Straßenkinder in Afrika – Brennpunkt Sambia

Street Children Afrika. Woran denken Sie zuerst, wenn Sie dieses Wort lesen? Denken Sie vielleicht an ein Werbeplakat auf dem große dunkle Kinderaugen sie hilfesuchend anschauen – die Hand aufhaltend und auf dem Boden sitzend? Viele Menschen in Deutschland denken genau an solche Bilder. Warum ist das eigentlich so? Der Kontinent Afrika ist sehr reich an wertvollen Bodenschätzen, und eigentlich ist es unverständlich weshalb die ärmsten Länder der Welt gerade so zahlreich in Afrika sind. Doch die Globalisierung großer Konzerne und die Überreste der Kolonialzeiten haben Teile von Afrika in eine ganz andere Dimension der Armut getrieben. Ein altes afrikanisches Sprichwort sagt: Kämpfen zwei große Elefanten miteinander, so leidet nur das Gras.

Ich habe durch enge persönliche Freundschaften angefangen das Land und die Leute besser zu verstehen. „Sollen die doch nicht so viele Kinder machen in ihren Hütten“, solche oder ähnliche Aussagen hört man oft, wenn man in unseren Land mit Menschen über das Elend der dort lebenden Kinder spricht. Natürlich ist die Zahl der Geburten wesentlich höher als bei uns in Deutschland. Hierbei muss man allerdings sehen, dass Kinder in Afrika als Geschenk Gottes gelten und daher auch als „Reichtum“ angesehen werden. Die Kinder in einer Familie sind eine ganz normale Altersvorsorge in der afrikanischen Kultur. Doch wenn die Eltern einfach keine lohnende Arbeit mehr finden oder wenn ein Elternteil stirbt, dann ist die Grundversorgung der Familie schnell bedroht. Das Modell der afrikanischen Großfamilie, die immer hilfreich zur Seite steht, ist in den letzten Jahren stark ins Schwanken gekommen – bedingt durch Abwanderung der Familienmitglieder, schwierige wirtschaftliche Verhältnisse und die erhöhte Sterberate durch HIV.

Viele Kinder verbringen so ihren Alltag auf der Straße auf der Suche nach Essen, oder ein wenig Geld, um die Versorgung der Familie zu unterstützen. Andere Kinder bekommen Angst vor den verzweifelten Eltern und deren Verhalten und laufen einfach weg. Anfangs kehren viele Kinder am Abend zurück, doch irgendwann möchten sie nicht mehr nach Hause, oder haben Angst davor. So beginnen viele Schicksale von traumatisierten Kindern, die am Schluss auf der Straße leben ohne jegliche Zuwendung – ohne Hoffnung und ohne Liebe. Doch gerade dieser Verlust an Zuwendung, Aufmerksamkeit und Schutz ist schlimmer als der größte Hunger. Durch eine private Verbundenheit mit Sambia, habe ich besonders die Situation in diesem afrikanischen Land betrachtet, und ich war schockiert über das Leid und Elend der Straßenkinder in Sambia. Laut Schätzungen gibt es dort zurzeit ungefähr 1 Millionen Aidswaisen. Eine verlässliche Schätzung über die Anzahl der Straßenkinder gibt es nicht. Diese Zahl schwankt zwischen 75000 und 1,5 Millionen. Wo soll man bei diesen Zahlen anfangen zu helfen? Ich habe mir diese Frage auch gestellt und wie folgt beantwortet. Ich fange einfach an – jetzt und hier.

In einem Dokumentarfilm über die Straßenkinder in Sambia habe ich die Arbeit einer Organisation gesehen, sowie ein Interview mit dem Leiter der Einrichtung. Nachdem der Film zuende war, suchte ich im Internet nach Kontaktdaten zu dieser Organisation. Ich wollte dem dortigen Leiter Herrn Mulenga für seine wertvolle Arbeit danken und ebenso meine Unterstützung anbieten. So fing meine persönliche Hilfe an – mit Worten der Unterstützung und Danksagung. Ich wollte, dass die Helfer wissen, dass selbst im entfernten Deutschland ihre Arbeit wahrgenommen wird.

Inzwischen haben wir einen regelmäßigen sehr persönlichen Kontakt per Email und ich unterstütze die Organisation als „Botschafter“ von Friends of the Street Children hier in Deutschland. Bald werde ich die Einrichtung und Herrn Mulenga persönlich kennerlernen. Ich werde mit den Helfern sprechen und vor allen mit den Kindern. Und ich bin mir sicher, dass sich alle Eindrücke aus Sambia tief in meinen Herz einbrennen werden. Die „non-Profit-Organisation“ Friends of the Street Children ist vom Aufbau und Zielsetzung mit einem wohltätigen Verein nach deutscher Auffassung gleichzusetzen. Seitdem die Organisation ihre Arbeit aufgenommen hat wurden mehr als 5489 Kinder in ein normales Leben zurückgeführt – diese Kinder haben teilweise erfolgreich studiert und haben eigene Familien gegründet. Selbst Ehen zwischen den heranwachsenden „Straßenkindern“ sind entstanden.

Junge im Reha Programm
Junge im Reha Programm

Die Einrichtung Friends of the Street Children arbeitet hierbei sehr strukturiert und verfolgt dabei zielorientiert die Rückführung des Kindes in ein behütetes Umfeld, in dem das Kind umsorgt aufwachsen und lernen kann. Wie macht die Organisation das genau? „Street Worker“ sprechen täglich mit Kindern, die offensichtlich auf der Straße leben. Es werden die Hintergründe und Umstände erfragt und es wird gemeinsam nach Lösungen für die schwierige Situation gesucht. Eine weitere pädagogische wertvolle Arbeit ist das Lernprogramm für die Kinder, das unmittelbar auf der Straße stattfindet. „Street Corner Education“ heißt diese Methode, wobei mit mobilen Tafeln ein Unterricht direkt auf der Straße stattfindet. Aufgrund der hohen Infektionsraten von Krankheiten auf der Straße wird den Kindern auch medizinisch geholfen, hierbei werden gemeinsam Krankenhäuser aufgesucht und Zahlungen für die Versorgung der Kinder geleistet.

Sport im Reha Programm
Sport im Reha Programm

Der nächste Schritt besteht darin, die Kinder in das Rehabilitationsprogramm der Einrichtung zu bringen. In zwei Wohnhäusern – getrennt nach Jungen und Mädchen – lernen die Kinder eine häusliche und herzliche Umgebung kennen und werden umfassend betreut und unterrichtet. In dieser Phase wird verstärkt versucht, den Kontakt zum Elternhaus, Verwandten, oder bisherigen Bezugspersonen wieder herzustellen. Die Nachfrage der Straßenkinder ist enorm in eines der Wohneinrichtungen von Friends of the Street Children aufgenommen zu werden, jedoch muss genau darauf geachtet werden, dass kein Wohnbereich überfüllt wird. Anschließend gibt es ein Reintegrationsprogramm in dem Treffen mit Eltern, Verwandten und Betreuern stattfinden. Das definierte Ziel aller Bemühungen ist eine Rückführung des Kindes in ein normales Leben. Natürlich kennen die Mitarbeiter von Friends of the Street Children die Probleme innerhalb der Familie, oder im Verwandtenkreis. In Einzelfällen wird sogar versucht den Familien finanziell zu helfen, eine neue Existenz aufzubauen um ein optimales Umfeld für das Kind zu schaffen. Alle Bemühungen und Anstrengungen der Einrichtung dienen ausschließlich dem Wohl des Kindes. Diese lokale Hilfseinrichtung hat keinen riesigen Verwaltungsapparat, keine Spendenaufrufe im Internet und keine Hochglanzbilder vom Leid der Kinder. Als ich mit Herrn Mulenga von Friends of the Street Children sprach war mir klar, dass jegliche Form meiner Hilfe direkt bei den Kindern ankommt – auch wenn es nur Worte der Danksagung und Anerkennung sind.

Ich möchte mit diesem Bericht also keinen Spendenaufruf starten, sondern ich möchte vielmehr aufzeigen, dass eine Hilfsbereitschaft immer zuerst bei uns selbst anfängt, in welcher Form wir helfen, spielt dabei keine Rolle, aber es muss eine „Herzenssache“ sein. Ich persönlich begleite die Hilfsorganisation Friends of the Street Children auf ihrem Weg und möchte hierfür einen Förderverein in Deutschland gründen  dessen Name „Charity4Childhood“ lauten wird. Wenn auch Sie auch einen ersten kleinen Schritt machen wollen, um diesen Kindern zu helfen, dann kontaktieren Sie mich einfach. Dies ist kein Spendenaufruf, sondern ich suche Menschen die aktiv durch ihre Mitarbeit helfen möchten Friends of the Street Children zu unterstützen. Kontaktieren Sie mich einfach per Email an frankkarlz@hotmail.com – ich freue mich über jede Nachricht. (Frank Zöllner, Fotos: Friends of the Street Children)

Facebook:https://www.facebook.com/Charity4Childhood/