Sudan: EU-Außenminister fordern für humanitäre Helfer freien Zugang zu Konfliktregionen

Sudan: EU-Außenminister fordern für humanitäre Helfer freien Zugang zu Konfliktregionen

Blockade internationaler Hilfsorganisationen ist Verbrechen gegen die Menschlichkeit – Europas Kritik ist unzureichend
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) wirft der Regierung des Sudan vor, mit der Blockade der humanitären Versorgung der Zivilbevölkerung in den Konfliktregionen Süd-Kordofan und Blauer Nil das Völkerrecht zu verletzen. „Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, dass die sudanesischen Behörden seit mehr als drei Jahren die Versorgung von mehr als einer Million Notleidenden unterbinden“, kritisierte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen. „Es ist ein Armutszeugnis für die EU-Außenminister, dass sie seit dem 26. August 2011 nur in Erklärungen freien Zugang für humanitäre Helfer fordern und es dabei dann belassen. Es müssen jedoch glaubwürdig Sanktionen angedroht werden, damit die sudanesische Regierung ihre Blockade-Haltung endlich aufgibt.“

Am Montag hatte der in Luxemburg tagende EU- Außenministerrat die Regierung des Sudan erneut aufgefordert, den Helfern Zugang zu den Konfliktregionen zu gewähren. Seit Ausbruch der Kämpfe im Juni 2011 hat die EU in mehr als einem Dutzend Erklärungen verlangt, Hilfsorganisationen ungehindert in Süd-Kordofan (Nuba Berge) und der Region Blauer Nil arbeiten zu lassen. Dazu haben sich die Regierungen des Sudan und des Südsudan in einem am 3. August 2012 unterzeichneten Abkommen zwar auch verpflichtet. Doch noch immer ist der Zugang für Helfer blockiert.

Nach Angaben der Vereinten Nationen brauchen in der zwischen der sudanesischen Armee und der Rebellenbewegung SPLM-Nord umkämpften Region Süd-Kordofan 668.400 Menschen internationale Nahrungsmittelhilfe. In der Region Blauer Nil sind es 379.500 Personen. Diese Angaben beruhen auf Schätzungen. Internationale Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen können den Bedarf der von Kämpfern eingeschlossenen Zivilbevölkerung vor Ort nicht feststellen. In der ersten November-Woche will jedoch die staatliche Sudanesische Hilfskommission (HAC) erstmals eine Evaluierungsmission in der Region Blauer Nil starten. „Wir bedauern sehr, dass UN-Mitarbeiter und andere internationale Helfer an dieser Mission nicht teilnehmen dürfen“, erklärte Delius.

Hilfswerke gehen davon aus, dass ein Großteil der Zivilbevölkerung in den umkämpften Gebieten auf der Flucht ist und sich daher nicht selbst versorgen kann. Zudem werden von den Kämpfern auch immer wieder zivile Ziele angegriffen. Erst Donnerstag vergangener Woche starben fünf Kinder bei der Bombardierung eines Marktes in dem Ort Heiban durch die sudanesische Luftwaffe. (gfbv, Foto: irin)