Nord-Mosambik: „Ohne Vorräte, Unterkunft und Wasser, manche Familien haben statt Zelt oder Plane nur ein Mückennetz“

Im Lager „25 Junho” in der Stadt Metuge sind mehr als 2.000 Familien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Sie besitzen weder Zelte, Planen noch andere Unterkünfte. Ein Moskitonetz ist ihr einziger Schutz. Foto: Johanniter

Johanniter-Mitarbeiter berichtet aus Cabo Delgado: Die Bevölkerung im Norden Mosambiks ist durch Naturkatastrophen, die COVID-19-Pandemie und anhaltende Konflikte auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Islamisten und staatlichen Sicherheitskräften spitzen sich seit Monaten zu und haben knapp 330.000 Menschen in der Provinz Cabo Delgado zur Flucht gezwungen. Sie harren in Lagern unter schwierigsten Bedingungen aus, Hilfe kommt bei ihnen nur lückenhaft an.

Johanniter-Landesbüroleiter David Prieto hat in den vergangenen Tagen den Bedarf in Cabo Delgado eruiert sowie mit Betroffenen, Behörden, Gemeindevorstehern und Vertretern von UN-Organisationen über die Hilfsbedarfe gesprochen. Er berichtet von einer dramatischen Situation.

„Die Familien erzählten mir alle das gleiche: Ihre Dörfer wurden angegriffen, weshalb sie fliehen mussten. Nun stehen sie ohne Vorräte, ohne Unterkunft und mit wenig bis keiner Nahrung vor dem Nichts. Einige Familien sammeln wilde Früchte, Knollen und Pflanzen zum Essen“, so David Prieto.

Die Vereinten Nationen, die mosambikanische Regierung sowie lokale und internationale Hilfsorganisationen bemühen sich mit Hochdruck darum, die Grundversorgung der Menschen zu organisieren. Doch nur wenige Organisationen sind in der Region tätig, zudem fehlt es an finanziellen Ressourcen. Die Auswirkungen der Coronapandemie sowie ein nur eingeschränkter Zugang in weiten Teilen der Region aufgrund der angespannten Sicherheitslage machen eine umfängliche Versorgung kaum möglich.

„Viele vertriebene Familien haben statt eines Zeltes oder Planen nur ein Mückennetz, unter dem sie schlafen“, berichtet Prieto. Zudem gäbe es keine sicheren Wasserquellen oder ausreichend Latrinen, und in wenigen Tagen beginnt die Regenzeit. „Unter diesen Umständen ist mit der weiteren Verbreitung von COVID-19, aber auch dem Ausbruch von Cholera und einem enormen Anstieg von Malaria zu rechnen“, befürchtet Prieto.

Die Johanniter prüfen, wie sie die Menschen in der Provinz Cabo Delgado mit dem Notwendigsten unterstützen können.

Hintergrund
Cabo Delgado gehört zu den ärmsten Provinzen Mosambiks und wurde 2019 von Wirbelsturm Kenneth schwer gezeichnet. Mit dem sich ausbreitenden Coronavirus und einem seit 2017 schwelenden Konflikt zwischen Islamisten und staatlichen Sicherheitskräften ist die Provinz von drei Krisen gleichzeitig betroffen. Besonders der Konflikt hat sich in den letzten Monaten weiter zugespitzt und bisher weit über 2.000 Todesopfer gefordert. Über 329.000 Menschen haben bereits in verschiedenen Lagern in der Provinz Cabo Delgado Schutz gesucht, knapp 500.000 Menschen sind in die anliegenden Provinzen Niassa und Nampula geflohen. Die Zahlen ändern sich ständig – Tendenz steigend. (Johanniter)