Radikale Aktionen in Berlin geplant: Das Zentrum für Politische Schönheit präsentiert die Toten Europas

Radikale Aktionen in Berlin geplant: Das Zentrum für Politische Schönheit präsentiert die Toten Europas

Die toten Einwanderer Europas kommen vom Mittelmeer in die Schaltzentrale des europäischen Abwehrregimes: in die deutsche Hauptstadt
16.06./10 Uhr: Die ersten beiden Opfer der militärischen Abriegelung Europas werden morgen, Dienstag, 10 Uhr, in der deutschen Hauptstadt beerdigt – auf dem muslimischen Friedhofsfeld in Berlin-Gatow. Weitere Termine gibt das Zentrum aufgrund der politischen Sprengkraft und der zu erwartenden Repressionen kurzfristig bekannt
21.06./14 Uhr: Der „Marsch der Entschlossenen“ liefert die toten Einwanderer am Kanzleramt ab und verwandelt den Vorplatz in eine Gedenkstätte („Den unbekannten Einwanderern“)

Europas Grenzen sind die tödlichsten Grenzen der Welt. Jahr für Jahr gibt es Tausende Tote. Aber was geschieht eigentlich mit den Toten an den Außengrenzen? Die Opfer der militärischen Abriegelung werden massenhaft verscharrt. Sie tragen keine Namen. Sie bekommen keine Blumen. Und ihre Angehörigen werden nicht ermittelt. Das Zentrum für Politische Schönheit ändert das mit seiner jüngsten und radikalsten Aktion und erweist den toten Einwanderern Europas die letzte Ehre.

In den kommenden Tagen werden Menschen, die auf dem Weg in ein neues Leben ertrunken oder verdurstet sind, nach Berlin kommen. Sie werden aufgebahrt, ausgestellt und der Bevölkerung auf diesem Weg sichtbar gemacht. „Gemeinsam mit den Angehörigen haben wir 10 menschenunwürdige Grabstätten geöffnet und die Toten exhumiert. Sie sind jetzt auf dem Weg nach Deutschland“, erklärt Philipp Ruch, Chefunterhändler des Zentrums. Der Eskalationsbeauftragte Stefan Pelzer fügt hinzu: „Nach dem Willen des deutschen Innenministers sollten die Toten unsichtbar bleiben. Wir schaffen Abhilfe und bringen sie ins Zentrum der Macht: in das Berliner Regierungsviertel.“

Die Opfer der Abschottungspolitik werden im Herzen Europas – im mächtigsten Mitgliedsstaat der EU – menschenwürdig bestattet. Ihr Tod kann nicht rückgängig gemacht werden. Aber ihre sterblichen Überreste können Europas Mauern zu Fall bringen. Europa ist ein Einwanderungskontinent. „Der Aktion gingen die intensivsten Recherchen seit Bestehen des Zentrums für Politische Schönheit voraus“, so Paul Stauffenberg. „In den vergangenen Monaten haben wir fünf EU-Außengrenzen besucht, die Angehörigen von Flüchtlingen ermittelt, Massengräber besichtigt und Kühlhäuser inspiziert. Die Zustände vor Ort sind Europas Schande. Die Toten werden weggeworfen wie Müll.“

Termine

  • 16.06./10 Uhr/Muslimischer Friedhof Berlin-Gatow, Maximilian-Kolbe-Str. 6, 14089 Berlin: Das Zentrum für Politische Schönheit bestattet eine Mutter und ihr zweijähriges Kind. Erwartet werden u.a. die mit der Flüchtlingsabwehr und den EU-Aussengrenzen betrauten Stabsstellen des Bundesinnenministeriums.
  • Weitere Termine werden aufgrund der politischen Brisanz und der zu erwartenden Repression kurzfristig kommuniziert.
  • 21.06./14 Uhr an der Neuen Wache/Unter den Linden 4, 10117 Berlin: Ein „Marsch der Entschlossenen“ bringt Tote zum Kanzleramt, um sie direkt vor den politischen Entscheidungsträgern zu beerdigen. Der Vorplatz des Kanzleramtes wird so in eine Gedenkstätte der besonderen Art verwandelt: ein Friedhof für die „unbekannten Einwanderer“. Angeführt von drei Bagger treten Entschlossene einen stillen Marsch zum Kanzleramt an, um dort die Grundsteine für den neuen Gedenkfriedhof aufzustemmen. „Wir rufen alle Entschlossenen auf, am Sonntag mit uns ins Regierungsviertel zu ziehen und den Vorplatz des Kanzleramtes aufzustemmen“, heißt es dazu auf der Internetseite des Zentrums. „Die Europäische Union braucht viel mehr Friedhöfe für ihre tödliche Politik. Fangen wir direkt am Kanzleramt damit an.“

Einer der Transporter, der die ersten europäischen Mauertoten aus Italien nach Deutschland brachte, geriet am Freitagabend (12. Juni) in eine Verkehrskontrolle der bayrischen Polizei. Das Auto wurde 24 Stunden beschlagnahmt und die Särge noch in derselben Nacht an den Flughafen München zur Durchleuchtung gebracht. Im Anschluss konnte die Fahrt nach Berlin fortgesetzt werden.

Über das Zentrum für Politische Schönheit
Das Zentrum für Politische Schönheit ist eine Berliner Menschenrechts- und Aktionskünstlergruppe, die zum 25. Jahrestag des Mauerfalls die Mauerkreuze aus dem Regierungsviertel an die europäischen Außengrenzen entführte und damit „Die wohl wichtigste und unbequemste Gedenkaktion des Jahres!“ (Die Zeit) anzettelte. 2014 initiierte sie im Namen der Bundesregierung eine Rettungsaktion für 55.000 syrische Flüchtlingskinder. Für die neueste Aktion recherchierte das Zentrum an den Außengrenzen der EU: auf italienischen Inseln, im griechischen Hinterland und in zwei nordafrikanischen Staaten. (Zentrum für Politische Schönheit)