Rettungsorganisation SOS MEDITERRANEE startet mit der Ocean Viking nach Monaten der Blockade in den Einsatz im Mittelmeer

Nach fünf Monaten Festsetzung nimmt das Schiff Ocean Viking der europäischen Seenotrettungsorganisation SOS MEDITERRANEE heute wieder Kurs auf das zentrale Mittelmeer. Der erneute Rettungseinsatz folgt auf monatelange Bemühungen und kostspielige Investitionen, um das Schiff frei zu bekommen.

Italienische Behörden hatten das Schiff am 22. Juli 2020 aufgrund neuer Auslegungen der Sicherheitsanforderungen für Schiffe auf Sizilien festgesetzt und am 21. Dezember wieder freigegeben. Zuvor hatte SOS MEDITERRANEE neue Auflagen für Notfallsituationen an Bord erfüllen müssen. „Wir sind sehr erleichtert, endlich wieder retten zu können“, sagt Jana Ciernioch, politische Referentin bei SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V. „Zurzeit ist kein anderes ziviles Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer im Einsatz, um Menschen in Seenot zu retten. Umso wichtiger ist es, dass wir wieder zurück sind.” Im vergangenen Jahr waren sechs zivile Schiffe am Ausfahren gehindert worden, das habe im zentralen Mittelmeer ein tödliches Vakuum hinterlassen. „Mindestens 779 Frauen, Männer und Kinder sind dort gestorben oder werden vermisst – wenn man nur die Schiffbrüche zählt, von denen wir wissen, denn es gab kaum Zeugen,“ beklagt Ciernioch.

Nach einer zehntägigen Quarantäne in Marseille, Frankreich, und mehrfachen, durchweg negativen Coronavirus-Tests sind 22 Mitglieder der Rettungscrew und des medizinischen Teams von SOS MEDITERRANEE an Bord der Ocean Viking. Alle Besatzungsmitglieder, auch die neunköpfige maritime Schiffsbesatzung sowie zwei Journalisten, die über den aktuellen Einsatz berichten, wurden im Anschluss an die Quarantäne in die strengen COVID-19-Schutzmaßnahmen an Bord eingeführt. In den nächsten Tagen, während der Fahrt ins zentrale Mittelmeer, werden die Teams notwendige Trainings und Übungen für bevorstehende Rettungseinsätze absolvieren.

„Auf dem Meer gerät unsere Besatzung regelmäßig in Situationen, in denen es um Leben und Tod geht,” erläutert Jana Ciernioch. „Unnötige Verzögerungen bei der Rettung von Menschenleben, etwa weil Leitstellen Informationen über Seenotfälle nur verzögert oder gar nicht weitergeben, setzen Menschenleben unmittelbar aufs Spiel. Leider mussten wir dies immer wieder miterleben.” Im Jahr 2020 wurden laut Internationaler Organisation für Migration (IOM) mehr als 11.000 Menschen, die über das Meer aus Libyen flohen, in das Land und seine Internierungslager zurückgebracht – ein Verstoß gegen das Völkerrecht. „Die Einführung einer europäischen Seenotrettung, die internationales Recht einhält, ist der schnellstmögliche Weg, um die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer 2021 zu beenden“, sagt Ciernioch. „Außerdem brauchen wir in der EU echte Solidarität mit den europäischen Küstenstaaten bei der Verteilung der Geretteten.“ (SOS MEDITERRANEE, Text und Foto)