Staatengemeinschaft muss sich in Tschadsee-Region viel stärker engagieren

Staatengemeinschaft muss sich in Tschadsee-Region viel stärker engagierenAnlässlich der heute in Berlin beginnenden internationalen Konferenz zur Tschadsee-Region fordert Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller ein stärkeres internationales Engagement zur Stabilisierung der Region:

 „Ich komme gerade aus dem Tschad, dem drittärmsten Land der Welt. In der Tschadsee-Region findet derzeit eine humanitäre Katastrophe statt: 2,4 Millionen Menschen sind vor dem Klimawandel und dem Terror von Boko Haram und des IS geflohen. Allein der bitterarme Tschad hat 600.000 Flüchtlinge aus dem Sudan, Nigeria und der zentralafrikanischen Republik aufgenommen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt die Region derzeit mit 220 Millionen Euro bei der Flüchtlingsversorgung, der Gesundheits- und Wasserversorgung und zur Ernährungssicherung. Deutschland leistet hier viel. Wir brauchen aber einen gemeinsamen europäischen Ansatz für die gesamte Region. Und auch die internationale Gemeinschaft muss sich noch viel stärker engagieren, damit wir diesen Menschen eine Überlebensperspektive geben und dem Terrorismus den Nährboden entziehen können. Wichtig ist, dass die Zusagen auch eingehalten werden. Leider ist das in der Vergangenheit nicht passiert. Die internationalen Hilfsaufrufe sind nur zu einem Drittel gedeckt. Das ist ein Skandal!

Ich habe im Tschad ein Krankenhaus besichtigt, in dem unterernährte Kinder nur mit Hilfe kirchlicher Hilfsorganisationen vor dem Verhungern gerettet wurden. Trinkwasser ist mittlerweile die kostbarste Ressource. Der Grundwasserspiegel ist dramatisch gesunken, der Tschadsee nur zu einem Drittel mit Wasser bedeckt. In der gesamten Region sind 11 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen.“

Minister Müller hat im Tschad vor wenigen Tagen auch mit der Tschadsee-Kommission gesprochen. Dabei hat er weitere Unterstützung beim grenzüberschreitenden Wassermanagement und der Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel angekündigt. Mitglieder der Kommission sind Niger, Nigeria, Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, Libyen und der Tschad.

Darüber hinaus wird das Entwicklungsministerium auch künftig Maßnahmen zur langfristigen Entwicklung der Tschadsee-Anrainerstaaten unterstützen. (bmz, Foto: irin)