
Kenias Präsident William Ruto will bestimmte Bereiche des Kleinhandels stärker einheimischen Bürgern vorbehalten. Dazu zählen insbesondere der Straßenhandel sowie andere kleinere gewerbliche Tätigkeiten, die nach Ansicht des Staatschefs nicht von Ausländern ausgeübt werden sollten. Die Regierung sei angewiesen worden, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Ruto steht innenpolitisch unter Druck. Viele Kenianer leiden unter niedriger Kaufkraft und hoher Arbeitslosigkeit, insbesondere unter jungen Menschen. Kritiker sehen in dem Vorgehen gegen ausländische Händler deshalb auch den Versuch, vor der nächsten Präsidentschaftswahl die Unterstützung wirtschaftlich benachteiligter Bevölkerungsschichten zu gewinnen.
Gleichzeitig wächst die Sorge, dass die Äußerungen des Präsidenten fremdenfeindliche Stimmungen fördern könnten. Beobachter warnen vor Entwicklungen wie in Südafrika, wo Migranten und ausländische Geschäftsleute wiederholt Opfer fremdenfeindlicher Übergriffe und Plünderungen wurden.
Die Debatte berührt zudem die Ziele der Afrikanischen Union. Diese setzt im Rahmen ihrer Agenda 2063 auf eine stärkere Integration des Kontinents und eine größere Freizügigkeit seiner Bevölkerung. Maßnahmen, die ausländische Afrikaner vom Wirtschaftsleben einzelner Staaten ausschließen, könnten diesen Bestrebungen entgegenstehen.
Die kenianische Regierung steht damit vor der Herausforderung, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Chancen für die eigene Bevölkerung zu schaffen, ohne Ausländer pauschal für die sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes verantwortlich zu machen. (Quelle: lepays.bf)