Wie stehen wir zur industriellen Entwicklung einzelner Länder Afrikas?

globe-europe-simpleFührt Beschleunigung in der Industrialisierung zu stabiler Wirtschaftsbasis? Das Werben für Investitionen auf dem chancenreichen afrikanischen Kontinent konnte nicht treffender als von Prof. Horst Köhler, Bundespräsident a.D. in seiner Rede Anfang Juli 2015 vor dem Hauptvorstand des VDMA erfolgen. Die Industrialisierung Afrikas und der Ausbau der Infrastrukturen bieten Chancen für die Unternehmen, besonders des Maschinenbaus und der Fertigungstechnologien, am Wachstum der Länder zu partizipieren. Das gibt Veranlassung hinzuweisen auf den „Internationalen Tag der Industrialisierung Afrikas 2015“. Dieser ist lt. UN Resolution 44/237 jährlich auf den 20. November festgelegt mit dem Ziel, das Engagement der internationalen Gemeinschaft für die Industrialisierung Afrikas zu mobilisieren.

Wenn auch ständig von dem am schnellsten wachsenden Kontinent gesprochen wird, mit steigenden Wachstumsgrößen bis 9 % p.a., finden wir ein differenziertes Entwicklungsgsniveau der einzelnen Länder. Unterentwickelte Infrastrukturen, klimatische Probleme und Hunger, hoher Bevölkerungszuwachs, Krisen und anhaltend ernsthafte Konflikte belasten eine schnellere Entwicklung. Die Schwächen in den staatlichen und rechtlichen Strukturen sind ein Haupthindernis in der Entwicklung der meisten Länder.

Was verstehen wir unter der Prämisse von der Beschleunigung der Industrialisierung Afrikas?
Die eigenen Geschichten jedes Landes, dessen Strukturen erfordern eigene Entwicklungsstrategien für eine Industriepolitik im Rahmen größtmöglicher Eigenständigkeit.

Wenn auch im globalen Wettbewerb für Afrika hohe Herausforderungen gesetzt sind, ist anzuraten, sich auf kleinere wirtschaftliche Einheiten und Produktionen zu konzentrieren und nachhaltig zu entwickeln.

Die “ Manufacturing Industry“, die auch den Agrarsektor der Länder mit umfasst, steht im Mittelpunkt eines wirtschaftlichen Ausbaus, um damit besonders der Jugend eine breitere Ausbildungs- und Existenzbasis zu bieten.

Der aufstrebende Mittelstand wird als progressiver Konsument herausgestellt und bietet interessante Chancen für die deutsche mittelständische Wirtschaft mehr Mut zu zeigen für Investitionen und Kooperationen in den afrikanischen Ländern.

Regionale Integrationskomplexe auf dem Kontinent
Das erreichte wirtschaftliche Niveau in den Ländern führt zur Erkenntnis, dass sich ein Land allein, isoliert von anderen, nicht den globalen Anforderungen entsprechend entwickeln kann. Umso wichtiger sind Kooperationen und grenzübergreifende Integrationsmaßnahmen auf dem Kontinent.

Sehen wir auf einige Beispiele in größeren Dimensionen für bereits bekannte spektakuläre transkontinentale Infrastrukturprojekte, die komplexe Lösungen erforderlich machen. Es sind Bahnsysteme über den Kontinent hinweg, Hafen- und Straßenprojekte sowie Objekte der Energie- und Wasserwirtschaft. Im Fokus stehen sollte das bereits von der NEPAD-Organisation erörterte Wüstenprojekt „ Green Wall“ in der Sahelzone. Scheint im Sahara-Sand verschwunden?!

Ausweitung der IT-Kommunikation
Alle afrikanischen Länder befinden sich mehr oder weniger in einem industriellen Aufholprozess. Dieser wird nunmehr ergänzt durch das IT-Zeitalter.

Die bisher erreichte flächendeckende Internet- und Telefon-Infrastruktur ist beeindruckend und bietet für die Entwicklung in den afrikanischen Ländern einen hoch effektiven Auftrieb in der Kommunikation. Auch die in Afrika an Bedeutung erlangende und gewachsene Start-up-Szene ist zukunftsträchtig, besonders in der geschäftlichen Kommunikation zwischen den Partnern über die Ländergrenzen hinaus. Jedoch sind darin Grenzen gesetzt, wenn es um Finanzierung geht.

Aber fest steht, auf die Entwicklungsprozesse für den klassischen Ausbau der Industrialisierungsbasis ist nicht zu verzichten. Die aus der materiellen Produktion erwirtschaftete Wertschöpfungsbasis führt zur notwendigen Stabilität für jeden Staat. Im Mittelpunkt der Investitionspolitik der Länder stehen die Finanzierungslösungen. Entscheidend ist, dass die Regierungen energisch gegen die Kapitalflucht aus den Ländern ankämpfen. Laut Berechnungen der Wirtschaftskommission Afrika (ECA) fließen Jahr für Jahr über 50 Mrd. US$ vom Kontinent. Diese Tatsache verpflichtet die Regierungen zum Aufbau stabiler Steuersysteme, um damit u.a. in die Steuergewinne der Industriestaaten einzugreifen.

Es liegt schließlich in den Händen der Politiker und Eliten der afrikanischen Länder selbst, mit ihrer zielgerichteten Wirtschaftsstrategie für die Entwicklungsprozesse intensiven Nutzen zu ziehen aus dem Know how, den Technologien und Ausrüstungen, die europäische und nicht zuletzt deutsche Partner anbieten.

Abschließend das von Prof. Köhler gezogene Fazit zum Afrika -Engagement: „Wer also in Afrika wirtschaftlichen Erfolg haben will, tut gut daran, sich afrikanische Partner zu suchen und selbst ein guter Partner zu sein“. Im Hinblick auf den „Tag der Industrialisierung Afrikas“ sei eine Empfehlung erlaubt an die SAFRI und den BDI, dieser Thematik Raum zu bieten im Rahmen des stattfindenden „German-African Business Summit“ am 7. + 8.Sept. 2015 in Berlin.

EckertDipl.oec. Gerd Eckert, Berlin