Weltbank enttäuscht die Ärmsten im Kampf gegen Corona

Berlin, 16. Oktober 2020. Bei der derzeit stattfindenden Herbsttagung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) hat die Weltbank eine große Chance vertan, den ärmsten Ländern wirklich zu helfen, sagt die Entwicklungsorganisation ONE. Zwar ist das angekündigte Corona-Soforthilfepaket begrüßenswert – viel wichtiger wäre jedoch gewesen, den Entwicklungsländern einen Aufschub der Schuldenrückzahlungen bis mindestens Ende 2021 zu gewähren. Dadurch freiwerdende Mittel hätten die Entwicklungsländer dringend nötig, um sich gegen die Corona-Pandemie sowie die dadurch bedingte Wirtschaftskrise zu stemmen.

Clemens Schwanhold, politischer Referent bei ONE Deutschland, sagt: “Die ärmsten Länder dieser Welt befinden sich in einer Liquiditätskrise. Ihnen fehlt schlicht das Geld, um Gesundheitsmaßnahmen vor Ort zu finanzieren oder die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern und somit den Menschen direkt zu helfen. Gleichzeitig nehmen Schuldendienstleistungen einen enormen Teil ihrer Haushalte ein. Das Geld ist also bereits in den nationalen Haushalten eingespeist und wäre sofort dort einsetzbar, wo es wirklich gebraucht wird. Leider stellt sich die Weltbank hier in den Weg und beharrt trotz der globalen Ausnahmesituation stoisch auf Schuldenrückzahlungen. Das ist insofern bemerkenswert, als die Weltbank selber nicht müde wird zu betonen, wie wichtig Schuldenerleichterungen für Entwicklungsländer sind. Die Blockadehaltung der Weltbank ist lebensgefährlich für die Menschen, die am stärksten von Armut betroffen sind.“

Kurz vor der Herbsttagung hatten die G20-Staaten angekündigt, ihr Schuldenmoratorium für die ärmsten Länder der Welt bis Mitte 2021 auszuweiten. Hätte die Weltbank sich seit April an dem Schuldenmoratorium der G20 beteiligt, hätten den ärmsten Ländern bereits in den ersten fünf Monaten 1,4 Milliarden US-Dollar mehr zur Verfügung gestanden.

Die Kosten der Schulden-Blockade
ONE hat analysiert, dass Entwicklungsländer innerhalb der nächsten 15 Monate insgesamt 42 Milliarden US-Dollar an Schulden an internationale Gläubiger zurückzahlen müssen. Davon:

  • 7,96 Milliarden US-Dollar an bilaterale Gläubiger, wenn der bilaterale Schuldenstopp nicht bis in die zweite Hälfte des Jahres 2021 verlängert wird
  • 18,2 Milliarden US-Dollar an die multilateralen Banken, sofern sie sich nicht zu einem Schuldenmoratorium verpflichten
  • 15,8 Milliarden US-Dollar an private und nicht-offizielle Gläubiger, die sich bisher nicht auf Schuldenerleichterungen einlassen wollen