Uganda: Wo Gaddafi noch einen Ruf hat – Große Moschee von Kampala sucht Sponsoren

Blick ins Innere der Gaddafi-MoscheeBald fünf Jahre nach seinem Tod trauert die muslimische Gemeinschaft Ugandas noch immer um Muammar Gaddafi. Der libysche Revolutionsführer hat einst das größte Bauwerk Kampalas gestiftet, und wohl nirgendwo in der Welt wird er verehrt wie hier. 2007 erst wurde die „Gaddafi-Moschee“ eröffnet, sie fasst 12.000 Pilger und weitere 3000 Frauen auf der Galerie, noch einmal so viele haben im Außenbereich Platz. Von seinem 60 Meter hohen Minarett auf einem der sieben Hügel der Altstadt genießt man den besten Ausblick über die 2-Millionen-Metropole Ugandas.

 

Gegen den Willen der örtlichen Muslime musste der Oberste Rat der Muslime Ugandas den Namen im Juni 2013 auf „Nationalmoschee“ ändern, sonst hätte das Nachfolgerregime in Libyen seine jährlichen Zahlungen sofort eingestellt. Doch inzwischen sind auch diese Unterstützungsgelder in Höhe von 200.000 Dollar pro Jahr Geschichte und der Kalkputz blättert schon langsam von den Wänden. Jetzt hat der Oberste Rat einen Appell in die Welt hinaus geschickt, man möge das schönste Bauwerk der Stadt doch nicht verkommen lassen. Es ist tatsächlich bereits wieder renovierungsbedürftig.

 

Muslime in der Minderheit

Ugandas 40 Mio-Bevölkerung ist etwa zu 15 Prozent muslimisch. In der Hauptstadt Kampala dürfte der Anteil der Muslime deutlich höher sein, wenn es nach Joseph, dem belesenen Guide in der Moschee, geht. Sie lebten jedoch in absolutem Frieden mit ihren mehrheitlich christlichen Nachbarn, betont er mit einem Augenzwinkern und stichelnden Bemerkungen zum früheren Diktator Idi Amin, Uganda kenne keine Religionskonflikte. Auf den Straßen der Stadt und auch in den Dörfern draußen am Land sind die Muslime leicht von der übrigen Bevölkerung zu unterscheiden, Frauen müssen verschleiert gehen, Männer und Buben tragen den Jabador oder Qamis, den typischen islamischen Ganzkörperrock.

 

König der Könige

Wie sehr Gaddafi bis heute verehrt wird, schildert Rashidah Namiyalo, ein muslimischer Radiomacher. „Die Leute waren außer sich, als die Nachricht von seinem Tod kam. Sie haben sich schlecht gefühlt, geweint und gebetet, denn sie haben ihn als Messias verehrt, als König der Könige“, sagt Namiyalo. Auch Kareem Abdul, ein Motorrad-Taxifahrer, sieht Gaddafi noch immer als Held. „Das war ein guter Mann“, sagt er. Die Leute priesen den libyschen Diktator für seine Großzügigkeit, denn er investierte Milliarden von Dollar in Uganda und in den anderen Ländern der Subsahara, und anders als die Europäer und Amerikaner – ohne Gegenleistungen zu fordern.

 

40 Jahre Bauzeit

Der Plan zum Bau der Moschee geht auf das Jahr 1972 zurück, als der damalige Diktator Idi Amin den Obersten Rat der Muslime Ugandas auf die Beine stellte und dann selbst anführte. Doch schon 1976 kamen die Arbeiten zum Erliegen – bis 2001, als sich Scheich Shaban Ramadan Mubaje in seiner Geldnot an Gaddafi wandte, um Unterstützung zur Fertigstellung anzusuchen. Der willigte bald ein, und ab 2004 ging es Schlag auf Schlag, zuerst mit dem Abriss der alten Grundmauern und dann dem überdimensionierten Ausbau des Heiligtums. Die Einweihung erfolgte 2008 mit dem Revolutionsführer und vielen weiteren afrikanischen Staatschefs.

 

Die Gaddafi-Moschee ist heute nicht nur die größte Moschee und das größte sakrale Bauwerk Ugandas sowie Zentrale des muslimischen Glaubens im Land, sondern auch die zweitgrößte Moschee ganz Afrikas nach der König Hassan Moschee von Casablanca in Marokko. Wer Kampala besucht, kommt nicht umhin, einen Abstecher auf den schönen Aussichtshügel zu machen. Denn wirklich viele attraktive Sehenswürdigkeiten bietet die Stadt kaum. (pte, Text + Foto)