USA: Fünf Nigerianern drohen wegen Betrugs und Geldwäsche bis zu 100 Jahre Haft

Fünf Nigerianer, die 2021 in Südafrika festgenommen worden waren, wurden am 11. September 2026 an die Vereinigten Staaten ausgeliefert, wo sie sich wegen des Verdachts auf elektronischen Betrug und Geldwäsche verantworten müssen. Die US-Behörden werfen ihnen vor, an Online-Liebesbetrügereien beteiligt gewesen zu sein, denen mehrere Menschen in den Vereinigten Staaten zum Opfer fielen.

Sollten sie in den verschiedenen Anklagepunkten schuldig gesprochen werden, drohen den Beschuldigten hohe Haftstrafen.

Die fünf Männer, die vom US-Staatsanwalt Robert Frazer als Perry Osagiede, 57 Jahre, Franklyn Edosa Osagiede, 42 Jahre, Osariemen Eric Clement, 40 Jahre, Collins Owhofasa Otughwor, 42 Jahre, und Musa Mudashiru, 38 Jahre, identifiziert wurden, sollen vor dem US-Bundesrichter Michael Shipp am Bundesgericht in Trenton erscheinen.

Laut der geänderten Anklageschrift sollen sich die ihnen vorgeworfenen Taten zwischen 2011 und 2021 ereignet haben. Die fünf Männer werden wegen Verschwörung zum elektronischen Betrug sowie wegen Verschwörung zur Geldwäsche angeklagt.

Perry Osagiede, Franklyn Osagiede und Osariemen Eric Clement müssen sich darüber hinaus wegen einzelner Fälle von elektronischem Betrug verantworten. Perry Osagiede, Franklyn Osagiede und Collins Owhofasa Otughwor werden zudem wegen schweren Identitätsdiebstahls angeklagt.

Liebesbetrug im Mittelpunkt der Vorwürfe

Das US-Verfahren betrifft sogenannte Romance-Scams, bei denen Opfer in den Vereinigten Staaten ins Visier genommen worden sein sollen. Nach Angaben des Staatsanwalts sollen die Verdächtigen soziale Netzwerke und Dating-Plattformen genutzt haben, um unter falschen Identitäten Kontakt zu ihren Opfern aufzunehmen.

Die Opfer sollen in dem Glauben gelassen worden sein, eine Liebesbeziehung mit den Betrügern zu führen. Anschließend seien sie dazu gebracht worden, Geld oder andere Wertgegenstände ins Ausland zu schicken, unter anderem nach Südafrika.

In einigen Fällen sollen die mutmaßlichen Täter ihre Opfer unter Druck gesetzt und damit gedroht haben, kompromittierende Fotos zu veröffentlichen, wenn diese sich weigerten oder zögerten, weitere Zahlungen zu leisten.

US-Behörden bringen Black Axe ins Spiel

Staatsanwalt Robert Frazer erklärt, die fünf Angeklagten seien führende Mitglieder von Black Axe gewesen, einer Organisation, die nach Darstellung der US-Behörden ihren Ursprung in Benin City in Nigeria hat und in mehreren Ländern aktiv ist.

Der Anklage zufolge ist die Organisation in regionale Sektionen gegliedert, die als „Zonen“ bezeichnet werden. Die fünf Männer sollen Führungspositionen innerhalb der sogenannten Cape Town Zone in Südafrika bekleidet haben.

Perry Osagiede wird als Gründer und ehemaliger Leiter dieser Zone bezeichnet. Nach Angaben des Staatsanwalts sollen die Angeklagten gemeinsam mit weiteren mutmaßlichen Mitgliedern von Kapstadt aus verschiedene Betrugsmaschen gegen Opfer in den Vereinigten Staaten koordiniert haben.

Die Ermittler werfen ihnen außerdem vor, VoIP-Telefonnummern, verschiedene Pseudonyme sowie Bankkonten und Unternehmensstrukturen genutzt zu haben, um die aus den Betrügereien stammenden Gelder zu transferieren und deren Herkunft zu verschleiern.

Bis zu 20 Jahre Haft pro Anklagepunkt

Das US-amerikanische Recht sieht für die vorgeworfenen Straftaten hohe Strafen vor. Sowohl die Verschwörung zum elektronischen Betrug als auch der elektronische Betrug selbst können jeweils mit bis zu 20 Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 250.000 US-Dollar geahndet werden.

Auch die Verschwörung zur Geldwäsche kann mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden. Hinzu kommt eine mögliche Geldstrafe von bis zu 500.000 US-Dollar oder dem Doppelten des Wertes der betroffenen Vermögenswerte – je nachdem, welcher Betrag höher ist.

Darüber hinaus kommt der Vorwurf des schweren Identitätsdiebstahls hinzu. Dieser zieht eine obligatorische Freiheitsstrafe von zwei Jahren nach sich, die zusätzlich und im Anschluss an eine andere verhängte Haftstrafe verbüßt werden muss.

Die theoretische Addition der möglichen Strafen könnte nach Angaben der US-Behörden für die fünf Angeklagten bei den wesentlichen Anklagepunkten somit zu Haftstrafen von bis zu 100 Jahren führen.

Fünf Jahre nach ihrer Festnahme ausgeliefert

Die fünf Männer waren 2021 auf Ersuchen der US-Behörden in Kapstadt festgenommen worden. Ihre Auslieferung an die Vereinigten Staaten erfolgte jedoch erst am 11. September 2026. Nun müssen sie sich vor der US-Bundesjustiz wegen der gegen sie erhobenen Vorwürfe verantworten.

Die US-Behörden weisen allerdings darauf hin, dass eine Anklageschrift keine Verurteilung darstellt. Bei den gegen die fünf Männer erhobenen Vorwürfen handelt es sich bislang um Anschuldigungen. Für jeden von ihnen gilt die Unschuldsvermutung, solange ihre Schuld nicht vor Gericht festgestellt worden ist.

Das Verfahren wird nun vor den US-amerikanischen Gerichten fortgesetzt, wo sich die Angeklagten zu den ihnen zur Last gelegten Taten verantworten müssen. (Quelle: afrik.com)