Zentralafrika: 19 Gemeinden verurteilen Naturschützer wegen Vertreibung und Gewalt – mit Video

 

Ndoye, eine Baka-Frau aus Kamerun. Berichten zufolge sind allein ihr ihrer Gemeinden fünf Menschen durch WWF-finanzierte Wildhüter-Einheiten getötet worden.
Ndoye, eine Baka-Frau aus Kamerun. Berichten zufolge sind allein in ihrer Gemeinde fünf Menschen durch WWF-finanzierte Wildhüter-Einheiten getötet worden.

19 „Pygmäen“-Gemeinden haben Naturschutzprojekte auf ihrem angestammten Land im zentralen Afrika scharf kritisiert. Elf der Gemeinden haben von Naturschützer*innen einen Finanzierungsstopp für Anti-Wilderei-Einheiten gefordert, die für Misshandlungen verantwortlich sind. Der Worldwide Fund for Nature (WWF) und die Wildlife Conservation Society (WCS) – zwei der weltweit größten Naturschutzorganisationen – haben die Gründung von Schutzgebieten in der Region unterstützt, aus denen indigene Völker illegal vertrieben wurden.

Erst vor wenigen Tagen eröffnete die OECD in einem beispiellosen Schritt ein Verfahren gegen den WWF, um dem Vorwurf von Menschenrechtsverletzungen in Kamerun nachzugehen.

Durch Naturschutzprojekte in Kamerun, dem Kongo und der Zentralafrikanischen Republik sind die Baka- und Bayaka-„Pygmäen“ sowie ihre Nachbarn schon seit Jahren Gewalt, Einschüchterung und Misshandlungen ausgesetzt. Doch die Organisationen hinter den Projekten, darunter WWF und WCS, finanzieren die Einheiten noch immer.

In einem Brief erklärten Angehörige der Baka: „Wie sollen wir in dieser Welt überleben? An alle, die diesen Menschen Geld geben: Wollt ihr, dass sie uns töten? Wir führen kein gutes Leben mehr.“ Bayaka aus dem Dorf Socambo erklärten: „Trotz des Geldes, das ihr zum Schutz des Waldes gebt, profitieren wir nicht. Unsere Ahnen lebten sehr gut in diesem Wald. (…) Bitte denkt an uns arme indigene Menschen, die den Wald nutzen. Wir haben genug davon, dass der Wald durch diese Projekte [von uns] getrennt wurde.“ Bayaka aus dem Dorf Mossapoula erklärten: „Wir (…) leiden sehr aufgrund des Naturschutzes. Die Wildhüter bedrohen uns, stehlen unsere Sachen, sogar außerhalb des Parks. Und doch haben wir das Recht den Park zu betreten. Wir bitten euch nach Mossapoula zu kommen, um unsere Probleme anzuhören und unsere Zustimmung einzuholen, bevor ihr weiter Geld gebt.“

Ein Anführer der Bakwele aus Ndongo erklärte: „Der WWF kommt seit 1996 hierher. Wir waren sehr glücklich. Aber jetzt werden wir auf alle möglichen Weisen ausgegrenzt und schikaniert. (…) Wir leben hier wirklich nur noch von Reis. (…) Ihre Bevollmächtigten sind sehr sehr heftig mit ihrer Aggression und wir wollen nicht, dass sie weiterhin hierherkommen.“ „Kurzum, an die Geldgeber: Wenn Sie irgendwelche Projekte haben, kommen Sie selbst hierher. Ich wiederhole. Ihre Bevollmächtigten sind hier nicht wegen der Arbeit, sondern wegen der Korruption. Die Wildhüter sind die echten Wilderer geworden. Sie respektierten die Grenzen des Parks nicht mehr. Wir haben keinen Zugang mehr zum Park.“

Den „Pygmäen“ drohen Festnahmen, Schläge, Folter und Tod, während bezahlte Großwildjagd gefördert wird. Indigene Völker werden illegal von großen Teilen ihres angestammten Landes vertrieben und müssen in Lagern am Straßenrand leben, wo sie unter Armut und Krankheiten leiden – während der WWF und WCS mit Abholzungsunternehmen wie Rougier, CIB and SINFOCAM Partnerschaften eingehen.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: „Wie diese kraftvollen Aussagen der Menschen zeigen, ist Naturschutz im Kongobecken für indigene Völker tödlich. Aus ihrer Sicht haben der WWF und WCS ihr Land genommen, ihre Rechte ignoriert und finanzieren noch immer ihre Peiniger. WWF und WCS haben die besten Verbündeten des Naturschutzes zu seinen Opfern gemacht. Die großen Naturschutzorganisationen müssen beginnen, auf indigene Völker zu hören.“ (survival, Text + Foto)

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