Burkina Faso: Das Traoré-Regime verriegelt das Innere

Burkina Faso: Das Traoré-Regime verriegelt das Innere
Symbolbild

Nach Verwirrung und alarmierenden Gerüchten in Ouagadougou hat sich der Nebel nicht gelichtet – er hat sich verdichtet. Zwar herrscht auf den Straßen der Hauptstadt scheinbar Ruhe, doch hinter den Kulissen der Macht ist ein brutales Durchgreifen zu spüren. Zwischen einer Staatsspitze, die sich in Schweigen hüllt, und einer aufgewühlten Unterstützerbasis durchläuft Burkina Faso eine Turbulenzphase, in der die Bedrohung nun offenbar aus dem Inneren des eigenen Sicherheitsapparats kommt.

Das ist die zentrale Information, die seit diesem Morgen durchsickert: Die Gefahr gehe nicht nur von bewaffneten Terrorgruppen oder äußeren Feinden aus, sondern aus dem Kern des militärischen Apparats. Übereinstimmenden Quellen zufolge richtet sich die am Sonntag ausgelöste Verhaftungswelle nicht nur gegen klassische Gegner, sondern trifft strategische Schaltstellen der Armee.

Die mutmaßliche Festnahme von Verantwortlichen für Drohnenoperationen – darunter auch der Koordinator, der Ibrahim Traoré eigentlich nahesteht, sowohl Militärs als auch Zivilisten – ist ein gravierendes Warnsignal. Da die Luftfahrzeuge den Grundpfeiler der Rückeroberungsstrategie von Hauptmann Ibrahim Traoré bilden, deutet eine Säuberung in diesem Bereich auf die Angst vor einem „Umdrehen“ der eigenen Waffen des Regimes hin. Die Paranoia scheint die Seite gewechselt zu haben: Sie richtet sich nicht mehr nur gegen Exilierte, sondern gegen die im Land verbliebenen Waffenbrüder.

Schweigen als Kommunikationsstrategie
Auffällig in dieser Phase ist das ohrenbetäubende Schweigen der Behörden. Bis Dienstag, den 6. Januar, zur Mittagszeit hat keine offizielle Mitteilung den Destabilisierungsversuch bestätigt oder dementiert.

Dieses kommunikative Vakuum ist eine erprobte Taktik. Indem das Regime Gerüchte laufen lässt, ohne sie zu formalisieren, überlässt es seinen bedingungslosen Unterstützern – den „Wayiyans“, der zivilen Garde des Hauptmanns – das Feld. Diese besetzen den öffentlichen Raum, kontrollieren Kreisverkehre und fluten die sozialen Netzwerke, wodurch ein abschreckender „Volks­schild“ entsteht, ohne dass die Regierung ihr offizielles Wort einsetzen muss.

Ein sozialer Kontext unter Hochspannung und das Ventil Fußball
Diese Krise entfaltet sich in einem Klima, das bereits durch die Zunahme erzwungener Verschleppungen (Journalisten, Richter, Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft) schwer belastet ist. In Ouagadougou herrscht die Atmosphäre einer Stadt, in der Loyalität an öffentlicher Sichtbarkeit gemessen wird: Wer nicht lautstark unterstützt, gilt bereits als verdächtig.

Ironischerweise soll dieser angespannte Tag mit einem Ereignis enden, das über den sportlichen Rahmen hinausgeht. Heute Abend treffen die Étalons von Burkina Faso im Rahmen des Afrika-Cups (CAN) auf die Elfenbeinküste. Dieses Duell ist nicht belanglos. In der Rhetorik der Unterstützer von Hauptmann Traoré wird Abidjan häufig als rückwärtige Basis der Destabilisierung bezeichnet. Umso bedeutsamer, als auch Wirtschaftskreise ins Visier des Hauptmanns geraten sind – wegen ihrer möglichen Unterstützung des Destabilisierungsversuchs. Ein Sieg heute Abend würde als patriotischer Triumph und symbolische Revanche ausgeschlachtet. Eine Niederlage hingegen oder Ausschreitungen am Rande des Spiels könnten die ohnehin von Unsicherheit geladene Atmosphäre weiter aufheizen.

Hauptmann Traoré scheint weiterhin Herr der Lage zu sein, doch der Kreis seines Vertrauens zieht sich enger. Die burkinische Übergangsphase tritt in eine Phase interner „Säuberung“ ein, in der das Überleben des Regimes von der verstärkten Überwachung der eigenen Wächter abhängt. (Quelle: afrik.com)