Reiserecht in Afrika – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert!

Reiserecht in Afrika – Beziehungsstatus: Es ist kompliziert!So vielfältig die Kulturen Afrikas sind, so vielfältig sind auch die herrschenden Gesetze und Gepflogenheiten zum Reiserecht. Das müssen mitunter auch Urlauber feststellen, die während ihrer Reise durch ein afrikanisches Land mit Flugausfällen und Hotelmängeln konfrontiert sind. Pauschale Aussagen zu Entschädigungen oder Ersatzansprüchen sind kaum zu tätigen.

Hinzu kommt: Urlauber können auf ihrer Afrikareise nicht denselben Standard erwarten, wie sie dies aus ihrer europäischen Heimat gewohnt sind. Ob tatsächlich ein Reisemangel vorliegt oder nicht, ist daher auch immer von den örtlichen Begebenheiten abhängig.  Während beispielsweise die Kakerlaken in der Küche der Ferienwohnung auf Rügen ein Entschädigungsgrund sein können, sind die Ameisen im Schlafzimmer einer afrikanischen Lodge vermutlich ein ortstypisches Risiko, das hingenommen werden muss.

Daher gilt für Reisende: Wer seine Ansprüche in einem afrikanischen Land durchsetzen will – etwa gegenüber einer inländischen Fluggesellschaft – sollte sich der Hilfe eines Anwalts versichern, der mit den nationalen Gesetzen des jeweiligen Landes vertraut ist.

Reiseveranstalter und Airlines mit Sitz in Europa
Anders stellt sich die Lage hingegen dar, wenn der Urlaub bei einem Reiseveranstalter gebucht wurde, der seinen Sitz innerhalb der Europäischen Union hat. Dann greifen die Verordnungen des europäischen Reiserechts, nach denen umfassende Entschädigungen fällig werden können. Dasselbe gilt für Flüge, die in Europa starten oder landen oder durch eine europäische Fluggesellschaft durchgeführt werden.

Ein Reisemangel, wie etwa die Unterbringung in einem Hotel mit weniger Komfort als gebucht, sollte gegenüber dem Reiseveranstalter unverzüglich angezeigt werden, damit dieser die Chance hat, ihn zu beseitigen. Nach Ende der Urlaubsreise kann dann schriftlich eine Entschädigung gefordert werden, beispielsweise in Form einer Reisepreisminderung.

Bei Flügen nach Afrika, die in der Europäischen Union starten, oder Flügen, die von einer europäischen Airline getätigt werden, gibt es zudem das Recht auf umfangreiche Entschädigungszahlungen, gestaffelt nach Flugstrecke. Bis zu 600 Euro sind ab einer Verspätung von drei Stunden und einer Flugstrecke von 3500 km drin.

Grundsatzurteil: Auch Inlandsflüge können Entschädigung rechtfertigen
Normalerweise lassen sich europäische Forderungen nicht auf Flüge anwenden, die in einem außereuropäischen Land starten und ankommen. Im kürzlichen Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) sprachen die Richter trotzdem einer Frau Anspruch auf Ausgleichszahlungen zu (Rechtssache C-537/17), weil sie nach einer Zwischenlandung in Casablanca erst verspätet in Agadir ankam. Die Richter entschieden, dass die Zwischenlandung außerhalb Europas nichts an den Entschädigungsansprüchen ändere, solang der ursprüngliche Abflugsort innerhalb Europas liege und die Flüge Teil derselben Buchung seien. In einem solchen Fall seien die Flüge trotz des Flugzeugwechsels als ein Flug zu werten.

Nationale Reiserechte in Afrika
Nicht anwendbar sind die europäischen Regelungen zum Reiserecht indes in den Staaten des afrikanischen Kontinents, sofern nicht die oben genannten Bedingungen erfüllt sind. Bei Individualreisen oder nicht-europäischen Reiseveranstaltern gelten daher normalerweise die jeweiligen nationalen Bestimmungen. In einem solchen Fall sollte ein entsprechend spezialisierter Anwalt hinzugezogen werden.

Gerade bei langen und kostspieligen Reisen kann es zudem sinnvoll sein, eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen. Diese zahlt in der Regel nicht nur, wenn die Reise nicht angetreten werden kann, sondern häufig auch dann, wenn die Reise unterbrochen werden muss und dadurch Mehrkosten entstehen.