Südafrika: Serie von Frauenmorden erschüttert die Region Johannesburg

Eine erschreckende Serie von Frauenmorden erschüttert derzeit die Region Johannesburg in Südafrika. Innerhalb von nur drei Monaten wurden acht Frauen tot aufgefunden, häufig unbekleidet. Die Leichen wurden in einem Umkreis von nur wenigen Dutzend Kilometern entdeckt. Die Mordserie sorgt für Empörung und immer lautere Forderungen nach Konsequenzen – zumal Südafrikas Präsident den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt zur nationalen Priorität erklärt hat, berichtet RFI.

In Schwarz gekleidet und mit Kerzen in den Händen versammelten sich Studierende, um der Opfer zu gedenken. Die Stimmung ist von Trauer geprägt, während die Mordserie in der Region Johannesburg zunehmend Angst verbreitet.

„Ich traue mich nicht einmal mehr, allein ein Uber zu nehmen. Selbst in einer Gruppe habe ich Angst, auf der Straße unterwegs zu sein, denn wenn wir nur Frauen sind, fühlen wir uns gefährdet. Man lebt mit der Angst und fragt sich, ob man die Nächste sein wird. Manchmal denkt man sogar: Warum bin ich überhaupt am Leben, wenn ich am Ende sowieso getötet werde?“, sagt die 22-jährige Studentin Tshepamg Rabase.

Die Polizei äußert sich bislang zurückhaltend und bestätigt nicht, dass ein einzelner Täter für alle Morde verantwortlich ist. Dennoch ist bereits vielfach vom „Serienmörder von Kempton Park“ die Rede. Kempton Park liegt östlich von Johannesburg und ist der Ort, an dem die ersten Opfer gefunden wurden.

Zwischen Dienstag, dem 15. September, und Mittwoch, dem 16. September, stieg die Zahl der Opfer von sechs auf acht. Die Polizei hat inzwischen eine spezielle Ermittlungsgruppe eingerichtet und untersucht mögliche Zusammenhänge zwischen mehreren Fällen.

Die Mordserie hat in Südafrika eine Schockwelle ausgelöst. Organisationen, politische Parteien und Bürger äußern ihre Empörung. Mit jedem weiteren Leichenfund beherrscht der Fall erneut die Schlagzeilen und sorgt für zahlreiche Reaktionen in den sozialen Netzwerken.

Erschöpfung, Empörung und Wut

Nach Angaben der Organisation Women for Change werden in Südafrika täglich 15 Frauen getötet. Die Architekturstudentin Omphile Mapoti hofft, dass ihre Generation etwas verändern kann. „Ich bin müde. Denn wir erheben seit Jahren unsere Stimme. Seit Jahrzehnten werden Frauen in diesem Land einfach nicht ernst genommen. Aber all diese Studierenden heute hier zu sehen, ist wirklich bewegend und gibt ein wenig Hoffnung. Die Hoffnung, dass wir es eines Tages schaffen werden, die Dinge auf die eine oder andere Weise zu verändern. Aber diese Veränderung kann nur von uns selbst ausgehen.“

Am Ende der Gedenkveranstaltung wurden die Kerzen zu einem großen Herz zusammengestellt – zum Gedenken an die Opfer der Frauenmorde.

Zur Empörung kommt zunehmend Wut hinzu. Statt Frauen immer wieder zu größerer Vorsicht aufzurufen, fordern viele Südafrikanerinnen ein entschlosseneres Vorgehen der Sicherheitsbehörden und dringende Maßnahmen der Regierung.

Im vergangenen Jahr hatte Präsident Cyril Ramaphosa den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt zur nationalen Priorität erklärt, unter anderem im Zusammenhang mit dem G20-Gipfel. Frauenrechtsorganisationen und Betroffene beklagen jedoch, dass sich seitdem vor Ort kaum etwas konkret verändert habe.

Die jüngste Serie von Frauenmorden lässt die Kritik an der Regierung in Südafrika nun erneut aufflammen.