Österreich: Das AFRIKAdirndl - ein Kleid, das zwei Kontinente verbindet

Österreich: Das AFRIKAdirndl – ein Kleid, das zwei Kontinente verbindet

Das junge Modelabel verarbeitet bunte Stoffe aus Tansania in einem Villacher Atelier zu farbenfrohen Dirndlkleidern
Schneiderin Stefanie Kaiser (32) und Entwicklungshelferin Martina Ressmann (34) haben im August 2014 das „AFRIKAdirndl“ aus der Taufe gehoben: Ein Dirndlkleid, das klassische, österreichische Dirndlschnitte neu interpretiert und mit afrikanischen Stoffen aus Tansania, Ghana, Mali und Kamerun kombiniert. Erhältlich sind die farbenfrohen Kleidungsstücke ab sofort über den Online-Store www.wear-from.com und direkt bei Stefanie Kaiser in ihrem Villacher Atelier. Mit dem Erlös der Kleider unterstützen die beiden Jungunternehmerinnen das „Art Against Poverty“-Projekt in Dar Es Salaam und planen bereits die erste Schulungswoche für SchneiderInnen vor Ort.

Tausche Schneiderpuppe gegen Stoffe
„Ich bin seit Mai 2013 als Projektmitarbeiterin mit HORIZONT3000 in Dar Es Salaam (Tansania) tätig und habe dort die tansanische Designerin Anne Kiwia kennengelernt. Irgendwann hat sie mir erzählt, wie dringend sie eine Schneiderpuppe brauchen könnte. Das hab ich sofort meiner Freundin Stefanie erzählt, die dann Anne eine Schneiderpuppe geschickt hat – im Tausch gegen ein paar Stoffexemplare aus Afrika“, erzählt Ressmann.

Bei der Übergabe scherzten die beiden Kärntnerinnen noch, dass sie gerne am Villacher Kirchtag mit einem individuellen Dirndl aus afrikanischen Stoffen aus der Menge stechen würden. Stefanie Kaiser, seit ihrer Kindheit eine leidenschaftliche Schneiderin, ließ die Idee nicht mehr los. Sie nähte gleich zwei Dirndl an einem Wochenende. „Als ich die ersten Modelle online stellte, war das Feedback überwältigend. Anfragen aus ganz Österreich, Deutschland und sogar den Niederlanden sind bis dato eingetroffen. Somit war klar: Wir machen eine eigene Kollektion“, sagt Kaiser. Was zuerst nur als Experiment gedacht war, entwickelte sich rasch zu einer marktreifen Idee.

Jedes Stück ein Unikat
Jedes AFRIKAdirndl ist ein Unikat und verlässt nach zirka 20 Stunden Handarbeit katalogisiert die Werkstatt von Stefanie Kaiser. Die Waxprint-Stoffe werden direkt in Dar Es Salaam (Tansania) handverlesen und einzeln eingekauft. „Bei uns sieht jedes Dirndl anders aus. Die Prints sind einfach so intensiv, dass man als Trägerin gern ein Dirndl aus der AFRIKAdirndl-Familie sehen möchte, nicht aber das gleiche Modell“, meint Kaiser.

Die Konfektionsgrößen aus der aktuellen Kollektion sind über www.wear-from.com verfügbar. Für die Maßanfertigungen mit eigener Stoffauswahl inklusive Farbberatung nimmt sich Stefanie Kaiser in ihrem Villacher Atelier persönlich Zeit.

Wissen teilen und dabei lernen
Um den Kreis wieder zu schließen, haben die beiden Newcomerinnen gemeinsam mit der tansanischen Designerin Anne Kiwia und dem Projekt „Art Against Poverty“ einen kostenlosen Workshop für SchneiderInnen in Dar Es Salaam geplant. Eine Woche lang wird Stefanie Kaiser die SchneiderInnen vor Ort schulen. „Wir haben zuvor überhaupt nur am Kleiderhacken entworfen. Seitdem wir die Schneiderpuppe haben, können wir unsere Stücke tatsächlich anpassen, aber den meisten SchneiderInnen hier fehlt einfach das Know-How, Schnitte sauber umzusetzen“, sagt Kiwia. „Außerdem wäre Stefanie für uns eine einmalige Gelegenheit, professionelle Unterstützung bei der Swahili Fashion Week zu bekommen.“

Bei einer einmaligen Zusammenarbeit soll es aber nicht bleiben. „Unser Plan ist es, zweimal im Jahr nach Tansania zu fliegen, um dort Schulungen abzuhalten“, sagt Kaiser. Und: „Vielleicht können wir in dieser Zeit sogar eine eigene Kollektion entwerfen. Wir haben so viele Ideen und so viele Leute, die mitmachen wollen – es ist einfach ein Traum, wie viel Dynamik meine kleine Schneiderpuppe ausgelöst hat.“ (apa-ots, Foto: Klaus Pribernig/bilder.co.at)