Zu unserem Weg nach Afrika – Chinas großer Sprung nach Afrika auf der neuen Seidenstraße

Zu unserem Weg nach Afrika - Chinas großer Sprung nach Afrika auf der neuen SeidenstraßeEine Analyse von Diploec. Gerd Eckert: Mit den Afrikareisen von Bundeskanzlerin Dr. Merkel und Minister Dr. Müller im August 2018 wurden von deutscher Seite weitere deutliche Zeichen gesetzt mit Maßnahmen in der Umsetzung der zum G 20-Gipfel 2017 gefassten Initiative „Compact with Africa“. Auf dem Weg zu einer neuen Partnerschaft lagen im Focus Maßnahmen zur Fluchtursachenbekämpfung, die für die meisten afrikanischen Länder hoch aktuell geworden sind und eine intensive internationale Unterstützung  erfordern.

Wenn wir immer wieder vom Aufbruch auf dem Kontinent sprechen, sehen wir die Herausforderung. „Afrika muss auch leisten“! Herausforderung dafür sind umfassende Strukturmaßnahmen der Länder, mit denen Eigenleistung und Verantwortung von Politik und Eliten auch eine sichere Basis bieten für eine intensivere Entwicklungszusammenarbeit mit der deutschen Wirtschaft. Erkennen wir mehr denn je die Chancen auf diesen Märkten und engagieren uns!

China auf der Seidenstraße
Umso bedeutender ist hier darauf zu verweisen, dass unmittelbar nach dem deutschen Besuch in Westafrika, das China-Afrika Forum – ein Mammut-Gipfel in Peking – stattfand mit den Führern fast aller afrikanischen Länder. Das angebotene 60 Milliarden Dollar Entwicklungspaket für einen Drei-Jahres Aktionsplan übertrifft den Level anderer Investoren für Afrika.  Unbedingt zu bemerken ist, dass für Europa der Weg nach Afrika doch geographisch geprägt ist durch die kurze Distanz über das Mittelmeer, während  der chinesische Präsident XI auf dem Forum  den großen Sprung nach Afrika mit der neuen Seidenstraße proklamierte. Er nannte Afrika als eine Plattform für den Ausbau der neuen Seidenstraße und ihrer riesigen Wirtschaftskorridore. Das zielt auf außerordentliche Visionen, für die bisher von China in einer Reihe afrikanischer Länder große Projekte errichtet wurden, und Afrika sucht konstruktive Kooperationen mit China.

Sehen wir nach Ghana. Präsident Akufo Addo ließ verlauten, wir werden versuchen, Chinas Entwicklungsmodell zu relegieren. Dazu wurden in Peking im Rahmen der bilateralen Gespräche acht Kooperationsvereinbarungen und Memos geschlossen. (z.B. zur friedlichen Nutzung der Nuklearenergie, Finanz- und Versicherungs-Kooperationen, spezielle Projekte im Gesundheitswesen, als auch Fahrzeugausstattung der Polizei.)

Zum deutschen Engagement in Ghana
Positiv belegt werden kann, dass im Rahmen der Reformpartnerschaft schon im November 2017 anlässlich des Besuchs von Bundespräsident Steinmeier konkrete Vereinbarungen im Bereich erneuerbare Energien und für Ausbildung geschlossen wurden. Fortgesetzt hat sich das jetzt beim Kanzlerbesuch mit dem VW-Projekt für einen künftigen Fahrzeugbau in Ghana, mit Siemens zum Bau von 2 Kraftwerken und einem Investment von 1 Milliarde €, als auch mit der Medizintechnik Braun – zu werten als Hauptprojekte. Priorität haben Ausbildungsmaßnahmen für die Jugend. Hierzu hat sich nach der Reise der VDMA zur beruflichen Bildung großartig erklärt und hervorgehoben, dass der Maschinenbau den Aufbau nachhaltiger Wirtschaftsstrukturen unterstützt. Und zur Infrastruktur? Nicht erfahrbar war, welche Interessen von deutscher Seite z.B. für die Rekonstruktion und den Ausbau der Eisenbahn in Ghana und Anliegerstaaten bekundet wurden bzw. von ghanaischer Seite erwartet wurden? Überlassen wir das Gebiet den Chinesen?!

Eine interessante Form im ghanaischen Entwicklungsprozess ist die 2017 vom Präsidenten ausgerufene Industrialisierungsinitiative: „One District-One Factory“ (1D1F) bezogen auf die 216 Distrikte im Lande.  Dazu die Frage: wurden für diesen Bereich von der Wirtschaftsdelegation Kontakte aufgenommen zu Entwicklungsprojekten?  Denn dort liegen Möglichkeiten des Mittelstandes mitzuwirken. Hierzu spreche ich insbesondere die Delegation der deutschen Wirtschaft in Accra an sich aktiv zur Vermittlung von Projekten an deutsche Unternehmen einzubringen. 

Die Agrarwirtshaft –ein Eckpfeiler der Entwicklung in Afrika
In diesem Rahmen wirtschaftlicher Zusammenarbeit steht die Agrarwirtschaft, die Ghana an vorderer Stelle sieht. Darin liegen gute Chancen für eine Mitwirkung an der Modernisierung und Produktivitätsverbesserung zur Existenzsicherung der Kleinbauern, zur Nahrungsmittelsicherung und Erweiterung der Exportgeschäfte. Wurde dazu verhandelt? Mir scheint, dass für diesen Bereich ein größeres Engagement notwendig ist, denn der Bayerkonzern und K&S sollten dort nicht einzige Partner sein. Ghana zielt auf größere Vorhaben! Zum Bespiel mit China, deren Partner die Errichtung eines Industrieparks anbieten, in Form eines „Greenhouse farming venture, der AGRITOP. Es soll einen Park von 20.000 ha Land umfassen mit einem Investment von $ 50 Millionen, speziell geplant für Gemüseanbau mit Verarbeitungsanlagen.

Bieten wir unsere Erfahrungen für das Projekt eines Industrie-Agrarparks in Ghana an!
Analog solcher Entwicklungsvorhaben in Ghana, sollte es zu ernsthaften Überlegungen unserer Wirtschaftsexperten, speziell der Agrarwirtschaft kommen, unterstützt von unserer Regierung, um Interesse zu wecken für Investitionen durch produktive Wirtschaftseinheiten unseres Landes und unter Mitwirkung von wissenschaftlichen Einrichtungen. Damit verbunden sind Bemühungen notwendig, um vor Ort potenzielle Partner zu finden und zu interessieren. Oft Geschriebenes: „deutsche Unternehmen hoffen auf neuen Boom in Afrika“. Das sollte nicht nur bewertet werden aus den veröffentlichten positiven Wachstumsraten für die einzelnen Länder. Nein, an der Basis finden wir die Realität der Verhältnisse, die eine schnellere Entwicklung erfordern. Umso mehr sind Eigeninitiativen auf dem Weg nach Afrika notwendig!