Südafrika: der letzte Fall gegen die Apartheid

Südafrika: der letzte Fall gegen die Apartheid

Kurz nach dem Ende der Apartheid 1994 planten weiße Extremisten Nelson Mandelas Tod. Gestern fielen erneut Schuldsprüche gegen die Boeremag.

Hochverrat lautete das Urteil auch gegen die Verdächtigen Nummer 13 und 14. Lets Pretorius und Jurie Vermeulen, zwei Vertreter der rechtsradikalen Boeremag wurden am Dienstag wegen eines komplexen Plans verurteilt, mit dem sie ein demokratisches Südafrika verhindern wollten.

Die rechte Bewegung (dt: Burenmacht) soll versucht haben, Nelson Mandelas Regierung zu putschen und Südafrika erneut als weiße Diktatur aufzuziehen. Die insgesamt 20 Angeklagten müssen sich für mehr als 40 Strafen verantworten, darunter Hochverrat, Sabotage, Mord und der Gefährdung nationaler Sicherheit. Bis letzten Monat der erste Schuldspruch fiel, ermittelte das Gericht neun Jahre. Damit war dies der längste Fall in der südafrikanischen Justizgeschichte. Vermutlich wird es noch weitere Wochen dauern, bis der Richter alle weiteren Schuldsprüche und die Strafen verkündet hat. Die ausschlaggebenden Beweise gegen die weißen Extremisten fanden sich zuletzt auf dem Rechner ihres Anführers. Die schockierenden Details gelangten jetzt zum ersten Mal an die Öffentlichkeit.

Chaos und Gewalt

Die Gruppe hatte die Ermordung aller Minister und des damaligen Präsidenten Nelson Mandela geplant. Der Regierungsjet sollte mit Luftabwehrraketen abgeschossen werden. Boeremag-Hintermänner beim staatlichen Energieversorger ESKOM sollten anschließend die Stromzufuhr zu Johannesburg, Kapstadt und allen größeren Städten kappen. Mit Lebensmittelvorräten sollte die Boeremag die besorgte Bevölkerung auf ihre Seite ziehen. Sobald die staatlichen Rundfunksender besetzt gewesen wären, sollte der Strom wieder fließen und der Putsch sollte offiziell ausgerufen werden. Die Boeremag hatte damit gerechnet, dass bald das Chaos ausbrechen würde und wollte die Mobilisierung nutzen, um alle Schwarzen in den Nordosten und alle Farbigen in den Südwesten zu treiben. Dort hätten sich UNO-Flüchtlingscamps ihrer annehmen sollen, während die burische Armee die Macht weiter ausbaut.

Umstrittener Informant

Der Plan flog schließlich durch einen verdeckten Ermittler auf, der sich als Spion in die Gruppe eingeschleust hatte. Militäroberst Koos Holtzhausen hatte die Boeremag über mehrere Monate begleitet, um Beweise gegen sie zu sammeln. Ein früherer Informant, J. C. Smit, soll teilweise in die kriminellen Aktivitäten involviert gewesen sein. Ein Mitglied der Boeremag bezeichnete Smits als „Schlange“ und beschwerte sich, er hätte niemals Bomben gebaut, hätte Smits ihn nicht dazu aufgefordert. Gegenüber dem Gericht sagte er: „Smits war ein aktiver Verbrecher.“

Späte Reue

Kobus Pretorius, einer der Verschwörer, hatte sich die letzten Jahre von der Terroristengruppe distanziert. Er sagte, das Gefängnis habe ihn von der Ideologie einer weißen Vorherrschaft abgebracht. Dafür erntete er Kritik von seinem Vater und seinen zwei Brüdern, die wegen derselben Strafen vor Gericht stehen. In ihren Augen ist er ein volksverraaier (dt: Volksverräter), womit alle Abtrünnigen unter den burischen Afrikanern bezeichnet werden. Ob sich die späte Reue strafmildernd auswirkt, zeigt sich in den nächsten Wochen.

„Soldaten im Freiheitskampf“

Vor Gericht sagte Anführer Mike du Toit, er habe den Coup sieben Jahre lang geplant und werde nicht zusehen, wie er tatenlos untergeht. Er und die Boeremag würden weiterkämpfen als „Soldaten im Freiheitskampf“. Du Toit beruft sich auf die Prophezeiungen von Siener van Rensburg. Dieser hatte als Scheinprophet zu Beginn des letzten Jahrhunderts gelebt und in seinen mehr als 700 Prophezeiungen vor dem Untergang der Buren gewarnt. Informant Holtzhausen erschien vor Gericht als Hauptzeuge. Laut ihm soll die Boeremag vor allem Unterstützer unter den weißen Farmern rekrutiert haben, die sich von der schwarzen Bevölkerung bedroht fühlen. Ein weiterer Zeuge sagte aus, er sei so besorgt von den Plänen du Toits gewesen, dass er versucht habe, sie hinauszuzögern: Er habe ihm von einer Massenvernichtungswaffe vorgeschwärmt, die Toit sehr interessiert habe.

 

Markus Schönherr, Kapstadt, Foto: UNO

schoenherr@africa-live.de