WHO-Regionaldirektorin für Afrika: „Malaria nicht mehr als Gesundheitsproblem sehen, sondern als Bedrohung für die sozioökonomische Entwicklung“

Botschaft von Dr. Matshidiso Moeti, WHO-Regionaldirektorin für Afrika, zum Welt-Malaria-Tag 2021: „Heute ist Welt-Malaria-Tag 2021, und wir trauern um die 384.000 vermeidbaren Malaria-Todesfälle in der WHO-Region Afrika im Jahr 2020. Im Jahr 2019 entfielen 94% der 229 Millionen Fälle und 409 000 Todesfälle, die weltweit auf Malaria zurückzuführen sind, auf die afrikanische Region der WHO. Und das trotz erheblicher Fortschritte bei der Bekämpfung von Malaria in der Region.

Zwischen 2000 und 2019 sank die Malaria-Inzidenz um 29 % und die Todesfälle um 60 %. Mehr als 1,2 Milliarden Erkrankungen und 7,1 Millionen Todesfälle konnten in der Region verhindert werden. Cabo Verde behielt den 2018 erreichten malariafreien Status bei, Algerien wurde 2019 als malariafrei zertifiziert, während Botswana, Äthiopien, Gambia, Ghana, Namibia und Südafrika die für 2020 gesetzten Zwischenziele erreichten – die Malariainzidenz und -sterblichkeit um 40 % im Vergleich zu 2015 zu senken.

Allerdings haben 36 der 44 Malaria-endemischen Länder in der Region diese Meilensteine noch nicht erreicht. Insgesamt war die Region nicht auf dem Weg, die Zielwerte für Inzidenz und Mortalität von 37 % bzw. 25 % zu erreichen. Während die Malaria-Inzidenz in der Region zwischen 2000 und 2015 alle fünf Jahre um 9 % bis 10 % zurückgegangen ist, hat sie sich in den letzten fünf Jahren weiter auf unter 2 % verlangsamt.

Jedes Jahr, in dem wir zulassen, dass sich Malaria ausbreitet, merken wir, dass Gesundheit und Entwicklung darunter leiden. Malaria kostet Afrika jedes Jahr durchschnittlich 1,3 Prozentpunkte des Wirtschaftswachstums. Malariabedingte Fehlzeiten und daraus resultierende Produktivitätsverluste kosten Nigeria beispielsweise jährlich fast 1,1 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2003 kostete Malaria Uganda schätzungsweise 11 Mio. US$ an Bruttoinlandsprodukt. In Kenia gehen jedes Jahr etwa 170 Millionen Arbeitstage und 11 Prozent der Grundschultage durch Malaria verloren.

Um dieser Situation zu begegnen, muss noch mehr getan werden, um gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu helfen. Im Jahr 2019 besaß einer von drei gefährdeten Haushalten kein mit Insektiziden behandeltes Netz (ITN) und 48 % der Kinder unter fünf Jahren schliefen nicht unter einem ITN. Von den Kindern, die mit Fieber eine Gesundheitseinrichtung aufsuchten, wurden 31 % nicht auf Malaria getestet, entgegen der WHO-Empfehlung, dass alle Fieberfälle in endemischen Gebieten getestet werden sollten.

Zwei von drei schwangeren Frauen erhielten nicht drei oder mehr Dosen der intermittierenden präventiven Behandlung. Ohne diesen Schutz wurden in 33 Ländern insgesamt 11,6 Millionen Fälle von Malaria bei Schwangeren und 822.000 Säuglinge mit niedrigem Geburtsgewicht gemeldet.

Neue Herausforderungen liegen vor uns, wie z.B. die zunehmende Resistenz der Vektoren gegen Insektizide in der Region. Dies könnte die Wirksamkeit von Maßnahmen wie mit Insektiziden behandelte Netze und das Besprühen von Innenräumen beeinträchtigen. Auch Resistenzen der Malariaparasiten gegen bestimmte Medikamente könnten die Behandlung der Krankheit sehr erschweren.

Genetische Mutationen des Malariaparasiten wurden kürzlich am Horn von Afrika entdeckt und können zu einer Zunahme fälschlich negativer Malariatestergebnisse führen.

Es besteht daher dringender Handlungsbedarf, um die Geißel der Malaria zu stoppen und dem globalen Ziel näher zu kommen, die Zahl der Malariafälle und Todesfälle bis 2030 um 90% zu reduzieren. Dazu gehören Investitionen in die Ausweitung des Zugangs zu Malariakontrollmaßnahmen für unterversorgte Gruppen wie Kinder und schwangere Frauen. Ein intelligenter Einsatz ist auch wichtig, um die Effektivität von Malariakontrollmitteln zu schützen, sowie Innovationen, um proaktiv auf erwartete Herausforderungen zu reagieren.

Wir sind zufrieden mit den Ergebnissen, die sich aus der Piloteinführung des RTS,S-Malaria-Impfstoffs ergeben. In 18 Monaten konnten in Ghana, Kenia und Malawi mehr als 1,7 Millionen Dosen des Impfstoffs ausgeliefert werden, eine mit anderen Impfstoffen vergleichbare Bevölkerungsabdeckung. Dies ist ein weiteres vielversprechendes Werkzeug in der Malaria-Prävention.

Bei der WHO arbeiten wir mit den Ländern daran, strategisch darüber nachzudenken, warum der Fortschritt in den letzten fünf Jahren ins Stocken geraten ist. Wir bitten die Akteure in jedem endemischen Land, sich zusammenzusetzen und die Fragen zu beantworten: „Was funktioniert? Was funktioniert nicht? Was kann anders gemacht werden, um die für 2030 gesetzten Ziele zu erreichen?“

Gemeinsam müssen wir dazu übergehen, Malaria nicht mehr als Gesundheitsproblem zu sehen, sondern als eine Bedrohung für die sozioökonomische Entwicklung, die eine sektorübergreifende Reaktion erfordert.

Durch eine gesamtgesellschaftliche Antwort auf die Malaria können wir gemeinsam dafür sorgen, dass die Gesellschaften, Volkswirtschaften und Menschen in Afrika wohlhabend werden.“ (APO/WHO-Regionalbüro für Afrika)