Den Kampf gegen die Wüstenbildung verstärken: Die „Great Green Wall“ als Zukunftsprojekt für die Sahelzone

Der Klimawandel verändert unsere Welt grundlegend und bedroht zunehmend unsere Lebensgrundlagen. Eine der größten globalen Herausforderungen besteht deshalb darin, seine Folgen einzudämmen und die natürlichen Lebensbedingungen auf unserem Planeten langfristig zu erhalten. Rund ein Drittel der weltweiten Landflächen ist von Wüstenbildung bedroht. Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen in Afrika, wo die Sahara das Klima und die Umweltbedingungen weit über ihre eigentlichen Grenzen hinaus beeinflusst. Die fortschreitende Ausbreitung der Wüste nach Süden stellt insbesondere die Länder der Sahelzone vor enorme Herausforderungen.

Deutschland und seine europäischen Partner sollten deshalb ihre Zusammenarbeit mit den Staaten Subsahara-Afrikas verstärken. Als nördliche Nachbarn Afrikas tragen wir eine besondere Verantwortung, die betroffenen Länder bei der Bekämpfung der Wüstenbildung und der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Denn eines steht fest: Die Wüste ist kein statischer Lebensraum – sie verändert sich und breitet sich weiter aus.

Ein grüner Gürtel gegen die Wüste

Bereits 2005 wurde auf Initiative der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union das ehrgeizige panafrikanische Projekt „Great Green Wall“ auf den Weg gebracht. Ziel ist es, die fortschreitende Wüstenbildung einzudämmen und mehr als 250 Millionen Hektar geschädigter Landflächen wiederherzustellen. Dafür sollen insgesamt rund 33 Milliarden US-Dollar mobilisiert werden.

Das Projekt erstreckt sich über einen etwa 8.000 Kilometer langen Gürtel quer durch Afrika. Elf Länder sind daran beteiligt, von Senegal und Mauretanien im Westen bis nach Dschibuti im Osten.

Die Umsetzung gestaltet sich allerdings schwierig. Nach Angaben des IPCS waren bis 2024 lediglich 15 bis 18 Prozent der angestrebten Maßnahmen zur Wiederherstellung degradierter Landflächen erreicht worden.

Die im August 2026 in der Mongolei veranstaltete UN-Weltbodenkonferenz im Rahmen des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) hat mich dazu veranlasst, die Situation in Afrika erneut in den Blick zu nehmen und die bisherigen Fortschritte des Projekts „Great Green Wall“ zur Diskussion zu stellen.

Deutschlands Engagement in der Sahelzone

Mit seiner 2023 gestarteten Sahel-Initiative hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wichtige Impulse für die Finanzierung und Umsetzung entsprechender Entwicklungsprogramme gesetzt.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) konzentrieren sich die Maßnahmen insbesondere auf fünf Kernstaaten. Dabei geht es nicht allein um großflächige Baumpflanzungen zur Schaffung eines grünen Schutzgürtels. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die nachhaltige Wiederbegrünung geschädigter Flächen und eine an die klimatischen Bedingungen angepasste ländliche Entwicklung.

Seit 2022 hat das BMZ gemeinsam mit internationalen Partnern über verschiedene Geberplattformen zusätzliche Finanzmittel mobilisiert, um die Sahelstaaten unter anderem durch Übergangshilfen zu unterstützen.

Ein aktuelles Beispiel ist der vom BMZ angestoßene „Berlin Process for Food Security in the Sahel Region“. Diese Initiative setzt ein wichtiges Zeichen im Kampf gegen Hunger und für eine langfristige Verbesserung der Ernährungssicherheit.

Deutschland übernimmt als größter bilateraler Geber im Rahmen der Sahel-Resilienz-Partnerschaft eine besondere Verantwortung. Staatssekretär Niels Annen kündigte für 2026 Mittel in Höhe von 130 Millionen Euro an. Davon sind 120 Millionen Euro für das Welternährungsprogramm (WFP) und UNICEF vorgesehen.

Doch wie könnten die verbleibenden zehn Millionen Euro möglichst wirkungsvoll eingesetzt werden?

Meiner Ansicht nach sollten diese Mittel gezielt in den Aufbau leistungsfähiger ländlicher Wirtschaftsstrukturen fließen. Insbesondere die Existenzgrundlagen der Kleinbauern in den Sahelstaaten müssen langfristig gesichert werden.

Dafür bietet sich eine stärkere Einbindung deutscher Unternehmen an. Ergänzend zu den bereits für den Zeitraum 2024 bis 2027 vorgesehenen Unterstützungsmaßnahmen für rund 6.000 Dorfgemeinschaften könnten zusätzliche Investitionen nachhaltige wirtschaftliche Perspektiven schaffen.

Die Bundesregierung sollte sich deshalb nicht darauf beschränken, finanzielle Hilfen bereitzustellen. Vielmehr gilt es, die deutsche Wirtschaft stärker in strategische Entwicklungspartnerschaften einzubeziehen. Unternehmen könnten ihre technischen und wirtschaftlichen Kompetenzen unmittelbar vor Ort einbringen und damit einen wichtigen Beitrag zur regionalen Entwicklung leisten.

Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist der Aufbau verlässlicher Partnerschaften mit den Sahelstaaten. Gleichzeitig sollten afrikanische Initiativen stärker gefördert und die Eigenverantwortung der Partnerländer gestärkt werden.

In diesem Zusammenhang erscheint mir ein Leitgedanke des „Africa Forward Summit“, der im Juni 2026 in Kenia stattfand, besonders treffend: Afrikas Fortschritt muss sich daran messen lassen, welche konkreten Ergebnisse erzielt werden.

Ein konkreter Vorschlag: Aufbau von Agrar- und Industriezentren

Um die landwirtschaftliche Entwicklung in der Sahelzone nachhaltig voranzubringen, schlage ich die Einrichtung sogenannter „Agro Industry Centers“ vor.

Dabei handelt es sich um landwirtschaftlich-industrielle Entwicklungszentren, die moderne Produktionsmöglichkeiten mit kooperativen Betriebsstrukturen verbinden. Ihr Ziel wäre es, die Produktivität der Landwirtschaft zu steigern, die wirtschaftliche Situation der Kleinbauern zu verbessern und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Solche Zentren könnten verschiedene Funktionen miteinander verbinden. Dazu gehören moderne Werkstätten für Metallbearbeitung, Elektrotechnik und Holzverarbeitung, die Bereitstellung landwirtschaftlicher Maschinen sowie die Planung und Organisation des Anbaus von Getreide, Hackfrüchten und anderen Nutzpflanzen.

Hinzu kämen Einrichtungen zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, lokale Lagerkapazitäten einschließlich Kühlmöglichkeiten sowie angepasste Bewässerungssysteme.

Ein weiterer Schwerpunkt sollte auf der Verbesserung der Anbaubedingungen liegen. Fachleute könnten die Landwirte bei der Einführung geeigneter Pflanzenarten und widerstandsfähiger Sorten beraten. Denkbar wären beispielsweise Topinambur, Sonnenblumen, Lupinen, Quinoa und Moringa.

Von besonderer Bedeutung wäre außerdem die Verbindung von Produktion und beruflicher Qualifizierung. Die Zentren könnten Ausbildungsplätze schaffen, praktische Kenntnisse vermitteln und damit langfristig Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bevölkerung eröffnen.

Ein interessantes Vorbild bietet Ghana, wo bereits erhebliche Anstrengungen zur Modernisierung der landwirtschaftlichen Strukturen unternommen werden. Die dort gewonnenen Erfahrungen könnten auch für die Sahelzone wertvoll sein. Ich bin überzeugt, dass Ghana grundsätzlich bereit wäre, sich an entsprechenden Kooperationsprojekten zu beteiligen.

Finanzierung und internationale Partnerschaften

Für die Umsetzung eines solchen Vorhabens wäre zunächst eine verlässliche Anschubfinanzierung erforderlich. Die vom BMZ bereitgestellten und über die GIZ umgesetzten Mittel sollten deshalb auch für die Jahre 2027 und 2028 in ausreichendem Umfang gesichert werden. Zugleich wäre es wünschenswert, wenn sich die GIZ aktiv an der Planung und Entwicklung eines entsprechenden Pilotprojekts beteiligen würde.

Darüber hinaus sollten zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten durch afrikanische Investoren erschlossen werden.

Als mögliche Partner kommen beispielsweise die nigerianische Dangote Group sowie Flour Mills of Nigeria unter der Leitung ihres Vorstandsvorsitzenden John Coumantaros infrage.

Auch Unternehmen und Investoren aus Algerien und Marokko könnten für eine Beteiligung gewonnen werden. Beide Länder haben aufgrund ihrer geografischen Nähe ein besonderes Interesse an einer wirtschaftlich stabilen und nachhaltig entwickelten Sahelregion.

Allerdings erfordert die Umsetzung solcher Projekte auch politische Gespräche mit den Regierungen der beteiligten Staaten. Insbesondere in den Ländern der Allianz der Sahelstaaten (AES), die derzeit von Militärregierungen geführt werden, wäre ein entsprechender Dialog notwendig.

Deutsche Afrikapolitik: Wirtschaftliche Zusammenarbeit stärker nutzen

Mein Vorschlag steht auch im Zusammenhang mit den jüngsten diplomatischen Initiativen von Bundesaußenminister Johann Wadephul.

Während seiner dritten Afrikareise im Juli 2026 betonte Wadephul, dass Deutschland sein Engagement auf dem afrikanischen Kontinent verstärken wolle. Dabei machte er deutlich, dass wirtschaftliche Interessen und der Aufbau langfristiger, verlässlicher Partnerschaften eine zentrale Rolle spielen.

Bei seinem Besuch in Mauretanien standen unter anderem die Vertiefung der Sicherheitszusammenarbeit und die Stabilität der Sahelregion im Mittelpunkt.

Mauretanien verfügt trotz seiner schwierigen klimatischen Bedingungen über beträchtliche wirtschaftliche Potenziale. Dazu gehören insbesondere erneuerbare Energien sowie die Förderung wichtiger Rohstoffe wie Eisenerz.

Für deutsche Unternehmen eröffnen sich damit vielfältige Möglichkeiten, sich wirtschaftlich zu engagieren und langfristig auf dem afrikanischen Markt Fuß zu fassen.

Außenminister Wadephul hat die deutsche Wirtschaft ausdrücklich dazu aufgerufen, entsprechende Chancen nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.

Dieser Appell sollte auch für die Entwicklungszusammenarbeit gelten. Es reicht nicht aus, ehrgeizige Programme zu beschließen und finanzielle Zusagen zu machen. Entscheidend ist, dass vereinbarte Maßnahmen zügig in konkrete und dauerhaft tragfähige Projekte umgesetzt werden.

Die vorgeschlagenen Agrar- und Industriezentren könnten hierfür ein praktisches Beispiel liefern. Sie würden Klimaschutz, Ernährungssicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und berufliche Qualifizierung miteinander verbinden und zugleich neue Perspektiven für die Zusammenarbeit zwischen deutschen Unternehmen und afrikanischen Partnern eröffnen.

Die Zeit drängt. Der Klimawandel und die fortschreitende Wüstenbildung verlangen nach entschlossenem Handeln. Gleichzeitig bietet die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas Chancen, die Deutschland nicht verpassen sollte.

Wie Außenminister Wadephul treffend formulierte: „Wer heute nicht in Afrika präsent ist, der riskiert, entscheidende Chancen zu verpassen.“ (Dipl.-Ök. Gerd Eckert)