
Eine Werbung sorgt in Südafrika für heftige Kritik. Die Whiskymarke Glenlivet, die zum Pernod-Ricard-Konzern gehört, hat versucht, den 70. Jahrestag des historischen Frauenmarsches für einen Werbespot zu nutzen. Bei diesem Marsch hatten sich Tausende Südafrikanerinnen vor dem Regierungssitz in Pretoria versammelt, um sich dem Apartheidregime zu widersetzen. Nach der Veröffentlichung löste das Video jedoch sehr schnell eine Kontroverse aus, berichtet RFI.
Das in Schwarz-Weiß gedrehte Video zeigt eine südafrikanische Schauspielerin, die vor Porträts jener Frauen mit einem Glas anstößt, die den Marsch im August 1956 angeführt hatten, berichtet die RFI-Korrespondentin in Johannesburg, Claire Bargelès. Damals hatten sich rund 20.000 Frauen in den Gärten rund um den Regierungssitz versammelt. Die Demonstration gilt als Meilenstein im Kampf gegen die Apartheid und für die Beteiligung von Frauen am Widerstand. Am Ende des Werbespots ist die Stimme von Winnie Mandela zu hören.
Die kommerzielle Nutzung dieser schmerzhaften Geschichte sowie die Instrumentalisierung der Situation der Frauen während der Apartheid und ihres Kampfes stoßen auf heftige Kritik. Besonders problematisch ist dies auch deshalb, weil die schwarze und als „Coloured“ klassifizierte Bevölkerung während der Apartheid strengen rassistischen Beschränkungen beim Zugang zu Alkohol unterlag. Der Verkauf von Alkohol wurde vom Apartheidregime zudem als Instrument zur Kontrolle der Townships eingesetzt.
Sophie De Bruyn, die letzte noch lebende Persönlichkeit, die in dem Werbespot zu sehen ist – sie war damals 18 Jahre alt –, erklärte, sie habe niemals ihre Zustimmung zur Verwendung ihres Bildes gegeben. Auch der ANC betonte, hier gehe es um „mutige Frauen“ und nicht um bloße „Symbole für das Marketing“.
Die Whiskymarke hat sich inzwischen entschuldigt und das Video zurückgezogen. Die betroffenen Familien verlangen jedoch weitere Erklärungen dazu, wie diese Werbekampagne überhaupt konzipiert und umgesetzt werden konnte.