
Von *Volker Seitz • „Ich freue mich, wenn ich über zuversichtlich stimmende Entwicklungen in Afrika berichten kann – und nicht über Missstände, die zu neuen Migrantenströmen führen. Benin darf weiterhin – mit einer loyalen Armee – als gut funktionierende Demokratie auf unserem Nachbarkontinent gelten“.
Benin (früher Dahomey) zählt seit mehr als 30 Jahren zu den stabileren Demokratien in Afrika. Eine große Ausnahme auf dem Kontinent. In vielen afrikanischen Ländern ist ein friedlicher und demokratischer Machtwechsel immer noch eine Ausnahme, anders im westafrikanischen Benin. Nachdem Mathieu Kérékou nach einem Militärputsch 1972 fast zwei Jahrzehnte autoritär regiert hatte, wurde er 1991 durch eine friedliche Wahl abgelöst. 1996 wurde er demokratisch erneut gewählt und 2001 im Amt bestätigt. Anders als in anderen Staaten (Beispiele: Kamerun, Äquatorialguinea, Uganda, Côte d’Ivoire, Kongo/Brazzaville, Djibouti oder Eritrea) klammerte sich Kérékou nicht an die Macht und versuchte nicht, wie anderswo, die Verfassung entsprechend zu ändern. Seither gab es mehrere reibungslose Machtwechsel.
Mein erster Botschafterposten war in Benin, deshalb hat mich der Putschversuch am 7.12.2025 gegen den gewählten Präsidenten sehr berührt. Die Putschisten besetzten den staatlichen Fernsehsender SRTB (Société de Radiodiffusion et de Television du Benin) und verkündeten die Absetzung des gewählten Staatspräsidenten Patrice Talon (erstmalige Wahl 2016, Wiederwahl im Jahr 2021). Doch nach 12 Stunden hatte das reguläre Militär die Aufständischen unter Kontrolle gebracht und die Ordnung wiederhergestellt. 14 Personen wurden festgenommen. Der Anführer des gescheiterten Putschversuchs, Oberst Pascal Tigri, ist auf der Flucht. Die Putschisten hatten sich offensichtlich verkalkuliert. Es gab keine Unterstützung in der Bevölkerung. Im Hintergrund wurde die ideologische Schützenhilfe aus dem Umfeld der drei Sahelputschstaaten Mali, Burkina Faso und Niger, in denen sie die meuternden Soldaten feierten, vermutet.
Präsident Talon hätten die Putschisten auch gar nicht absetzen müssen, denn er hatte mehrfach betont, dass er nach Ablauf seiner zweiten Amtszeit 2026 sich an die Verfassung halten und keine dritte Amtszeit anstreben werde. Die regierende Partei nominierte den derzeitigen Wirtschafts- und Finanzminister Romuald Wadagni (49) für die Wahl am 12. April 2026. Er gilt als Spitzenkraft (Harvard Business School und 17 Jahre CEO von Deloitte in Frankreich und im Kongo), und er könnte die erfolgreiche Politik von Patrice Talon (67), der das Land nach unternehmerischen Prinzipien und ambitionierten Zielvorgaben – nach dem Vorbild von Ruanda – führt, fortsetzen.
Das Hauptanliegen von Wadagni ist es, das Werk seines Vorgängers zu vollenden. Daran wird er in sieben Jahren (die Amtszeit des Präsidenten wurde 2025 vom Parlament von fünf auf sieben Jahre verlängert) politisch gemessen werden. Seine Fähigkeit, mit den verschiedenen politischen Kräften zurechtzukommen, wird über den weiteren Verlauf entscheiden. Seine Kompetenz und seine Fähigkeit, den wirtschaftlichen Kurs des Landes weiterzuführen, sind auch in den westlichen Ländern unbestritten. Ich habe keinen Zweifel, dass Ronald Wadagni im April zum nächsten Präsidenten gewählt wird. Die beiden Gegenkandidaten haben nur eine geringe politische Basis.
Gute Beziehungen mit Paris
Nach dem erzwungenen Rückzug Frankreichs aus zahlreichen Ländern in Westafrika zählt Benin zu den Schwerpunktländern französischer Politik. Es gibt eine Übereinstimmung von Interessen. Paris unterstützte die Aufstellung einer Eliteeinheit, die auf Grenzsicherung und Terrorismusbekämpfung spezialisiert ist und zu der auch Spezialeinheiten gehören, die mit modernster, von Frankreich bereitgestellter Ausrüstung ausgestattet sind. Um für den Einsatz in feindlichem Terrain gerüstet zu sein, werden die Angehörigen der Nationalgarde von französischen Ausbildern begleitet. Die Beziehungen zwischen Cotonou und Paris beschränken sich nicht nur auf Sicherheitsfragen. Auch der wirtschaftliche Austausch und die Partnerschaften haben sich in den letzten zehn Jahren intensiviert, während Frankreich sich gleichzeitig aus Mali, Burkina Faso und Niger zurückziehen musste, die vor dem Hintergrund anti-französischer Stimmungen ihre Beziehungen zu Russland vertieft haben.
Lieber Kredite statt Spenden
Frankreich hat sich ebenfalls dafür entschieden, seine kulturelle Zusammenarbeit in Benin zu intensivieren. Mit 853 Millionen Euro wurden und werden verschiedene Projekte finanziert, darunter der Bau von zwei Museen: Musée des Rois et des Amazones du Danhomè (Murad), (Museum der Könige und Amazonen von Danhomè in Abomey) und das Museum für zeitgenössische Kunst in Cotonou (MACC).
Überdies ist anzumerken, dass das Portfolio Frankreichs in Benin zu 73 Prozent aus Darlehen und zu 19 Prozent aus Zuschüssen besteht. „Kein Land hat sich durch Spenden entwickelt. Die Kredite zeugen von der Anerkennung der soliden öffentlichen Finanzverwaltung und der Bonität Benins“, freut sich Olushegin Adjadi Bakari, der beninische Außenminister. Diese zutreffende Feststellung sollten auch unsere Entwicklungspolitiker zur Kenntnis nehmen.
Ich habe in diesem armen Land (erfreulicherweise gibt es keine Bodenschätze, die in anderen Ländern für blutige Konflikte sorgen) wunderbare Menschen kennengelernt, z.B., Künstler, Journalisten, Wissenschaftler, Ärzte, Priester, Voodoo-Priester, Unternehmer, Bauern, Bürgermeister auf dem Land. Die Beniner haben eine besondere Fähigkeit zur ironisch-distanzierten Selbstbetrachtung und Humor. Wenn sie etwa die Stadt Ganvie mit ihren Lagunen und schilfgedeckten Pfahlhütten als „Venedig Afrikas“ bezeichnen, geschieht das mit einem guten Schuss Ironie und mit einem Augenzwinkern. Humor und Gelassenheit sind vielleicht auch die Schlüssel zu dem vergleichsweise sehr friedlichen Zusammenleben der Ethnien in diesem kleinen Land.
Ich freue mich, wenn ich über zuversichtlich stimmende Entwicklungen in Afrika berichten kann – und nicht über Missstände, die zu neuen Migrantenströmen führen. Der Trend ist in allen Schichten der Bevölkerung sichtbar. Benin darf weiterhin – mit einer loyalen Armee – als gut funktionierende Demokratie auf unserem Nachbarkontinent gelten. Trotz stabilem gesamtwirtschaftlichem leichten Wachstum seit Mitte der 1990er Jahre zählt Benin noch immer zu den armen Ländern der Welt. Das Land hängt vorwiegend von Einnahmen aus dem Hafen von Cotonou (Transitknotenpunkt für Nachbarländer) und Baumwollexporten ab.
„Das Land ist ein kleiner Markt, genießt aber einen guten Ruf. Es setzt sich Ziele und erreicht sie. Es befindet sich im Wandel, und das merkt man“, sagt Étienne Giros, Präsident des Cian (Conseil français des investisseurs en Afrique). Er vertritt etwa 170 Unternehmen (vom Mittelstand bis zu CAC-40-Konzernen), die in Afrika investieren und zusammen einen Jahresumsatz von rund 60 Milliarden Euro auf dem Kontinent erzielen. (Quelle: achgut.com, mit frdl. Genehmigung des Autors *Volker Seitz, Botschafter a.D. und Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“).