Über 80 Millionen Menschen Mitte 2020 auf der Flucht

Eine geflüchtete Frau mit ihrem Kind nahe der Grenze zwischen Uganda und der Demokratischen Republik Kongo, Juli 2020. ©UNHCR/Rocco Nuri

UNHCR präsentiert den halbjährlichen „Mid-Year Trends“-Report: Die Pandemie verschlimmerte 2020 die Lage der Geflüchteten und Staatenlosen nochmals zusätzlich.

UNHCR hat heute seinen halbjährlich erscheinenden „Mid-Year Trends“-Report vorgelegt. Obwohl endgültige Zahlen zu 2020 erst in einigen Monaten verfügbar sein werden, deuten aktuelle Entwicklungen darauf hin, dass Mitte des Jahres erstmals über 80 Millionen Menschen auf der Flucht waren.

Zu Beginn dieses Jahres waren rund 79,5 Millionen Menschen aufgrund von Verfolgung, Konflikten und Menschenrechtsverletzungen Vertriebene. Davon waren 45,7 Millionen Binnenvertriebene, 29,6 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene außerhalb ihres Herkunftslandes sowie 4,2 Millionen Asylsuchende. Bestehende und neu aufgeflammte Konflikte sowie das Coronavirus haben sie aus ihrem gewohnten Leben gerissen.

Trotz des dringenden Appells des UN-Generalsekretärs im März für einen globalen Waffenstillstand, zumindest während die Welt gegen die Pandemie kämpft, gingen Konflikte und Verfolgung weiter.

Die Gewalt in Syrien, der Demokratischen Republik Kongo, Mosambik, Somalia und dem Jemen führte in der ersten Hälfte des Jahres 2020 zu neuen Vertreibungen. Auch in der Zentral-Sahelzone wurde eine große Zahl an Menschen vertrieben und die Zivilbevölkerung leidet unter brutalster Gewalt, einschließlich Vergewaltigungen und Hinrichtungen.

„Die Zahlen von Menschen auf der Flucht haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Es gelingt der internationalen Gemeinschaft nicht, Frieden zu sichern“, so UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi.

„Wir erreichen jetzt einen weiteren düsteren Meilenstein, und die Zahlen werden steigen, wenn die führenden Politiker der Welt Kriege nicht beenden.“

Für Menschen, die zur Flucht gezwungen waren, ist COVID-19 nicht nur eine globale Gesundheitskrise, sondern ebenfalls eine Existenz- und Schutzkrise. Das Virus betrifft jeden Aspekt des menschlichen Lebens und es hat die Lage für Vertriebene und Staatenlose nochmals zusätzlich verschlimmert.

Einige der Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung von COVID-19 erschwerten es Menschen auf der Flucht, sichere Orte zu erreichen.

Auf dem Höhepunkt der ersten Welle der Pandemie im April schlossen 168 Länder ihre Grenzen ganz oder teilweise, wobei 90 Länder keine Ausnahme für Asylsuchende machten.

111 Länder haben mittlerweile, unter anderem durch Unterstützung von UNHCR, pragmatische Lösungen gefunden, um das Funktionieren ihres Asylsystems – unter Einhaltung von COVID–19-Schutzmaßnahmen – vollständig oder zumindest teilweise zu gewährleisten.

Trotz dieser Maßnahmen sanken die neuen Asylanträge um ein Drittel im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2019, gleichzeitig wurden aber keine Lösungen für die Ursachen von Konflikten gefunden.

Gesunken sind auch die langfristigen Möglichkeiten und Lösungen für Geflüchtete: Nur 822.600 Vertriebene kehrten in ihre Heimat zurück, die meisten – 635.000 – waren Binnenvertriebene. 102.600 Flüchtlinge kehrten freiwillig zurück, das sind 22 Prozent weniger im Vergleich zu 2019.

Resettlement – also Neuansiedlung in einem Drittland – für Flüchtlinge wurde aufgrund der COVID-19-Beschränkungen von März bis Juni vorübergehend ausgesetzt. Folglich konnten im ersten Halbjahr 2020 laut Regierungsstatistiken nur 17.400 Flüchtlinge von Resettlement profitieren, 2019 waren es doppelt so viele.

Die Zahl der Staatenlosen ist nicht bekannt, in Statistiken haben 79 Länder insgesamt 4,2 Millionen Staatenlose gemeldet.

Der heute veröffentlichte „Mid-Year Trends“-Bericht ist hier verfügbar, der jährliche Statistikbericht „Global Trends“ wird jeweils im Juni veröffentlicht. (UNHCR)