Online-Massenaktion – Lufthansa, werde #Abschiebefrei!

Eine Online-Massenaktion hat Montag, 27.07.2020 die Lufthansa für ihre weitere Zusammenarbeit bei Abschiebungen ins Visier genommen. Am ersten Tag der Kampagne „Lufthansa #Abschiebefrei“ hat die Berliner Gruppe „No Border Assembly“ zusammen mit mehr als 20 antirassistischen Gruppen in ganz Deutschland den Hashtag #Abschiebefrei in den sozialen Medien zum Trend gemacht und die Lufthansa aufgefordert, Abschiebeflüge zu unterlassen.

Weltweit ziehen antirassistische Bewegungen mit der Botschaft „Black Lives Matter“ Unternehmen zur Rechenschaft wegen rassistischer Praktiken: Es ist Zeit, dass Lufthansa sich gegen Rassismus positioniert und aufhört, von Abschiebungen zu profitieren. “Unser Ziel ist es, dass die Lufthansa und ihre Tochter Eurowings durch öffentlichen Druck aufhören, Sitze für Abschiebungen zu verkaufen. Sie haben das Recht, den Verkauf von Tickets zu verweigern, insbesondere wenn jemand nicht freiwillig mitfliegen möchte. Das Geschäft mit Abschiebungen muss als das entlarvt werden, was es ist: rücksichtslose Komplizenschaft und Profit mit kolonialer und rassistischer Gewalt.”, erklärt Nadija Martin, Pressesprecherin der Kampagne. “Wir sehen Abschiebungen als eine Praxis, die den Nationalismus und die aus Kolonialismus und Kapitalismus entstandenen globalen Ungleichheiten aufrechterhält.”

Der Shitstorm auf Social Media-Plattformen benutzte Slogans wie “Jede Abschiebung ist ein Akt rassistischer & (neo)kolonialer Gewalt. Wir fordern von Lufthansa: werdet #Abschiebefrei! #SayNoToDeportations #BlackLivesMatter”. Die Kampagne nutzte ihren ersten Tag auch, um darauf hinzuweisen, dass die Lufthansa eine der Hauptsponsor*innen der deutschen Fußballnationalmannschaft ist. Der deutsche Fußball hat sich öffentlich für „Black Lives Matter“ eingesetzt. Die Kampagne #Abschiebefrei ermutigte daher den DFB, dies in die Praxis umzusetzen: „DFB: Ihr Sponsor ist ein notorischer Abschiebeprofiteur. Wer sich für Black Lives Matter einsetzt, muss sich gegen die Lufthansa stellen. Machen Sie Ihren Sponsor #Abschiebefrei!“

Wenn die Lufthansa öffentlich gegen Rassismus Stellung beziehen und den Verkauf von Abschiebetickets einstellen würde, würde sie in die Fußstapfen der britischen Fluggesellschaft Virgin Atlantics treten, welche im Juni 2018 bekannt gab, keine Sitze für Abschiebungen mehr zu verkaufen. Diese Ankündigung erfolgte als Reaktion auf Proteste von Aktivist*innen von Lesbians and Gays support the Migrants und auf den sogenannten „Windrush“ Skandal – bei dem 83 Menschen fälschlicherweise abgeschoben wurden. Auch sechs US-Fluggesellschaften, darunter United, Delta und American Airlines, weigern sich, Minderjährige abzuschieben, die aufgrund der Grenzpolitik von US-Präsident Donald Trump von ihren Familien getrennt wurden.

Lufthansa hat noch nicht auf die Kampagne #Abschiebefrei reagiert, behauptet aber weiterhin, dass “Abschiebungen gegen den Willen der Betroffenen grundsätzlich abgelehnt würden”. Im Jahr 2019 wurden 5.885 Menschen in Flugzeugen der Lufthansa und ihrer Tochterfirma Eurowings abgeschoben. Nadija Martin von #Abschiebefrei kommentiert dies mit: „Niemand wird freiwillig abgeschoben. Abschiebungen sind per Definition eine Gewalttat, um jemanden zwangsweise aus Deutschland wegzuschaffen“.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Lufthansa aufgrund ihrer Rolle bei Abschiebeflügen Ziel einer Online-Aktion ist. Nach dem Tod von Aamir Ageeb durch Polizeigewalt während eines Lufthansa-Abschiebefluges im Jahr 1999 nutzte die Kampagne „Deportation Class“ das Konzept einer Online-Demo, um die Website der Lufthansa wegen massenhafter gleichzeitiger Besuche lahm zu legen. Die Lufthansa klagte dafür Aktivist*innen an, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main jedoch erklärte die Aktion für rechtmäßig .

Nachdem der erste Tag der Kampagne #Abschiebefrei abgeschlossen ist, verrät das Bündnis nicht, was als nächstes kommt. Laut Nadija Martin “profitiert die Lufthansa seit Jahrzehnten von Abschiebungen. Vor 20 Jahren rief die Kampagne Deportation Class sie dazu auf, aufzuhören. Leider schob die Lufthansa weiter ab – und solange die Lufthansa ihre Komplizenschaft im strukturellen Rassismus nicht aufgibt, wird sie weiterhin Ziel antirassistischer Proteste bleiben.” (No Border Assembly)