Öl-Misswirtschaft: Nigeria verliert 22 Mrd. Euro

Die Öl- und Gasindustrie Nigerias hat sich im Laufe der vergangenen zehn Jahre die stolze Summe von insgesamt 29 Mrd. Dollar (rund 22 Mrd. Euro) durch die Finger gehen lassen. Verantwortlich für diesen enormen Verlust sind die anhaltende Misswirtschaft und Korruption innerhalb der staatlichen Energiewirtschaft.

Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt ein aktueller Bericht der eigens eingerichteten Petroleum Revenue Special Task Force, der vom nigerianischen Ölminister Diezani Alison-Madueke http://www.dprnigeria.com in Auftrag gegeben worden ist. Demnach gehen dem westafrikanischen Staat allein durch Öldiebstahl jährlich an die sechs Mrd. Dollar (rund 4,6 Mrd. Euro) durch die Lappen.

„In Ländern wie Nigeria kommt der Energiewirtschaft eine hohe Bedeutung zu“, stellt ein Insider und Branchenanalyst gegenüber pressetext klar. Probleme wie Misswirtschaft, Korruption und Öldiebstahl seien dabei nicht unbekannt und mit ein Grund dafür, warum die Situation im afrikanischen Staat für ausländische Firmen besonders schwierig bleibt. „Die Regierung Nigerias versucht schon seit Jahren eine Gesetzgebung an den Start zu bringen, die mit illegalen Praktiken aufräumt. Bisher waren jedoch alle Versuche zum Scheitern verurteilt“, so der Experte. „Obwohl es im Laufe der vergangenen Jahre immer wieder Initiativen gegeben hat, um das Ölgeschäft anzukurbeln, verlief die tatsächliche Entwicklung bislang eher enttäuschend.“

Preisabsprachen und Öldiebe
Als Hauptursachen für die Milliardenverluste im nigerianischen Ölsektor werden in dem vorgelegten Bericht vor allem Betrügereien im Zuge von unzulässigen Preisabsprachen beim Verkauf von Erdgas und die anhaltende Praxis des illegalen Ölabzweigens und -speicherns ausgemacht. Erstgenanntes Problem betreffe dabei sowohl Regierungsbeamte als auch ausländische Öl-Multis wie Total, Eni oder Shell. Diese würden dem staatlichen Fiskus inzwischen mehr als drei Mrd. Dollar (rund 2,3 Mrd. Euro) schulden, zitiert BBC News aus dem brisanten Dokument.

Ähnlich dramatisch zeigt sich die Lage in Bezug auf die immer dreister agierenden Öldiebe im Land. Diese hätten ihre illegalen Aktivitäten im Laufe der vergangenen Jahre deutlich ausgeweitet, mit dem Resultat, dass heute täglich beinahe 250.000 Barrel Rohöl – fast zehn Prozent der jährlich produzierten Rohölmenge – verloren gehen.

Ölreichtum vs. Bevölkerungsarmut
Nigeria besitzt die größten Ölvorkommen Afrikas und zählt in puncto Ölproduktion zu den absoluten weltweiten Top-Playern. Die eigene Bevölkerung bekommt von diesem natürlichen Reichtum aber nichts zu spüren: 35 Prozent der Bürger des westafrikanischen Staates leben gegenwärtig in extremer Armut. Diese offensichtliche Diskrepanz hat in der Vergangenheit bereits des Öfteren zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit nigerianischen Rebellengruppen geführt, die eine Beteiligung an den Erträgen aus dem Rohölgeschäft einforderten. (pte)