Wahlen im Sudan: „Wirtschaftliche Zusammenarbeit kann nur in einem politisch stabilen und friedlichen Land funktionieren“

Wahlen im Sudan: „Wirtschaftliche Zusammenarbeit kann nur in einem politisch stabilen und friedlichen Land funktionieren“

Seit gestern werden im Sudan drei Tage lang ein neues Parlament und ein neuer Präsident gewählt. Es sind die ersten Wahlen seit der Unabhängigkeit des Südens vor vier Jahren und erst die zweiten, seitdem Omar al-Baschir von der Nationalen Congress Partei (NCP) sich 1989 an die Macht putschte. Sowohl der Langzeit-Präsident als auch Herausforderer Muhammad al-Hassan streben eine Aufhebung der US-Sanktionen an. Verhandeln wird die aber wohl der Amtsinhaber, denn Beobachtern zufolge steht sein Sieg außer Zweifel. Zumal die chronisch unterdrückte Opposition die Wahlen boykottiert.

„Der Sudan ist ein sehr reiches Land. Durch die langjährigen Unruhen lebt die Mehrzahl der Sudanesen aber in Armut“, sagte Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft. „Die Wahlen sollten zumindest friedlich verlaufen und für Stabilität sorgen“, fügte er hinzu. Frieden und politische Stabilität seien Grundvoraussetzungen für Investitionen und Entwicklung. „Erneute Gewaltausbrüche könnten das Wachstum des Landes gefährden“, sagte Liebing. Investoren kämen nur dann, wenn die Menschenrechtsverletzungen im Land konsequent aufhörten.

Der Sudan ist reich an Rohstoffen wie Öl, Gold oder Wasser und verfügt über ein Zehntel aller weltweit verfügbaren Ackerlandreserven. „Gewalt und internationale Sanktionen schrecken aber viele – auch deutsche – Investoren ab“, so Liebing. Dabei seien besonders deutsche Firmen gefragt. Sie sollen in den Bergbau investieren, in die Landwirtschaft und das Bankwesen. „Das Potenzial und die Möglichkeiten für deutsche Unternehmen sind groß, aber eine gute wirtschaftliche Zusammenarbeit kann nur in einem politisch stabilen und friedlichen Land funktionieren“ mahnt Stefan Liebing.

Der deutsch-sudanesische Handel entwickelte sich in den vergangenen Jahren schwankend. 2014 ist der Import aus dem Sudan um 11,5 Prozent auf 16,8 Mio. Euro gestiegen, wohingegen der Export deutscher Produkte um 29,8 Prozent auf 147,6 Mio. Euro gesunken ist.

Erst kürzlich haben sich die Nil-Anrainerstaaten Sudan, Ägypten und Äthiopien auf ein Abkommen zum Bau des Renaissance-Staudamms geeinigt. „Diese neue Kooperation“ sei laut Liebing „ein wichtiger Schritt zu mehr Frieden in der krisengeschüttelten Region.“ (AV, Foto: irin)