Welt-Aids-Tag: Rückschritte durch Corona-Pandemie – Testrückgang insbesondere in Ost- und Südafrika

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In einem am 26. November veröffentlichten UNAIDS-Bericht wird deutlich, dass es seit Beginn der Corona-Krise im März einen großen und anhaltenden Rückgang der HIV-Tests gegeben hat. Besonders betroffen sind Länder in Ost- und Südafrika. Darauf macht die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) anlässlich des Welt-Aids-Tages am Dienstag, den 1. Dezember, mit großer Besorgnis aufmerksam.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass die Eindämmung von HIV und Aids auf das Abstellgleis gerät“, sagt DSW-Geschäftsführer Jan Kreutzberg. „Die Corona-Krise hat die Bekämpfung von HIV bereits jetzt erkennbar verlangsamt – vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. In Uganda beispielsweise, wo wir selbst Projekte durchführen, hat sich die Zahl der durchgeführten HIV-Tests seit März verringert – im April um besorgniserregende 40 Prozent.“

Zudem hat die Corona-Pandemie die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern verschärft. „Wir erleben weltweit eine Zunahme geschlechtsbasierter und sexualisierter Gewalt, eine Zunahme unbeabsichtigter Schwangerschaften und auch eine Zunahme von HIV-Infektionen bei Mädchen und Frauen,“ sagt Kreutzberg. Auch ohne Corona sind junge Frauen in Subsahara Afrika besonders von HIV betroffen: Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren infizieren sich dort vier Mal häufiger mit HIV als ihre männlichen Altersgenossen.

Gesundheit und Rechte stärken

„Investitionen in die Gesundheit und Rechte von Mädchen und Frauen sind wichtiger denn je, um die Eindämmung von HIV und Aids in Zeiten von COVID-19 nicht aus den Augen zu verlieren. Die Corona-Krise ist ein Weckruf an Regierungen und die Zivilgesellschaft, unermüdlich daran zu arbeiten, grundlegende Gesundheitsversorgung für alle zu ermöglichen und Gleichberechtigung zu erreichen. Gerade die Länder, die hohe HIV-Raten aufweisen, sind meist Länder mit niedrigem Einkommen, die im weltweiten Vergleich besonders stark von der coronabedingten Wirtschaftskrise betroffen sind. Gerade deshalb sollte eine Wirtschaftsnation wie Deutschland ihrer globalen Verantwortung gegenüber diesen Ländern gerecht werden. Um insbesondere Mädchen und Frauen vor einer HIV-Infektion zu schützen, braucht es Präventionsmaßnahmen wie umfassende Sexualaufklärung, einen besseren Zugang zu Kondomen und einen höheren Schutz vor sexualisierter Gewalt“, erklärt DSW-Geschäftsführer Jan Kreutzberg.

Forschung und Entwicklung ausbauen

Laut einem aktuellen Bericht von UNAIDS werden neue und verbesserte Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente jetzt mehr denn je benötigt, um HIV und Aids einzudämmen. „Die COVID-19 Pandemie hat weltweit große Investitionen in Forschung und Entwicklung für dringend benötigte Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente zur Bekämpfung der Pandemie hervorgebracht. Ähnliche Anstrengungen sind dringend erforderlich, um die Forschung und Entwicklung wirksamer Medikamente und Medizinprodukte für die Aids-Behandlung und HIV-Prophylaxe weiterzuentwickeln“, sagt Kreutzberg.

Zahlen und Fakten zu HIV und AIDS

obs/Deutsche Stiftung Weltbevölkerung

–  2019 gab es 1,7 Mio. HIV-Neuinfektionen – 4.775 jeden Tag – weltweit, davon entfallen 64 Prozent auf Afrika südlich der Sahara. Somit infizieren sich weltweit jede Stunde knapp 200 Menschen mit HIV.

–  Jede Woche infizieren sich weltweit 5.500 junge Frauen zwischen 15 und 24 Jahren mit HIV. Das sind 785 Frauen pro Tag.

–  In Afrika südlich der Sahara treten vier von fünf HIV-Neuinfektionen bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren bei Mädchen auf. Für junge Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren ist das HIV-Infektionsrisiko doppelt so hoch wie für junge Männer.

–  Seit 2010 sind die Neuinfektionen mit HIV bei Erwachsenen um schätzungsweise 23 Prozent zurückgegangen, von 2,1 Millionen auf 1,7 Millionen im Jahr 2019.

–  Zwischen 2010 und 2018 sind weltweit die HIV-Neuinfektionen unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren um 25 Prozent zurückgegangen. (DSW)