, maß Temperatur und Blutdruck sowie bei den HIV-Patienten auch immer Gewicht und Größe. Die HIV-Patienten waren sehr zahlreich und kamen routinemäßig alle paar Wochen, um ihre Werte kontrollieren zu lassen. Besonders im späteren Stadium waren diese Patienten sehr abgemagert und schwach.“

Sie versorgte chronische Wunden, Kaiserschnittnarben und Verletzungen, zog Fäden oder legte Blasenkatheter. In der zentralen Notaufnahme wurden Infusionen gelegt, Notfälle versorgt und Erstgespräche nach einem Unfall geführt. EKGs wurden geschrieben und Blutdrücke sowie Sauerstoffsättigungen gemessen, die Patienten bekamen teilweise Sauerstoff und blieben zur Überwachung für einige Stunden. „Im Injektionsraum wurde Blut abgenommen, Spritzen zur Schwangerschaftsverhütung gegeben und Schwangerschaftsvorsorge-Gespräche geführt“, erzählt sie.

In einer großen Apotheke der Klinik erhielten die Patienten ihre Medikamente, im hinteren Teil ist die Baby-Klinik untergebracht. Hier finden Vorsorgeuntersuchungen statt und kranke Kinder werden behandelt, geimpft und gewogen. „Die Eltern waren oft selbst krank und gingen danach in den anderen Bereich der Klinik, um sich selbst behandeln zu lassen.“
Teilweise kamen Obdachlose direkt von der Straße, um sich ihre Wunden behandeln zu lassen oder um neues Verbandsmaterial zu erhalten. „Auch für diese Menschen fand man immer ein liebes Wort und steckte ihnen beim Abschied noch ein wenig Essen zu, was immer dankbar entgegengenommen wurde. Aufgrund mangelnder Hygiene wurden aus kleinen Spinnenbissen riesige Wundkrater, die sich infizierten und immer mehr ausbreiteten. Besonders traurig machte mich das Schicksal eines stark übergewichtigen Mannes mit Diabetes, dessen Unterschenkel große, tiefe Wunden aufwiesen. Bereits seit 14 Jahren kommt er zwei Mal pro Woche zum Desinfizieren, Reinigen und Verbinden der Beine. Das Geld für eine großzügige Hauttransplantation oder Amputation ist nicht vorhanden und heilen werden die Wunden mit Maßnahmen wie diesen nie. Der Zustand wird nur relativ stabil gehalten und die Schmerzen sind für ihn zur Normalität geworden. Dennoch lacht und scherzt er bei jedem Besuch und hat sich selbst nie aufgegeben.“

Besonders berührt haben Miriam die vielen unglücklichen schwangeren Frauen, die in der Tagesklinik ein Abtreibungsgespräch erhielten. Sie wurden über den Ablauf und die Risiken aufgeklärt, leisteten eine Unterschrift und bekamen einen Schein, um die Abtreibung im nächsten Krankenhaus durchführen lassen zu können. „Das alles ist kostenlos und bis zur 20. Woche problemlos möglich. Eine so späte Schwangerschaftswoche, bei der das Kind fast die Grenze zur Lebensfähigkeit erreicht hat, machte mich sehr traurig. Besonders berührt es mich wohl, da ich eine Zeitlang frühgeborene Babys betreute, gesehen habe, wie stark diese oft sind und sich ins Leben kämpfen und daher eine ganz besondere Bindung zu Früh- und Neugeborenen habe.“

Geburtstagsfeier auf dem Tafelberg
Während ihrer Projektzeit versuchte Miriam, viel in Kapstadt und Umgebung mit anderen Freiwilligen von VoluNation zu unternehmen, um Land und Leute kennenzulernen. „Wunderschön war der Ausflug auf den Tafelberg in Verbindung mit meinem Geburtstag. Dort oben zu feiern und die atemberaubende Aussicht zu genießen, war kaum zu toppen. Selbst die kleinen Murmeltiere trauten sich teilweise ganz dicht heran und feierten mit“, erzählt sie. „Sehr beeindruckend war auch der Besuch auf Robben Island, der ehemaligen Gefängnisinsel, dort vor der kleinen Zelle von Nelson Mandela zu stehen und mehr von dieser starken Persönlichkeit und seiner traurigen Lebensgeschichte zu erfahren.“ Ihr persönliches Highlight war eine Safari mit dem Ritt auf einem Elefanten. „Diesen sanften Riesen so nah zu sein, sie zu füttern und sich umarmen zu lassen, wird unvergesslich bleiben.“

Optimismus trotz einfachster Verhältnisse
„Das Leben in Afrika unterscheidet sich vor allem im Vergleich zu Deutschland durch die Gelassenheit der Kapstädter, ihren Optimismus und die Lebensfreude. Ich habe zwar auch unheimlich reiche Luxusautos gesehen und einige wohlhabende Menschen dort getroffen, doch ich konnte auch Freundschaften fürs Leben schließen mit Krankenschwestern und -pflegern der Klinik und anderen Freiwilligen. Jetzt bin ich um viele Erfahrungen reicher. Ich habe mich mitreißen lassen, habe die Townships besucht und wollte das Leben der Menschen dort so kennenlernen, wie sie auch wirklich leben, fern vom Tourismus. Ich habe Obdachlose teilweise direkt vor meinem Hostel auf dem nackten Boden schlafen sehen, vielen habe ich etwas zu essen gegeben. Es hat mich nachdenklich gemacht, aber auch dankbar dafür, dass ich das Privileg habe zu reisen, immer genug zu essen und zu trinken zu haben und Zugang zur Bildung genießen darf.“

Ich habe während meiner Zeit in der Tagesklinik viel dazugelernt und wurde in meinem Berufswunsch, Ärztin zu werden, weiter bestärkt. Mir wurde wieder vor Augen geführt, dass Gesundheit unser kostbarstes Gut ist und man noch viel mehr tun muss, um sie zu erhalten und die Menschen über die Hygiene aufzuklären.“
Nach Kapstadt will Miriam auf jeden Fall zurück. „Der Abschied fiel mir alles andere als leicht, doch was bleibt, sind die Erinnerungen, die einem niemand mehr nehmen kann, und das Versprechen auf ein baldiges Wiedersehen“, sagt sie.

Über VoluNation
VoluNation ist Spezialist für weltweite Freiwilligenarbeit. Neben einem umfassenden Beratungsangebot bietet VoluNation kurzfristig buchbare Freiwilligenprojekte in mehreren Staaten Afrikas, Asiens und Südamerikas an. Weitere Informationen sind im Internet unter www.VoluNation.com erhältlich.