Stärkere Initiativen gegen Fluchtursachen in den afrikanischen Ländern - Konstruktive Maßnahmen der europäischen Wertgemeinschaft

Stärkere Initiativen gegen Fluchtursachen in den afrikanischen Ländern – Konstruktive Maßnahmen der europäischen Wertgemeinschaft

Eine Analyse von Gerd Eckert, Dipl.oec., Berlin
Der Beitrag in der “Berliner Zeitung“ von Christian Bommarius am 17.6.15 “Eine neue Afrika-Konferenz“ lässt aufhorchen. Nicht wegen der uns bekannten und wiedergespiegelten deutsch-europäischen Kolonialgeschichte Afrikas, sondern wegen der seit einigen Jahren kaum überschaubaren enormen Migrationsbewegungen auf dem Kontinent. Was können wir von einer neuen Afrika-Konferenz erwarten? 
Konflikte – Krisen schwächen afrikanische Hoffnungen
Krisen, Kriege, Korruption sind ebenso wie Hunger und Armut Ursachen der Flüchtlingswellen aus Afrika, die von den labilen Staaten mit ihren schwachen Strukturen nicht bewältigt werden. Ich sage: Es bestehen weiterhin Zweifel an zügigen Umsetzungsprozessen durch die internationale Gemeinschaft. Dazu zitiere ich aus der neuesten Enzyklika von Paps Franziskus im Juni 2015, z.B. bezogen auf die geplante UN -Klimakonferenz 2015: “Wenn die Politik nicht imstande ist, eine perverse Logik zu durchbrechen und wenn auch sie nicht über armselige Reden hinauskommt, werden wir weitermachen, ohne die großen Probleme der Menschheit in Angriff zu nehmen“.

Aktuell dazu zeigen die Nachrichten über die Debatten auf dem 25. AU-Gipfel in Johannesburg, dass dort nicht mehr als Darlegungen der Konflikt- und Bürgerkriegszentren mit dem Terror in immer neuen Regionen erfolgten und nichts zur Beherrschung und Minderung des daraus resultierenden Flüchtlingschaos ersichtlich ist. Es ist schwer genug, wirksame Maßnahmen gegen Krieg und Terror umzusetzen, die vor allem die Staaten mit ihren schwachen Strukturen bewältigen müssen.

Wir haben zu differenzieren, einmal den Flüchtlingsstrom in den afrikanischen Regionen in Richtung Europa und andererseits die Fluchtflut aus den Nahost-Kriegsländern nach Norden. Diese Flüchtlingsströmungen aufzuhalten ist nur beherrschbar mit intensiver Unterstützung der europäischen Partner. Nicht allein durch Tür öffnen der EU-Staaten, sondern durch Verstärkung der staatlichen Strukturen der labilen Länder des Kontinents mit ihren fehlenden Ordnungskapazitäten wie Armeen und Polizei, aber ganz besonders durch Hilfe im Gesundheitswesen. Dazu gehört, dass dies die machtbesessenen Staatsführer endlich erkennen und sich konzentrieren auf Eigeninitiative mit ihren Ressourcen. Präsident Mugabe, z.Zt. auch amtierender AU-Präsident, spricht zwar zum Jahr der Frau, lässt aber keine eindeutige Entscheidung erkennen über die Durchsetzung der zwei Amtsperioden der Staatsführer. Er war der Erste, der seine Amtszeit überzog und stärkstens missbraucht hat. Zur Fluchtbewältigung in Afrika schweigt der Gipfel jedoch.

Letztlich kann nur die europäische Wertegemeinschaft unter weitaus höherer Verantwortung der UN mit ihrer Menschenrechtsorganisation Hilfen geben und Maßnahmen treffen mit den afrikanischen Regierungen, um die Fluchteuphorie aufzuhalten.

In diese Konfliktlage Afrikas muss auch die energische Bekämpfung der Drogenmafia einbezogen werden, eine brennende Aufgabe, die zu lösen ist. Die am 16.6.15 von TV arte ausgestrahlte Dokumentation „Drogenkrieg in Westafrika“ führte uns in das gefährlichste und ausgeklügelste Mafia-Machtsystem. Westafrika als Drehkreuz für den Drogenumschlag nach Europa und den USA. Die Antidrogenbehörde der UN ist gefordert, mit der EU die Antidrogenkapazitäten der Länder so zu stärken, um das Mafiasystem zu zerstören.

Mehr denn je, sind intensivere Kommunikationen zwischen den Ländern der AU und Europa notwendig, die zu gezielten tiefgreifenden Maßnahmen und effektiveren Lösungen führen müssen anstelle von Konferenzen!

Wird sich der prophezeite Wandel Afrikas herausbilden?
In den vergangenen 6 Jahrzehnten, in denen für die meisten afrikanischen Länder der Weg frei wurde für ihre Unabhängigkeit, vermochten sie sich nicht nachhaltig zu stabilisieren. Die sich herausgebildeten despotischen Machtverhältnisse hielten ihre Positionen. Mehr “ Nehmen “ als eigenständige Entwicklung wurde zum Prinzip der Eliten. Die bestimmende Rolle ausländischer Konzerne in der Ressourcennutzung weitete sich im letzten Jahrzehnt verstärkt aus, auch auf das kapitalwertige Land zur industriellen Nutzung im Anbau von Monokulturen. Es diente nicht der notwendigen Nahrungsmittelsicherung und Hungerbekämpfung.

Wenn auch die Wachstumsraten vieler Länder des Kontinents mit 5 – 9 % eine positive Entwicklung anzeigen, sind viele wirtschaftliche Probleme und besonders die Arbeitsplatzbeschaffung nicht im Griff. Das hat zur Folge: Abwanderung! Am Beispiel einiger Länder mit eigenständigen Strategien wie Ghana, Ruanda, Tansania, als auch Botswana sind vor allem demokratische Strukturen sichtbar. Diese Fakten sind geeignet, im Rahmen der afrikanischen Gemeinschaften integrative Maßnahmen zu entwickeln. Nur damit sichern die Länder im harten Wettlauf der globalen Welt schnelleren Fortschritt und Existenzkapazitäten für ihre Menschen, und sie erfahren Sicherheit zum Verbleib im Land. Afrika braucht gesunden Aufschwung für ein gleichmäßiges Wachstum in jedem Land, damit der stark zunehmenden Bevölkerung ein ihren Gewohnheiten angepasstes Lebensniveau gesichert wird.

Chancen der deutschen Wirtschaft
Anstelle einer neuen Afrika-Konferenz sollte wirksamer sein, wenn Länder nach regionalen Schwerpunkten und politischen Konstellationen Gremien schaffen, um eigenverantwortlich Strategien entwickeln und internationale Kooperationen nutzen.

Ghana bietet z.B. eine breitgefächerte Initiativpalette für die Anwerbung von privaten Auslandsinvestoren ebenso wie für Kapitalzuflüsse von internationalen Finanzierungsfonds. Damit auch die Ansage, dass die deutsche Wirtschaft, die in vielen Ländern gesucht ist, weiterhin mit umfangreicheren Initiativen für eine Mitwirkung an Entwicklungsprojekten ihre Chancen nutzen sollte.

Die formulierte “Deutsche Afrikapolitik“ muss sich auf die Konfliktbelastungen des Kontinents so ausrichten, dass über den sehr vordergründig wirkenden Sozialhilfeaktivitäten das Ziel steht, den Reichtum der Länder an Rohstoffen, Energie und Boden im Land durch eigene Unternehmen zu  verarbeiten. Damit verbunden steht Bildung, Wissen und Technologietransfer für positive Wertschöpfungen.