Ceuta: Spanischer Polizeibericht entlastet Algerien – Hinweise führen nach Marokko

Nach der massenhaften Einreise von Migranten nach Ceuta Ende Juli hatten spanische und marokkanische Medien über eine mögliche Beteiligung Algeriens spekuliert. Als Beleg dienten unter anderem Telefonnummern mit algerischer Vorwahl, die in Gruppen zur Mobilisierung der Migranten aufgetaucht waren. Der offizielle Bericht des spanischen Nationalen Zentrums für Einwanderung und Grenzen (CENIF) bestätigt diese Vorwürfe jedoch nicht.

Die These einer „algerischen Hand“ geht vor allem auf eine private Studie des spanischen Sicherheitsanalysten José María Gil Garre zurück. Er hatte Aktivitäten auf TikTok, Facebook, Instagram, X und WhatsApp untersucht. Medien wie die spanische Zeitung La Razón und das regierungsnahe marokkanische Portal Le360 griffen die Ergebnisse auf. Eine Telefonnummer mit der algerischen Vorwahl +213 wurde dabei teilweise sogar als digitale Kommandozentrale der Aktion dargestellt.

Polizei übernimmt Algerien-These nicht

Im CENIF-Bericht wird die angebliche Beteiligung Algeriens dagegen ausdrücklich im Zusammenhang mit politischen und medialen Gegennarrativen nach der Krise behandelt. Die Ermittler machen sich die These einer algerischen Einmischung nicht zu eigen.

Auch die Zahlen sprechen gegen eine besondere Rolle Algeriens: 90,8 Prozent der Telefonnummern in den untersuchten Mobilisierungsgruppen hatten eine marokkanische Vorwahl. Nur 9,2 Prozent waren ausländische Nummern. Algerische Anschlüsse machten auf die gesamte Stichprobe bezogen lediglich rund 2,7 Prozent aus.

Weitere Telefonnummern stammten unter anderem aus Ägypten, Spanien, Jemen, Frankreich, Deutschland, Tunesien, Libyen, Sudan, Senegal, Nigeria, Ghana, der Türkei, Großbritannien und Kanada. Nach Einschätzung der Ermittler lässt sich allein aus einer ausländischen Vorwahl weder die Beteiligung eines Staates noch eine aus diesem Land gesteuerte Operation ableiten.

Organisatoren bleiben unbekannt

Gleichzeitig geht das CENIF davon aus, dass die massenhafte Einreise nach Ceuta nicht vollständig spontan erfolgte. Die Mobilisierung sei über soziale Netzwerke vorbereitet, in mehreren Phasen organisiert und vor Ort koordiniert worden.

Wer hinter der strategischen Planung stand, konnten die Ermittler allerdings nicht feststellen. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums gibt es keine ausreichenden Erkenntnisse, um die Beteiligung „einer Regierung, eines Dienstes, einer Agentur oder einer Person“ nachzuweisen. Damit bleibt die eigentliche Führung der Aktion unbekannt.

Auffälligkeiten auf marokkanischer Seite

Konkrete Hinweise enthält der Bericht dagegen zu den Vorgängen auf der marokkanischen Seite der Grenze. Das CENIF hebt die ungewöhnlich geringe Präsenz marokkanischer Sicherheitskräfte rund um Fnideq am 30. Juli hervor.

Nach Aussagen von Migranten und der Auswertung öffentlich zugänglicher Videos sollen uniformierte Kräfte Menschen in Richtung Wasser gewiesen haben. Männer in Zivil hätten offenbar Bewegungen beobachtet oder koordiniert. Der Bericht spricht in diesem Zusammenhang von einer „aktiven Lenkung“ der Menschenmenge.

Besonders auffällig ist für die Ermittler der Vergleich mit dem 15. August: Als erneut über soziale Netzwerke zu einem Grenzübertritt mobilisiert wurde, rückten die marokkanischen Behörden mit einem starken Sicherheitsaufgebot an und verhinderten den Zugang zur Grenze.

Nach Einschätzung des CENIF zeigt dies, dass Marokko grundsätzlich über die Mittel verfügt, solche Massenbewegungen zu unterbinden, wenn diese eingesetzt werden.

(Quelle: afrik.com)