Düngemittelkrise: Straße von Hormus öffnet zu spät, um die Ernten in Afrika zu retten

Düngemittelkrise: Straße von Hormus öffnet zu spät, um die Ernten in Afrika zu retten

Der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran hat die Straße von Hormus wieder geöffnet. Doch für afrikanische und europäische Landwirte kommt dies zu spät: Fünf Wochen Blockade haben die Versorgung mit Düngemitteln genau zum ungünstigsten Zeitpunkt des landwirtschaftlichen Kalenders durcheinandergebracht. In Afrika sind die Ernten 2026 gefährdet; in Europa steht die Kampagne 2027 unter großem Druck.

Eine strategische Handelsroute für Düngemittel

Die Straße von Hormus ist nicht nur die wichtigste Ölader der Welt, sondern auch ein zentraler Engpass für Stickstoffdünger und Schwefel. Die Golfregion vereint allein 43 % der weltweiten Seeexporte von Harnstoff, 44 % des Schwefels und etwa 30 % des Ammoniaks.

Katar beherbergt in Ras Laffan die größte Harnstoffanlage der Welt an einem einzigen Standort, und Saudi-Arabien exportiert von seinen östlichen Häfen jährlich rund 14 Millionen Tonnen Düngemittel. Als der Verkehr in der Meerenge nach den Angriffen vom 28. Februar 2026 um 97 % einbrach, wurden laut UNCTAD etwa 16 Millionen Tonnen Düngemittel blockiert oder umgeleitet. Die Düngemitteltransporte über Hormus gingen zwischen Februar und März um 92 % zurück.

Im Gegensatz zur Krise im Roten Meer, wo Schiffe über das Kap der Guten Hoffnung ausweichen konnten, blockiert eine Sperrung von Hormus direkt den Ausgang aus dem Golf – es gibt keine alternative Route.

Afrika mitten im Agrarzyklus getroffen

Der Schock traf Afrika zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. In Ostafrika beginnt im März die große Regenzeit – die Phase, in der Landwirte in Kenia, Tansania und Somalia Mais aussäen, das Grundnahrungsmittel des Kontinents. Die aus dem Golf bestellten Düngemittel wurden nie geliefert.

Afrika importiert im Durchschnitt 19 % seiner Düngemittel aus dem Nahen Osten, mit deutlich höheren Abhängigkeiten in einzelnen Ländern: 54 % im Sudan, 31 % in Tansania, 30 % in Somalia und 26 % in Kenia (AfricaFertilizer-Daten).

Da der Düngemitteleinsatz in Afrika ohnehin weit unter dem globalen Durchschnitt liegt, hat jede Unterbrechung besonders starke Auswirkungen auf die Erträge. Die FAO schätzt, dass das Fehlen von Stickstoffdüngern die Maiserträge um mehr als 40 % reduzieren kann.

Sahel und Westafrika ebenfalls bedroht

Für Westafrika ist das Risiko zeitlich verzögert, aber ebenso real. Die Aussaat der Hauptsaison (Juni–Juli) in Nigeria und im Sahel hat noch nicht begonnen, doch die Bestellungen für Betriebsmittel hätten während der Blockade erfolgen müssen.

Eine gemeinsame Mitteilung von AfDB, Afrikanischer Union, UNDP und UNECA vom 2. April 2026 betont, dass die entstandenen logistischen Verzögerungen selbst bei wieder geöffnetem Seeweg nicht vollständig aufgeholt werden können. Wie das Magazin Le Grand Continent analysierte, sind die Folgen der Blockade für Afrikas Ernten 2026 größtenteils bereits irreversibel.

Das Welternährungsprogramm warnte bereits Mitte März, dass bis zum Sommer 45 Millionen zusätzliche Menschen von Hunger betroffen sein könnten, wenn der Ölpreis über 100 Dollar pro Barrel bleibt. Die Düngemittelkrise wird diese Situation weiter verschärfen.

Europa 2026 noch geschützt – aber nicht 2027

Europa befindet sich in einer weniger dramatischen, aber dennoch angespannten Lage. In Frankreich hatten die meisten Getreidebauern ihre Versorgung für Winterkulturen gesichert. Laut Intercéréales waren die Düngemittel für die Ernte 2026 zu 90–95 % bereits vor Konfliktbeginn gedeckt – dank langfristiger Einkaufsstrategien.

Die Sorgen konzentrieren sich nun auf 2027. Harnstoff wird derzeit zwischen 500 und 600 Euro pro Tonne gehandelt – ein Anstieg von 30 % seit dem 28. Februar. Der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), der am 1. Januar 2026 in Kraft trat, erhöht die Kosten zusätzlich um 40 bis 140 Euro pro Tonne je nach Herkunft.

Antoine Hacard, Präsident von La Coopération Agricole – Métiers du Grain, warnte Ende März: Wenn die Spannungen über Mitte Mai hinaus anhalten, wird die Versorgung für die Ernte 2027 stark gefährdet sein. Die aktuelle Öffnung wird den Druck etwas mindern, aber den Schiffsverkehr nicht sofort normalisieren: Rund 3000 Schiffe sind blockiert, und nur 150 bis 200 können täglich die Meerenge passieren.

Globaler Wettbewerb um Düngemittel

Ein Verdrängungseffekt verschärft die Lage zusätzlich. Brasilien, Indien und China, die vom Golf abgeschnitten sind, wenden sich nun denselben Lieferanten wie Europa zu – insbesondere Ägypten, Algerien und Marokko. Diese direkte Konkurrenz bei begrenzten Mengen treibt die Preise weiter nach oben.

Gleichzeitig hat China Mitte März seine Exportbeschränkungen für Stickstoff- und Phosphatdünger verschärft, während Russland seine Quoten bis Mai verlängert. Der Düngemittelmarkt bleibt daher strukturell angespannt – weit über die Wiederöffnung der Straße von Hormus hinaus.

Eine Öffnung, die die Wunde nicht heilt

Der Waffenstillstand und die Wiederaufnahme des Verkehrs können den Preisanstieg bremsen und den Abbau der blockierten Bestände ermöglichen. Die Bank of America erwartet einen Höchststand der Stickstoffpreise Mitte des zweiten Quartals 2026, gefolgt von einer Entspannung, falls der saudi-arabische Hafen Yanbu einen Teil des Defizits ausgleichen kann.

Doch der Wiederaufbau der Lagerbestände wird Wochen oder Monate dauern. Vor allem lässt sich verlorene Zeit in der Landwirtschaft nicht aufholen: Eine verpasste Aussaatperiode bedeutet eine geringere Ernte. Die FAO weist darauf hin, dass sich erste deutliche Produktionsrückgänge innerhalb von sechs bis zwölf Monaten zeigen könnten – mit schnellen Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise.

Für die bereits vor der Krise hungernden 300 Millionen Menschen wird sich die Rechnung von Hormus letztlich auf dem Teller zeigen.

Zusammenfassung

Warum ist die Straße von Hormus für den Düngemittelhandel so wichtig?
Weil dort fast die Hälfte der weltweiten Exporte von Harnstoff, Ammoniak und Schwefel abgewickelt wird – zentrale Bestandteile der landwirtschaftlichen Produktion.

Welche Folgen hat die Blockade für Afrika?
Der Mangel an Düngemitteln hat die Maisaussaat in Ostafrika gestört und gefährdet die Ernten 2026, wodurch sich die Hungersituation verschärfen könnte.

Wird die Wiederöffnung die Preise normalisieren?
Nicht kurzfristig. Die Märkte bleiben angespannt aufgrund globaler Konkurrenz sowie Exportbeschränkungen aus Russland und China. (Quelle: afrik.com)