NEU im Kino ab 11. Dezember: TIMBUKTU

NEU im Kino ab 11. Dezember: TIMBUKTU

In Cannes bei den Internationalen Filmfestspielen hat der neue Film des mauretanischen Filmemachers Abderrahmane Sissako weltweite Beachtung gefunden. Für das europäische Publikum wird die Verfilmung des nach wie vor aktuellen Themas ab 11. Dezember in den Kinos zu sehen sein.

Die Bilder in der Weltpresse sind eng verbunden mit Timbuktu im Norden von Mali durch die Besatzung der Stadt durch die Dschihadisten im April 2012.

Fußballspielen, Musik, Rauchen, das sich freie Bewegen der Frauen in ihren traditionellen bunten Gewändern sind von den Besatzern als gegen den Islam gerichtete Praktiken verboten und mit unvorstellbaren Strafen belegt.

Diese unmenschlichen Methoden thematisiert der Regisseur Sissako. Die Szenen sind in Mauretanien, in der Stadt Oualata. nahe an der Grenze zu Mali, gedreht. Der Film erzählt in eindrucksvollen Bildern die Geschichte der Familie des Viehhalters, der mit seiner Frau und seiner Tochter und einem jungen Hirten in der Nähe von Timbuktu lebt. Erst die Auseinandersetzungen mit einem Fischer lassen die Familienmitglieder die Gewaltherrschaft der Islamisten von Ansar Dine und Al-Kaida direkt und unmittelbar erfahren.

Voller Symbolkraft und als Zeugnis des gewaltlosen Widerstandes ist die lebendige Szene mit den Jugendlichen, die Fußball ohne Ball spielen. Andere Beispiele in diesem ruhigen Film, bisweilen mit leiser Ironie durchzogen, wenn die Besatzer versuchen mit selbstgedrehten Videobotschaften Anhänger für ihre Ideen zu finden und sie selber Mühe haben, ihre Ziele zu definieren.

Die ganze Tragweite des Geschehenes wird offensichtlich in den Filmaufnahmen: das Leben in den Gassen verschwindet immer mehr, keine Musik, kein Lachen, keine Menschen in den Gassen. Die Frauen huschen vorbei, eingehüllt in den Ganzkörperschleier. Sie wehren sich mit ihren Mitteln gegen die Zwangsheirat, gegen die unsinnigen Forderungen der Radikalislamisten.

Eingeblendet werden immer wieder mit Maschinengewehren bewaffnete Dschihadisten, ganz unterschiedlicher Herkunft, die ihre Macht demonstrieren. Mit ihren Fahrzeugen mit der schwarzen Fahne ziehen sie durch die Stadt, um ihre Präsenz zu beweisen.

Die gelebte Tradition, die lokale Sprache ebenso wie die tolerante Form des Islams der Bevölkerung sind ihnen fremd. Mit Hilfe der lokalen Dolmetscher versuchen die Dschihadisten ein Terrorregime zu errichten, welches sie mit dem Regeln des Islams rechtfertigen. Über Megaphone werden die Verbote verkündet, die islamische Polizei überwacht deren Einhaltung. Sie selbst behelligen verheiratete Frauen, rauchen heimlich hinter Dünen und betreten die Moschee mit Schuhen und ihren Waffen. Sie reagieren mit Gewalt, wenn ihre Forderungen nicht eingehalten werden. Ein Scharia Gericht (islamische Rechtsprechung) entscheidet über die Strafen. Sie reichen von Peitschenhieben, über Hinrichtung bis zur Amputation.

Beides existiert in diesem Film, die unbeschreibliche Schönheit der Wüste, die bemerkenswerten Bilder von einem Alltag unter Gewalt und ihre Formen des gewaltlosen Widerstandes. Eingefangen ist die Doppelzüngigkeit und die inneren Zweifel einiger dieser Dschihadisten.

In Cannes ist dieser beeindruckende Film ausgezeichnet worden mit dem „Preis der Ökonomischen  Jury“. (Theresa Endres)