Reisen in Zeiten der Unsicherheit: Dogonland, Mali

Bandiagara: die bizarre Felsenlandschaft mit ihrer außergewöhnlichen Architektur, der einmaligen Landschaft ist weithin bekannt für ihre reiche Kultur und die Offenheit seiner Bewohner. Bereits seit einem guten Jahr ist das Dogonland als „orange“ Zone eingestuft. Das heißt, es wird eine potenzielle Gefahr gesehen, entführt oder bedroht zu werden. Es wird weiterhin von Reisen in diese Gegend abgeraten, so nachzulesen auf der Webseite der deutschen Botschaft.

Vermutet wird, dass AGMI, ein Ableger von Al Qaida (Al Qaida au Mahgreb Islamique, AGMI), seine Tätigkeit im Norden des Landes ausdehnt. Das hat dazu geführt, dass europäische Länder empfehlen, nicht in dieses Gebiet zu fahren.

Mali hat nach Angaben des Ministers für Tourismus circa 50 Milliarden FCFA verloren. Die Aktivitäten von AGMI sind mitverantwortlich für den Einbruch im Tourismussektor der letzten zwei Jahre. Malis Präsident hat bei der Dogon Ausstellung in Paris, im Juli dieses Jahres, dazu aufgefordert, wieder nach Mali zu kommen. Er argumentiert, dass selbst eine noch so gut ausgewählte Ausstellung einen Besuch im Dogonland nicht ersetzen kann. Der Präsident will sich für die Sicherheit der Besucher in seinem Land stark machen. Nach Gold und Baumwolle ist der Tourismus ein wichtiger Bereich, der an dritter Stelle in der Ökonomie Malis steht.

Das Ministerium hat um die Verluste für Beschäftigte zu mildern, für Hotels, Reiseagenturen, Reiseführer und im Tourismus Tätigen, Nachlass von Steuern angeordnet. Der Sicherheit von Touristen soll mehr Gewicht beigemessen werden, mehr Sicherheitskräfte, mehr Kommunikationsmittel und mehr Fahrzeuge sollen dafür sorgen. Die Dorfoberhäupter sollen stärker in diese Maßnahmen einbezogen werden. Mali hofft mit diesem Plan die verlorenen Milliarden wieder zurück zu gewinnen.

Welche Auswirkungen diese Einstufung für die Bewohner vor Ort hat, lässt sich leicht an einigen Beispielen nachvollziehen.

Amadou, der die Touristen in die Dörfer begleitet, wartet vergeblich an der Bushaltestelle auf Besucher. Sein bisheriges alljährliches Einkommen fällt weg.

In den neu gebauten Hotels logieren Mitglieder von Projektmissionen. In der Hochsaison sind jetzt viele der Hotelzimmer leer. Für die Hoteliers eine sehr schwierige Zeit. „Es ist nicht abzusehen, wann sich wieder Besucher einstellen,“ so ein Hotelbesitzer aus Bandiagara.

Allaye, der vom Verkauf seiner handwerklichen Arbeit lebt, erzählt von ernsten
Absatzschwierigkeiten. „Wo und wie soll ich meine Produkte verkaufen, wenn keine Touristen mehr kommen“. Moussa, der Schmuck herstellt, schließt sich seinen Worten an. Es herrscht Ratlosigkeit. Die Bewohner des Dogonlandes können nicht nachvollziehen, warum ihre Gegend auf „orange“ gesetzt wurde. Sie kennen die Gründe nicht, warum Reisen in ihre Gegend als gefährlich eingestuft worden sind. Einig sind sich alle darüber, dass es lange dauern wird, bis die Touristen wieder Vertrauen haben, um Mali zu besuchen.

Über Jahre hinweg kamen regelmäßig Besucher aus allen Teilen der Welt, um diese Region in Mali zu entdecken. Alle waren angetan von der Herzlichkeit und der Gastfreundschaft der Dogon. Neben den neuen Infrastrukturmaßnahmen, (Hotels, Straßen etc.) gründeten die Dörfer im Rahmen eines angepassten Tourismus, Komitees um die Ströme von Besuchern in das Dorfleben einzugliedern. Unterkunftsmöglichkeiten (Campements) in selbst entlegenen Dörfern sind entstanden mit künstlerischen und handwerklichen Angeboten der Dorfbewohner. Ein reger Austausch hat sich zwischen den Besuchern, die aus Europa, Kanada, den USA und Japan kamen und der lokalen Bevölkerung entwickelt.

Nur wenige lassen sich von dieser Klassifizierung einer gefährlichen Zone nicht abschrecken. So auch Elisabeth, die für eine Woche drei Dörfer im Dogonland erwandert hat. Sie berichtet, dass sie sich wohl sehr gefühlt habe bei ihrer Entdeckungsreise. Ihrer Meinung nach werden die Bewohner alles Mögliche tun, um wieder Interessierte für einen Aufenthalt in Bandiagara und seiner Umgebung zu gewinnen. (Theresa Endres, Text und Foto)