Welt-Aids-Tag: ONE veröffentlicht vierten Aidsbericht – nur sechs afrikanische Staaten erfüllen Budgetzusage

ONE-AidsberichtHeute veröffentlichte ONE ihren vierten Aids-Bericht, der die Fortschritte und Herausforderungen im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit nachvollzieht. ONE ist eine internationale Lobby- und Kampagnenorganisation, die sich mit Unterstützung von mehr als 7 Millionen Menschen aktiv für das Ende extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten in Afrika einsetzt. Ihr Befund: In Politik und Gesellschaft hat sich ein gefährliches Maß an Selbstzufriedenheit eingeschlichen, obwohl die Welt sich gerade jetzt stärker gegen die Krankheit stemmen müsste.

Wenn die Investitionen deutlich gesteigert und die Programme gegen die Krankheit noch zielgerichteter gestalten werden, können wir das Ende der Aids-Epidemie bis 2030 erreichen. Doch wenn die Anstrengungen stagnieren, werden erreichte Erfolge vernichtet und die Epidemie wieder wie früher wüten.

Die wichtigsten Erkenntnisse des diesjährigen Berichtes in Kürze (der gesamte Bericht kann HIER heruntergeladen werden):

  • 37 Millionen Menschen weltweit sind HIV-positiv; fast 60 Prozent von ihnen fehlt der Zugang zu lebensrettenden Aids-Medikamenten. Deswegen sind allein vergangenes Jahr 1,2 Millionen Aids-bedingte Todesfälle zu beklagen –  die meisten davon in Afrika südlich der Sahara.
  • Die Gebermittel für Aids sind vergangenes Jahr nicht gestiegen; der Bericht beinhaltet individuelle Profile der 14 führenden Geber im Kampf gegen Aids.
  • Das wichtigste Signal im kommenden Jahr, welchen Stellenwert die Weltgemeinschaft dem Kampf gegen Aids beimisst, ist die Wiederauffüllung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, TB und Malaria. Die Staats- und Regierungschefs müssen es schaffen, den kompletten Finanzbedarf des Fonds zu decken. ONE-Schätzungen zufolge liegt dieser bei 13,5 Milliarden US-Dollar. Es müssen nicht nur die größten Geber ihre Beiträge erhöhen; auch neue Geber müssen ihr Engagement deutlich steigern.
  • Für Deutschland fordert der Bericht, den Beitrag für den Globalen Fonds auf 400 Millionen Euro jährlich aufzustocken.
  • Obwohl alle afrikanischen Staats- und Regierungschefs versprochen haben, 15 Prozent ihrer nationalen Haushalte für Gesundheit aufzuwenden, erfüllen derzeit nur sechs Staaten diese Zusage. Gäben die anderen afrikanischen Staaten nur ein Prozent mehr für Gesundheitsprogramme aus und investierten wiederum nur ein Fünftel dieser Aufstockung in ihre Aidsprogramme, würde dies ausreichen, um mehr als sieben Millionen Menschen mit lebensrettenden Aids-Medikamenten zu versorgen.
  • Die Weltgemeinschaft unternimmt nicht genug, um marginalisierte Gruppen zu erreichen. Soziale und rechtliche Barrieren für Homosexuelle und Transgender erhöhen ihr Risiko sich mit HIV zu infizieren und erschweren den Zugang zu Tests und Behandlung. Obwohl Frauen und Mädchen sozialen und wirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt sind, die ihr Ansteckungsrisiko erhöhen, werden sie bei der Programmgestaltung oft außen vor gelassen. (ONE)