
Auf ihrem 39. Gipfeltreffen in Addis Abeba hat die Afrikanische Union die Erklärung von Algier über koloniale Verbrechen in Afrika verabschiedet. Ein Text, der im Vorfeld vom algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune verteidigt und strukturiert wurde. In direkter Fortsetzung dieser Initiative beschlossen die afrikanischen Staats- und Regierungschefs zudem, den 30. November als „Afrikanischen Gedenktag zu Ehren der afrikanischen Märtyrer und der Opfer des transatlantischen Sklavenhandels, der Kolonisation und der Apartheid“ einzuführen.
Addis Abeba: Ein Gipfel, der die Erinnerung wieder ins Zentrum des afrikanischen Projekts rückt
Im Sitz der Afrikanischen Union in Addis Abeba haben die afrikanischen Staats- und Regierungschefs am 16. Februar 2026 das koloniale Gedächtnis zu einem zentralen politischen Thema gemacht. Der 39. Gipfel fand in einem internationalen Kontext statt, in dem Fragen zu kolonialen Hinterlassenschaften, Rückgaben und Reparationen zunehmend die Beziehungen zwischen Afrika und dem Rest der Welt prägen.
In diesem Zusammenhang betonten mehrere Delegationen die Notwendigkeit, fragmentierte Ansätze zu überwinden, die häufig auf die nationale Ebene beschränkt sind, um eine gemeinsame afrikanische Position zu formulieren. Genau in dieser Logik steht die Erklärung von Algier: einen gemeinsamen, klaren und selbstbewussten Rahmen zu schaffen, um koloniale Verbrechen und ihre langfristigen Folgen zu benennen.
Von der Initiative Tebboune zur kontinentalen Annahme
Auch wenn der Text in Addis Abeba verabschiedet wurde, reicht sein Ursprung weiter zurück. Die Erklärung von Algier ist das Ergebnis einer diplomatischen Arbeit, die vom algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune angestoßen wurde, der die Anerkennung kolonialer Verbrechen zu einer tragenden Säule seines politischen Handelns auf der afrikanischen Bühne gemacht hat.
Getragen von Algerien fand diese Erklärung schrittweise breite Zustimmung bei zahlreichen Mitgliedstaaten, insbesondere bei jenen, deren Geschichte vom transatlantischen Sklavenhandel, gewaltsamer Kolonisation oder der Apartheid geprägt ist. Im Vorfeld des Gipfels setzte sich Tebboune dafür ein, diese politische Initiative in eine tragfähige Konsensbasis zu überführen, die es den afrikanischen Staats- und Regierungschefs ermöglichte, zu einer gemeinsamen Position zusammenzufinden.
Die Annahme des Textes durch die Afrikanische Union markiert somit den Übergang von der präsidialen Initiative eines einzelnen Landes hin zu einem kontinentalen Engagement. Sie unterstreicht zugleich die Rolle Tebbounes als eines der aktivsten afrikanischen Staatsoberhäupter in Fragen der Erinnerungspolitik, der historischen Souveränität und der internationalen Gerechtigkeit.
Der 30. November: Ein jährlicher Bezugspunkt zum Gedenken und zur Weitergabe der Erinnerung
In direkter Fortsetzung der Erklärung von Algier beschlossen die Staats- und Regierungschefs, den 30. November als „Afrikanischen Gedenktag zu Ehren der afrikanischen Märtyrer und der Opfer des transatlantischen Sklavenhandels, der Kolonisation und der Apartheid“ einzuführen. Dieses Datum soll sich zu einem jährlichen Höhepunkt entwickeln, der sowohl symbolische als auch pädagogische Bedeutung hat.
Über reine Gedenkfeiern hinaus betonten mehrere Staats- und Regierungschefs die Notwendigkeit, diesen Tag in konkrete öffentliche Politiken einzubetten: Bildungsprogramme, kulturelle Initiativen, Förderung historischer Forschung und Aufwertung afrikanischer Narrative. Auch hier besteht die von Tebboune vertretene Vision darin, Erinnerung nicht als rückwärtsgewandten Blick zu verstehen, sondern als Hebel zur Gestaltung der Zukunft und zur Stärkung des Zusammenhalts des Kontinents.
Mit der Annahme der Erklärung von Algier und der Einführung eines kontinentalen Gedenktages erreicht die Afrikanische Union einen bedeutenden Meilenstein. Unter dem Impuls von Abdelmadjid Tebboune bekräftigt Afrika seinen Willen, die Kontrolle über seine Geschichte zurückzugewinnen, sie klar zu benennen und dauerhaft ins Zentrum seines kollektiven politischen Projekts zu stellen.
Ein Ansatz, der darauf ausgelegt ist, langfristig Gewicht in den großen internationalen Debatten über historische Gerechtigkeit und die Verantwortung für die Verbrechen der Vergangenheit zu erlangen. (Quelle: afrik.com)