Vor 25 Jahren: Nigeria lässt Shell-Kritiker Ken Saro-Wiwa hinrichten – Umweltkatastrophe bedroht noch immer Überleben von Ogoni

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O Umweltkatastrophe im Nigerdelta bedroht weiter indigene Völker
O Rund 300 Öl-Unfälle pro Jahr, Fischfang stark eingeschränkt
O  Korruption, Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch prägen Nigerias Öl-Politik

Zum 25. Todestag des Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten Ken Saro-Wiwa am 10. November 1995 fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), die Umweltkatastrophe im Nigerdelta endlich wirksam zu bekämpfen. Das durch Öl-Förderung ausgelöste Desaster bedrohe noch immer die dort lebenden indigenen Völker. „Ken Saro-Wiwa kämpfte unermüdlich, um die Bedrohung der Ogoni und anderer indigener Völker weltweit bekannt zu machen. Ein Vierteljahrhundert nach seiner Hinrichtung ist seine Botschaft aktueller denn je. Denn Nigerias Politik und die Öl-Konzerne versagen beim Schutz der Umwelt und der Menschen im Nigerdelta“, erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. „Mit seinem Engagement für Unternehmensverantwortung war Ken Saro-Wiwa seiner Zeit weit voraus – er war sozusagen einer der Vordenker des heutigen Lieferkettengesetzes“, sagte Delius.

Rund 300 leckgeschlagene Pipelines und andere Öl-Unfälle werden im Nigerdelta Jahr für Jahr registriert. Sie bedrohen massiv das Leben der indigenen Völker, die einen Großteil der 6,5 Millionen Menschen im Delta stellen. Viele leben vom Fischfang – rund 30.000 von ihnen mussten die Fischerei aufgrund der Verseuchung des Wassers mit Ölrückständen aufgeben. Auch die Boden- und Luftverschmutzung aufgrund der Ölförderung oder des Abfackelns von Gas hat katastrophale Ausmaße angenommen. „Die dramatischen ökologischen, gesundheitlichen und sozialen Folgen haben die Vereinten Nationen und Nichtregierungsorganisationen in zahllosen Studien dokumentiert. Doch Öl-Konzerne und Nigerias Regierung stehlen sich aus der Verantwortung. Sie überlassen die Opfer der Plünderung der Ressourcen ihrem Schicksal“, kritisiert Delius. Korruption, Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch prägten leider auch 25 Jahre nach Ken Saro-Wiwas Tod noch immer Nigerias Öl-Politik. Denn die Geschäfte mit dem Öl seien sehr einträglich. So beziehe das Land mehr als 65 Prozent seiner Staatseinnahmen aus der Öl-Förderung und 88 Prozent seiner ausländischen Devisen aus dem Export des Rohstoffs.

Die GfbV unterstützt die 500.000 Ogoni und andere indigene Völker des Nigerdeltas seit mehr als 30 Jahren. Auch mit Ken Saro-Wiwa und seinen Nachfolgern arbeitete sie eng zusammen, um auf die dramatische Lage der Indigenen im Delta aufmerksam machen. Besonders im Fokus stand dabei der Shell-Konzern und seine Kooperation mit Nigerias Diktator Sani Abacha. Dieser ließ Ken Saro-Wiwa und einige Gleichgesinnte nach einem Willkürprozess hinrichten. Als der Streit in den Jahren 1995 und 1996 eskalierte, ließ Shell die Menschenrechtsorganisation sogar ausspionieren. (Gesellschaft für bedrohte Völker)