Vor EU-Afrika-Gipfel: Fragen und Antworten zur Partnerschaft von Afrika und Europa

Am 9. Dezember wird Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft an einem Videogipfel mit den EU-Spitzen und Vertretern der Afrikanischen Union teilnehmen. Was verbindet die EU mit Afrika? Wissenswertes über die afrikanisch-europäischen Beziehungen lesen Sie hier.

Wie funktioniert die politische Zusammenarbeit zwischen der EU und Afrika? Die EU steht in regelmäßigem Austausch mit den Staats- und Regierungschefs der afrikanischen Länder. Etwa alle drei Jahre findet ein Treffen zwischen der Afrikanischen Union (AU) und der EU statt. Dieser sogenannte EU-AU-Gipfel wurde 2007 ins Leben gerufen, um die Zusammenarbeit zwischen beiden Organisationen zu stärken. Das geschieht zum Beispiel durch die Unterzeichnung gemeinsamer Abkommen oder die Festlegung einer gemeinsamen EU-Afrika-Strategie. Der letzte EU-AU-Gipfel fand 2017 in Abidjan in der Republik Côte d’Ivoire statt.

Die Afrikanische Union ist der wichtigste Zusammenschluss afrikanischer Staaten. Sie wurde 2002 gegründet und hat ihren Sitz ist der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Sie hat 55 Mitglieder und umfasst somit den gesamten afrikanischen Kontinent. Die AU setzt sich für die politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenarbeit in Afrika ein.

Warum ist die Zusammenarbeit zwischen der EU und Afrika so wichtig? Aufgrund der geografischen, geschichtlichen und kulturellen Nähe sind die Europäische Union und die Staaten Afrikas füreinander wichtige Partner. Besonders hervorzuheben sind die wirtschaftlichen Verbindungen: Die EU ist der wichtigste Handelspartner Afrikas. Insgesamt belief sich 2019 der Wert aller gehandelten Waren zwischen Afrika und der EU auf rund 282 Milliarden Euro. Ein Viertel aller afrikanischen Importe kommt aus der EU. Das entspricht einem Wert von 145 Milliarden Euro. Umgekehrt gehen auch 26 Prozent aller afrikanischen Exporte – ein Warenwert von 136 Milliarden Euro – in die EU. Mit keinem anderen Staat auf der Welt betreibt Afrika so viel Handel wie mit der EU.

Welche Schwerpunkte setzt die EU-Afrika-Strategie? Die EU strebt eine noch engere Partnerschaft mit Afrika an. Klimawandel, nachhaltige Entwicklung, Digitalisierung, Frieden und Sicherheit sowie Migration werden thematische Schwerpunkte der neuen Strategie sein. In diesen fünf Feldern liegt daher auch der Schwerpunkt der geplanten EU-Afrika-Strategie, die auf dem nächsten EU-AU-Gipfel verabschiedet werden soll. Der Vorläufer stammt aus dem Jahr 2007.

Am 9. Dezember nimmt Bundeskanzlerin Angela Merkel an einem verkleinerten, virtuellen  EU-Afrika-Treffen teil: Auf Einladung von Charles Michel, dem Präsidenten des Europäischen Rates, tauschen sich Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der Hohe Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell mit Vertretern der Afrikanischen Union aus. Da der ursprünglich geplante EU-AU Gipfel pandemiebedingt vorerst nicht stattfinden kann, ist dies ein kleineres Zwischentreffen.

Welche Abkommen gibt es auf wirtschaftlicher Ebene zwischen Afrika und der EU? Vor Kurzem einigten sich die EU und Staaten in Afrika, der Karibik und dem Pazifik – auch AKP-Staaten genannt – auf ein neues Partnerschaftsabkommen, das an die Stelle des Cotonou-Abkommens treten wird. Das sogenannte Post-Cotonou-Abkommen soll vor allem der Armutsbekämpfung und nachhaltiger Entwicklung sowie einer engeren Zusammenarbeit bei Migration, Klimaschutz und Bildung dienen. Zu den 79 AKP-Ländern gehören 48 afrikanische Länder südlich der Sahara.

Wie unterstützt die EU Afrika bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie? Die EU hat vielfältige Maßnahmen ergriffen, um Partnerländer bei der Pandemiebekämpfung zu unterstützen. Im Rahmen des EU-Programms „Team Europe“ stellen die EU-Institutionen und Mitgliedstaaten Mittel in Höhe von 36 Milliarden Euro für besonders gefährdete Partnerländer im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie zur Verfügung. Davon gehen rund zehn Milliarden an die afrikanischen Partnerländer. Dank der „Team Europe“-Initiative konnten zum Beispiel im August etwa eine halbe Million Corona-Tests nach Afrika gesendet werden.

Auch ist die Europäische Union einer der führenden Geber, um weltweit einen fairen Zugang zu erschwinglichen COVID-19-Impfstoffen zu ermöglichen. Hiervon werden auch viele Länder Afrikas profitieren. (Bundesregierung)