Welthungerhilfe stellt Welthunger-Index 2020 vor – Drei afrikanische Länder weisen höhere Hungerwerte auf als 2012!

Eine junge Frau, ihr Bruder und ihre Schwester sind ihrem Familienzelt umgeben von knietiefem Wasser in einem Flüchtlingscamp im Südsudan. © Welthungerhilfe

Bonn/Berlin, 12. Oktober 202019. Corona, Kriege, Klimawandel: Die Welt ist nicht auf Kurs, den Hunger bis 2030 zu besiegen: Bereits vor der Covid-19 Pandemie litten die Menschen in mehr als 50 Ländern unter Hunger und Unterernährung. Die Fortschritte bei der weltweiten Hungerbekämpfung sind in Folge von Ungleichheit, Konflikten, Vertreibung und Klimawandel viel zu gering, um das verbindliche Ziel „Zero Hunger“ bis 2030 zu erreichen.

Dies zeigt der neue Welthunger-Index, der die Ernährungslage in 107 Ländern berechnet. 14 Länder weisen heute höhere Hungerwerte auf als noch 2012. Dazu gehören u.a. Kenia, Madagaskar Venezuela und Mosambik. Die Welthungerhilfe macht deutlich, dass die COVID-19 Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen die Ernährungsunsicherheit von Millionen Menschen verschärfen. Die Zahl der Hungernden ist weltweit auf derzeit 690 Millionen Menschen gestiegen. Daher begrüßt die Welthungerhilfe ausdrücklich, dass mit dem Friedensnobelpreis für das Welternährungsprogramm der Kampf gegen den Hunger als zentrale Herausforderung der Weltgemeinschaft anerkannt wird.

„Schon vor dem Ausbruch der COVID-19 Pandemie war die Hungersituation insbesondere in Afrika südlich der Sahara und Südasien alarmierend. Die Menschen leiden unter einer Vielzahl von Krisen durch Kriege, Dürren, Überschwemmungen, Heuschreckenplagen. COVID-19 wirkt wie ein Brandbeschleuniger. Armut und Hunger werden nach allen Prognosen stark zunehmen und der Klimawandel verschlimmert die schwierige Lage der Menschen zusätzlich.

Wir brauchen eine Ausweitung der sozialen Sicherungssysteme in den betroffenen Ländern, damit sich Armut und Hunger nicht weiter verschärfen. Außerdem müssen wir unsere Ernährungssysteme so verändern, dass sie gerechter und widerstandsfähiger sind. Wenn wir bei der Hungerbekämpfung weiter so machen wie bisher, werden es 37 Länder bis 2030 nicht schaffen, ein niedriges Hungerniveau zu erreichen. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an das Welternährungsprogramm ist ein Ansporn, für die Abschaffung des Hungers zu kämpfen und den betroffenen Menschen eine Stimme zu geben“, betont Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe. (Welthungerhilfe)

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Zur Veröffentlichung des Welthungerindexs erklärt der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. forest Christoph Hoffmann MdB:

„Die Welthungerhilfe warnt, dass durch die Corona-Pandemie Hunger stark zunehmen wird. Ein Appell an die Staaten aktiv zu werden. Ein wichtiges Instrument dabei könnte das Global Agriculture and Food Security Program sein. Konkrete Zahlen der Zuwendung gibt es noch nicht. Fast zynisch ist die Antwort des Ministeriums, dass aufgrund der Corona-Pandemie Veranstaltungen zur Werbung der Wiederauffüllung des Fonds mit BMZ-Leitungsabteilungen abgesagt wurden. Minister Müller forderte lediglich in persönlichen Briefen um Unterstützung. In dem Antwortschreiben wurden konkrete Beiträge nur in Aussicht gestellt, zum Teil wurde eine weitere Beteiligung in den kommenden Jahren zugesagt. Hier braucht es mehr Engagement der Bundesregierung und Solidarität der Staatengemeinschaft. Zusätzlich muss den Entwicklungs- und Schwellenländern geholfen werden, indem Lieferketten wieder hergestellt werden und die pauschale Reisewarnung für Afrika aufgehoben wird.“