DAS-Afrika-Pressespiegel KW 41/2026: In Eigenregie

Diese Woche im DAS-Pressespiegel: Die AU startet die erste kontinentale Ratingagentur, Kenia und Uganda öffnen den Zugang zum Börsengang der Dangote-Raffinerie, die Entwicklungspolitische Nord-Süd-Kommission wird vorgestellt und in Marokko fand das Internationale Frauenfilmfestival von Salé statt.

Afrikanische Union startet erste kontinentale Ratingagentur Am Mittwoch rief die Afrikanische Union (AU) in der mauritischen Hauptstadt Port Louis offiziell die erste kontinentweite Ratingagentur ins Leben. Die African Credit Rating Agency (AfCRA) mit Sitz in dem Inselstaat im Indischen Ozean soll künftig die Kreditwürdigkeit von Staaten, Städten, Finanzinstitutionen und Unternehmen bewerten und damit nicht zuletzt die Arbeit der drei großen Ratingagenturen Fitch, Moody’s und S&P ergänzen. Die AU bezeichnete die Gründung als Meilenstein, der die finanzielle Eigenständigkeit des Kontinents stärken soll. Nach Angaben der AU soll die Agentur unabhängig arbeiten und sich als privatwirtschaftliches Unternehmen durch Gesellschafterkapital und laufende Einnahmen finanzieren. Wer die Anteilseigner sind, gaben die AU und der African Peer Review Mechanism (APRM), der maßgeblich an der Einrichtung der Agentur beteiligt war, bislang nicht bekannt. Die vorläufige Geschäftsführung soll der südafrikanische Ratingexperte und Geschäftsführer der regionalen Ratingagentur Sovereign Africa Ratings, Dr. Sifiso Falala, übernehmen.

Die bereits 2017 von der AU gebilligte Gründung der AfCRA wurde vom APRM mit Unterstützung der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (ECA) vorangetrieben. Kritikerinnen und Kritiker bemängeln seit geraumer Zeit die Methoden der etablierten Agenturen, die zusammen rund 95 % des globalen Marktes beanspruchen. Besonders mit Blick auf die Bewertung afrikanischer Staaten wurde wiederholt Kritik laut, wonach die Agenturen mit Sitz in den USA und Großbritannien die Risiken für Afrika überzeichnen würden. Darüber hinaus werde der bedeutende informelle Sektor, der wirtschaftliche Krisen abfedern kann, nicht ausreichend berücksichtigt. Die Agenturen wiesen die Vorwürfe in der Vergangenheit mit Verweis auf weltweit einheitliche Methoden zurück. Zuletzt hatte die Afrikanische Export-Import-Bank (Afreximbank) im Januar ihre Zusammenarbeit mit Fitch beendet, nachdem die Bank durch die Agentur auf eine Stufe über Ramschniveau herabgestuft worden war.

Zudem verfügen nach Angaben des APRM mit Botsuana, Marokko und Mauritius nur drei afrikanische Staaten über eine niedrige Risikobewertung, 13 gelten als Länder mit sehr hohem Ausfallrisiko und ganze 23 werden von den führenden Agenturen gar nicht bewertet. Ende 2025 gab es auf dem Kontinent weniger als 4.000 Ratings, in der EU waren es 823.000. Entsprechend verteuert sich der Finanzmarktzugang: So kostete die Aufnahme eines Kredits von 100 US-Dollar auf internationalen Märkten afrikanische Schuldner im Jahr 2024 durchschnittlich 9 US-Dollar, in Asien waren es hingegen nur rund 4,70 US-Dollar. Das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) schätzt die dadurch entstehenden Mehrkosten auf 74,5 Milliarden US-Dollar jährlich. Gleichzeitig stieg der Schuldendienst auf dem Kontinent zuletzt nach AU-Angaben von etwa 61 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 auf 163 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024.

AU-Kommissionspräsident Mahmoud Ali Youssouf betonte in Port Louis, die AfCRA müsse ihre Unabhängigkeit wahren, um das Vertrauen der Märkte zu gewinnen. APRM-Chefin Marie-Antoinette Rose Quatre rief dazu auf, die Agentur vor politischer Einflussnahme zu schützen, und mahnte die Regierungen zur Lieferung verlässlicher Wirtschaftsdaten. Chinesische Staatsmedien begrüßten die Gründung als Schritt zur Reform der internationalen Finanzarchitektur und kritisierten die strukturelle Benachteiligung Afrikas durch westliche Ratingagenturen. Die Ratingagentur Moody’s würdigte die Initiative und erklärte, sie könne die afrikanischen Kapitalmärkte stärken und das Verständnis von Kreditrisiken verbessern.

Finanzexpertinnen und -experten bewerten die Erfolgsaussichten der AfCRA unterschiedlich. Während einige an der Unabhängigkeit der von der AU initiierten Agentur zweifeln, sehen andere ihre vorrangige Aufgabe weniger darin, die Sicht ausländischer Anlegerinnen und Anleger zu verändern, als darin, afrikanische Ersparnisse verschiedener Fonds von rund 4 Billionen US-Dollar stärker in heimische Anlagen zu lenken. Hierfür sei zunächst entscheidend, dass die Agentur nach den Regulierungsstandards afrikanischer Länder anerkannt werde. Laut Falala befindet sich die Agentur bereits in Gesprächen mit verschiedenen afrikanischen Regierungen und Unternehmen. Die ersten Ratings sollen im ersten Quartal 2027 erscheinen.

Kenia und Uganda öffnen Zugang zum Börsengang der Dangote-Raffinerie Am Dienstag genehmigte die Capital Markets Authority (CMA) Ugandas den Verkauf von Anteilen an der Dangote Petroleum Refinery and Petrochemicals FZE an Anlegerinnen und Anleger im Land. Tags zuvor hatte Kenia den Zugang über Global Depositary Receipts (GDRs) erlaubt; die CMA Kenias ließ dafür mehrere lizenzierte Firmen zu …

Neue Entwicklungspolitische Nord-Süd-Kommission vorgestellt Am Montag stellten der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz und die ehemalige Präsidentin Costa Ricas Laura Chinchilla in Berlin die 20 Mitglieder der im Juni dieses Jahres eingesetzten Entwicklungspolitischen Nord-Süd-Kommission (ENSK) vor. Zu den Mitgliedern des von der Bundesregierung ins Leben gerufenen Gremiums zählen künftig neben Weltbank-Präsident Ajay Banga und dem ehemaligen USAID-Leiter Mark Green auch sechs führende afrikanische Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft …

Und sonst? Am Samstag ist das 19. Internationale Frauenfilmfestival von Salé (Festival International du Film de Femmes de Salé, FIFFS) in Marokko zu Ende gegangen …

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