Somalia: Korvette ‚Erfurt‘ erstmalig am Horn von Afrika

bundeswehrNachdem die Deutsche Marine wegen des Einsatzes zur Aufklärung von Schleusernetzwerken im Mittelmeer (EUNAVFOR MED) die Einsatzplanung ihrer Einheiten kurzfristig anpassen musste, verlegt mit der „Erfurt“ erstmalig eine Korvette der Klasse K130 ans Horn von Afrika, um sich der Operation Atalanta anzuschließen. Sie bleibt dort bis zum März 2016. Der UNIFIL-Einsatz der „Erfurt“ wurde bereits am 27. Juli vom Schnellboot „S80 Hyäne“ übernommen.

Die Deutsche Marine beteiligt sich seit Dezember 2008 durchgehend an der EU-Mission vor der Küste Somalias. Die Atalanta-Schiffe schützen die Transporte des Welternährungsprogramms, die Handelswege am Horn von Afrika und im Indischen Ozean und verhindern Piraterie auf See. Dort kamen bisher Fregatten, Einsatzgruppenversorger sowie Seefernaufklärungsflugzeuge vom Typ P-3C ORION zum Einsatz. Der Verband wurde mehrmals von einem deutschen Admiral geführt. Atalanta war damals die erste maritime Mission der EU. Der Deutsche Bundestag hat das Mandat zuletzt bis zum 31. Mai 2016 verlängert, bis zu 950 deutsche Soldaten können zum Einsatz kommen.

Die Aufstellung der EUNAVFOR MED im Mittelmeer veranlasste die Marine, die Fregatte „Schleswig-Holstein“ zusammen mit dem in Kiel beheimateten Tender „Werra“ ins Mittelmeer zu entsenden, womit ein Ersatz für den geplanten Atalanta-Einsatz der „Schleswig-Holstein“ gefunden werden musste. Die Korvette „Erfurt“ ist nun die erste Korvette der Deutschen Marine, die in diesen Verband integriert wird.

Die „Erfurt“ war mit der Besatzung BRAVO unter Führung von Korvettenkapitän Kaspar seit dem 26. Mai 2015 im UNIFIL-Einsatz vor der Küste des Libanon. Sie überwachte dort im UN-Marineverband die Gewässer vor der libanesischen Küste.

Über die Verlegung ans Horn von Afrika sagt der Kommandant: „Ich war zunächst natürlich überrascht, als ich erfahren habe, dass wir ab August an der Operation Atalanta teilnehmen sollen. Vor der neuen Aufgabe habe ich Respekt, als Besatzung werden wir unseren Auftrag aber erfüllen. Wir freuen uns auf diese neue Mission und sind überzeugt, einen wirkungsvollen Beitrag leisten zu können.“

Am Horn von Afrika angekommen, wird die Korvette „Erfurt“ weiteres Personal an Bord nehmen, das zur Erfüllung des Auftrags nötig ist: Es werden ein Rechtsberater, Sprachmittler und zusätzliches Sanitätspersonal an Bord gehen.

Ein Schiff – drei Besatzungen
Ende März 2016 wird die „Erfurt“ voraussichtlich wieder von einer Fregatte abgelöst. Als eines der modernsten Schiffe der Deutschen Marine ist die Korvette speziell für Operationen in küstennahen Gewässern konzipiert worden. Sie ist dank weitreichender Sensoren für Aufgaben wie die Seeraumüberwachung im Rahmen von Stabilisierungseinsätzen hervorragend geeignet. Die Besatzung, für die der kommende Einsatz zum größten Teil die erste Berührung mit Atalanta ist, blickt nach einer logistischen, technischen und taktischen Vorbereitung auf Zypern gespannt und motiviert auf die Herausforderungen der kommenden Wochen, bevor sie Ende September durch die Besatzung CHARLIE im Einsatzgebiet abgelöst wird. (Bundeswehr, Text + Foto)