Wahl des 30. ,,Unworts des Jahres“ – danke an die Juroren für das inhumane, zynische ,,Rückführungspatenschaften“!

Unwort-Paar des Jahres 2020: ,,Rückführungspatenschaften“ & ,,Corona-Diktatur“: Das Jahr 2020 ist in bisher kaum gekannter Weise von einem einzigen Thema geprägt worden, der Corona-Pandemie. Dadurch war auch der öffentliche Diskurs lange Zeit auf dieses eine Thema konzentriert. Mit der erstmaligen Wahl eines Unwort-Paares nimmt die Jury Rücksicht darauf, dass dieses Thema in der Öffentlichkeit wie in den Unwort-Einsendungen dominierte.  Sie macht aber zugleich darauf aufmerksam, dass auch in anderen Themenbereichen weiterhin inhumane und unangemessene Wôrter geprägt und verwendet werden. Ais Unworter des Jahres 2020 wurden daher „Rückführungspatenschaften“ und ,,Corona-Diktatur“ gewählt.

Mit dieser Doppelwahl will die Jury zudem erneut verdeutlichen, dass die ,,Unwort-Wahl“ keineswegs als Zensurversuch zu verstehen ist, wie ihr gelegentlich unterstellt wurde, sondern als Anlass zur Diskussion über den öffentlichen Sprachgebrauch und seine Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben.

Mit ,,Rückführungspatenschaften“ (41x vorgeschlagen) wurde im September 2020 von der EU-Kommission ein neuer Mechanismus der Migrationspolitik bezeichnet: Die EU-Staaten, die sich weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, sollen ihrer ,,Solidarität“ mit den anderen Mitgliedern der EU dadurch gerecht werden, dass sie die Verantwortung für die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber übernehmen. Dies als ,,Rückführungspatenschaften“ zu bezeichnen, hält die Jury für zynisch und beschönigend: Der ursprünglich christlich geprägte, positive Begriff der Patenschaft steht für Verantwortungsübernahme und Unterstützung im lnteresse von Hilfsbedürftigen. ln der Zusammensetzung mit dem – ebenfalls beschönigend für ,,Abschiebung“ gebrauchten – Wort ,,Rückführung“ wird suggeriert, ,,dass Abschieben eine gute menschliche Tat“ sei (Zitat aus einer Einsendung) sei. (www.unwortdesjahres.net)