„Über die Hälfte des globalen Bevölkerungswachstums findet in Afrika statt“

DouglasDie Vereinten Nationen haben neue Hochrechnungen zur Entwicklung der Weltbevölkerung veröffentlicht. Diese wurden nun zum zweiten Mal in Folge nach oben korrigiert. Im Jahr 2050 dürfte die Weltbevölkerung knapp 200 Millionen mehr Menschen zählen als bisher angenommen. Das ergibt sich aus der neuen Hochrechnung der Vereinten Nationen, die gestern veröffentlicht wurde.

 

Statt heute 7,3 Milliarden werden dann 9,7 Milliarden Menschen auf der Welt leben. Damit mussten die Vereinten Nationen wie schon in der vorherigen Revision von 2012 ihre Hochrechnungen nach oben korrigieren.

 

Die Ursache hierfür ist die nur langsam sinkende Fertilitätsrate auf dem afrikanischen Kontinent. Sie lag 2010-2015 noch immer im Schnitt bei 4,7 Kinder je Frau – so hoch wie nirgendwo sonst. Nach der mittleren Variante der aktuellen Hochrechnungen wird es noch mindestens bis zum Ende des Jahrhunderts dauern, bis die Fertilitätsrate auf das Reproduktionsniveau von 2,1 Kindern je Frau sinkt. Bis dahin wird sich die Bevölkerung der Region vervierfacht, in einigen Ländern sogar verfünffacht haben. Allein in Nigeria werden dann statt heute 180 Millionen über 750 Millionen Menschen leben – mehr als doppelt so viele wie momentan in den USA.

 

„Schon heute haben viele afrikanische Staaten Schwierigkeiten, die Grundversorgung ihrer Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Es ist daher kaum vorstellbar, dass ein solches Wachstum tatsächlich stattfinden wird“, gibt Reiner Klingholz, der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, zu bedenken. „Entweder wird es zu massiven Konflikten und Versorgungsengpässen in der Region kommen, welche das Wachstum letztlich bremsen. Oder aber die Staaten kommen auf einen erfolgreichen Entwicklungsweg, wodurch die Geburtenraten von alleine sinken.“ Vorbild hierfür könnten viele asiatische Staaten sein, etwa Thailand: Hier sank die Fertilitätsrate in den letzten vier Jahrzehnten von etwa 6 auf 1,5 Kinder je Frau. Diese schnelle Entwicklung kam zustande, weil sich das Gesundheitssystem und die Bildungsmöglichkeiten stark verbessert haben und weil für die erwachsene Bevölkerung Arbeitsplätze geschaffen wurden. „Doch gerade Bildung und Jobs fehlen in Afrika südlich der Sahara am meisten“, sagt Reiner Klingholz. „Ohne Perspektiven werden die Kinderzahlen hoch bleiben. Und es werden sich immer mehr Menschen auf den Weg machen um anderswo ihr Glück zu suchen. Damit wird sich auch der Migrationsdruck auf Europa weiter verschärfen“, warnt der Institutsdirektor.

 

Über die Folgen des Bevölkerungswachstums für die Entwicklungsländer wie auch für die Europäische Union hat das Berlin-Institut in den vergangenen Monaten tiefgehende Analysen unternommen: Das mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes entstandene Diskussionspapier „Krise an Europas Südgrenze“ diskutiert, welche Herausforderungen auf die Länder der EU zukommen und wie diesen kurz- und langfristig zu begegnen ist. Die gemeinsam mit Autoren des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) erarbeitete Studie „Consequential Omissions“ zeigt die zentrale Rolle von Bevölkerungsentwicklungen für sozio-ökonomischen Fortschritt und leitet daraus zentrale Forderungen für die neuen Sustainable Development Goals ab. Beide Veröffentlichungen erreichen Sie kostenfrei unter http://www.berlin-institut.org/publikationen.html.

 

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Schillerstr. 59

10627 Berlin

 

(Foto: ia)