Vier Jahre blutiger Konflikt in Kamerun – kirchliche Hilfswerke fordern Vermittlerrolle der Bundesregierung

Es begann mit einem Lehrerstreik … ©ia

Am 6. November 2016 begann der Streik der Lehrer und Lehrerinnen in den englischsprachigen Provinzen Kameruns. Dieser friedliche Protest gegen die Benachteiligung der anglophonen Bevölkerungsgruppen führte zu brutaler Unterdrückung durch die Zentralregierung in Yaoundé und zu einer Eskalation der Gewalt durch bewaffnete Pro-Unabhängigkeitsgruppen. Die Folge sind über 3.000 Todesopfer, 679.000 Binnenvertriebene, 58.000 Flüchtlinge in den Nachbarländern und eine traumatisierte Bevölkerung, die unter Angst, Hunger, Elend und einer tobenden Pandemie leidet. Der Konflikt führt seit Jahren die Liste der meist vernachlässigten Konflikte der Welt an, die der Norwegische Flüchtlingsrat (NRC) jedes Jahr herausgibt.

Zum vierten Jahrestag (6. November) des Beginns der Krise im anglophonen Teil Kameruns machen die beiden großen kirchlichen Hilfswerke Brot für die Welt und MISEREOR auf die sich zuspitzende humanitäre Krise in dem zentralafrikanischen Land aufmerksam. Gemeinsam rufen sie die Bundesregierung dazu auf, die EU-Ratspräsidentschaft und insbesondere den Sitz im UN-Sicherheitsrat dafür zu nutzen, eine längst überfällige Lösung des Konflikts zu erzielen.

Brutale Menschenrechtsverletzungen, geschlossene Schulen und eine ungebremste Ausbreitung der Pandemie gehören zum Kriegsalltag. „Unsere Partnerorganisationen vor Ort, wie die Diözese Kumbo und die Presbyterian Church of Cameroon, berichten von andauernder Gewalt und schweren Menschenrechtsverletzungen“, erklärt MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. Brutale Morde, niedergebrannte Dörfer, Vergewaltigungen und Entführungen gehören in den Konfliktregionen mittlerweile zum Alltag. Erst vor wenigen Tagen wurden an einer Schule in Kumba sechs Schülerinnen und Schülern ermordet und zahlreiche weitere verletzt. In den umkämpften Regionen haben neun von zehn Kindern, das sind mehr als 700.000, seit fast vier Jahren keine Schule mehr besucht. 80 Prozent der Schulen, die im Laufe des Konflikts geschlossen wurden, wurden bis heute nicht wiedereröffnet.

Die betroffene Bevölkerung ist zudem besonders anfällig für das Corona-Virus, da ein Großteil der Gesundheitseinrichtungen zerstört oder geschlossen wurde. Dies verschärft die humanitäre Katastrophe in der anglophonen Region zusätzlich. Kamerun gehört zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern in Afrika.

Deutschland muss Vermittlerrolle übernehmen

Brot für die Welt und MISEREOR appellieren an die Bundesregierung, die Krise in Kamerun formal auf die Agenda des UN-Sicherheitsrats zu setzen. „Aufgrund der jeweiligen historischen Beziehungen zu Kamerun sehen wir gerade Deutschland und Frankreich in einer besonderen Verantwortung, sich nachdrücklich für eine rasche politische Lösung des Konflikts gegenüber der Regierung Kameruns und den bewaffneten Separatistengruppen einzusetzen“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von Brot für die Welt.

„Wir appellieren daher dringend an die Bundesregierung, die EU-Ratspräsidentschaft und den aktuellen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu nutzen, um gemeinsam mit allen Betroffenen an einer Strategie zu arbeiten, damit dieser Konflikt endlich friedlich beigelegt werden kann und nicht noch mehr Menschenleben kostet“, so Füllkrug-Weitzel. Der erste Schritt sei jedoch, die Ursachen dieses Konflikts unabhängig zu analysieren.